BÖRSENBLATT-Café

Digitaler Lesezauber

15. Oktober 2008
Redaktion Börsenblatt
Im BÖRSENBLATT-Café auf der Frankfurter Buchmesse haben heute um 11 Uhr drei Experten darüber diskutiert, wie E-Books unsere Lesegewohnheiten verändern.
Es diskutierten Christoph Bläsi (Buchwissenschaftler), Falk Kühnel (justread) und Lutz Dursthoff (Kiepenheuer & Witsch). Moderiert wurde die Veranstaltung von BÖRSENBLATT-Redakteur Michael Roesler-Graichen. "Worin liegt der Unterschied beim Lesen eines E-Book-Readers gegenüber dem Lesen in Büchern?", fragte Michael Roesler-Graichen zu Anfang. "Das lokale Leserverhalten wird sich gar nicht verändern. Was sich grundlegend ändert, sind die vielen Dinge drumherum", so Christoph Bläsi. Das habe vor allem mit den Prozessen und etwa der Frage zu tun, wie man sich den Lesestoff besorgt. "Die Einbettung ist sehr anders. Zu überlegen ist auch, wie wichtig die sekundären Eigenschaften des Lesens sind", so Bläsi. Lutz Dursthoff erzählte, dass es für ihn schon dazu gehört, Manuskripte auf E-Readern zu lesen, etwa in der U-Bahn. "Wir sparen dadurch sehr viel Papier und die Handhabung der Geräte ist sehr einfach", so Dursthoff. "Alle unsere Mitarbeiter haben inzwischen einen E-Reader. Es ist einfach extrem komfortabel, alle Manuskripte in dem Gerät mit sich zu tragen". Dursthoff räumte aber auch ein, dass der Gebrauch von E-Readern durchaus noch nicht selbstverständlich ist. "Uwe Timm war ziemlich entsetzt, als ich ihm erzählte, dass ich sein Buch auf dem E-Book-Reader lese", so Dursthoff. Auch die Nachteile der E-Reader wurden auf dem Podium angesprochen. Zum Beispiel könne man keine Anstreichungen machen und auch das hin und herblättern sei noch nicht so komfortabel. Die Geräte müssten noch mehr Funktionen übernehmen, die die Papiermedien haben, da waren sich die Podiumsteilnehmer einig. Falk Kühnel ist jedoch jetzt schon "total begeistert von der neuen Technologie". Auch er räumt jedoch ein, dass man bei den Büchern noch die Benutzbarkeit verbessern müsste. "Vielleicht gibt es irgendwann sogar einen Reader, der seine Außenseite verändert, je nachdem, welches Buch man sich hochläd", blickte Kühnel in die Zukunft. Auch wäre eine Verknüpfung zwischen Online-Lesenden, die sich gegenseitig Empfehlungen geben können, eine große Chance dieser neuen Technik. Auf die Frage, ob sich die Produktion von Texten künftig verändern müsse, antwortete Bäsi: "Ich glaube auf jeden Fall, dass wir eine veränderte Textproduktion bekommen. Allerdings wird dies losgelöst von den Geräten sein. Die Entwicklung neuer Schreibweisen vollzieht sich bereits seit zehn Jahren." Dursthoff könnte sich durchaus vorstellen, aktualisierte Sachbücher auf E-Readern anzubieten, allerdings stelle sich dann die Frage, "was das noch mit einem Buch zu tun hat, wenn solche Texte, zum Beispiel über die aktuelle Finanzkrise täglich bearbeitet und aktualisiert werden". Wird einem bei der schnellen Entwicklung der Technik nicht schwindelig? "Die Gefahr besteht darin, dass man bei Geräten, mit denen man auch surfen und telefonieren kann, ständig abgelenkt wird vom eigentlichen Lesen und zum Beispiel schnell mal zwischendurch die Börsenkurse nachschaut", so Dursthoff. Er kann sich durchaus vorstellen, dass E-Book-Reader bald nicht nur von Lektoren, Wissenschaftlern, und Studenten benutzt werden, sondern auch für Krimileser am Strand interessant sein könnten. Eine große Schwelle sei bislang jedoch noch die Preisgestaltung. "Aber in drei bis fünf Jahren werden die Geräte günstiger werden und auch farbig sein", so Kühnel. "Dadurch werden sie zudem interessanter für Magazine und es wird sicher auch zu einer größeren Verbreitung kommen". "Trotz aller technischen Möglichkeiten wird es nach wie vor immer noch einen Markt für schön gemachte Bücher auf Papier geben", so Dursthoff. Die weiteren Veranstaltungen im BÖRSENBLATT-Café Mittwoch, 15. Oktober, 15 Uhr „Vorbeugen gegen Rückenschmerzen“: BÖRSENBLATT und Schotts Sammelsurium prämieren den kuriosesten Buchtitel 2008. Mit Podiumsdiskussion: Was macht einen spannenden Titel aus? Es diskutieren der Kabarettist Eckart von Hirschhausen, der Literaturkritiker Elmar Krekeler ("Die Welt") und Autor Ben Schott. Moderation: Sabrina Gab, Stefan Hauck (BÖRSENBLATT) Donnerstag, 16. Oktober, 11 Uhr Ausgeträumt – lernen junge Buchhändler das, was sie sich vorgestellt haben? Es diskutieren Azubis aus dem Buchhandel und anderen Branchen. Moderation: Sabrina Gab, Stefan Hauck (BÖRSENBLATT) Donnerstag, 16. Oktober, 15 Uhr Perfekt oder preiswert? Qualitätssicherung beim Hörbuch Es diskutieren Johannes Stricker (Hörbuch Hamburg), Thomas Bernik (Audio Media Verlag), Angelika Schaack (HörCompany) und Wolfgang Schneider (Literaturkritiker). Moderation: Sabine Schwietert, Sabine Cronau (BÖRSENBLATT) Freitag, 17. Oktober, 11 Uhr Literatur im Gespräch Der Gewinner des Deutschen Buchpreises 2008 und sein Verleger sind Gäste im BÖRSENBLATT-Café. Moderation: Holger Heimann (BÖRSENBLATT) Freitag, 17. Oktober, 15 Uhr Vorwärts im Schneckentempo: Verliert der Buchhandel den Anschluss? Es diskutieren u. a. Monika Trapp (Bücherhaus Jansen, Rüsselsheim), Olaf Stein (Buchhandlung Stein, Köln), Bernd Weidmann (Verlag die Werkstatt). Moderation: Christina Schulte, Eckart Baier (BÖRSENBLATT) Samstag, 18. Oktober, 11 Uhr Make or buy: Sollten Verlage technisches Knowhow aus der Hand geben? Es diskutieren u. a. Steffen Meier (Ulmer Verlag), Ralf Müller (Droemer Knaur). Moderation: Sabine Cronau, Sabine Schwietert (BÖRSENBLATT)