Verbraucherpreise

Preise mit Handbremse

28. Oktober 2008
Redaktion Börsenblatt
Obwohl es Anzeichen für eine Beruhigung bei den Verbraucherpreisen gibt: Allzu viel sollte der Buchhandel davon nicht für die Konsumfreude erwarten.
Letztes Jahr gab es angeblich einen Aufschwung – aber beim Konsum kam er nicht an, denn bei den Verbrauchern löste eine Angst die andere ab. Erst war es die Sorge um den Arbeitsplatz, die das Konsumklima drückte. Kaum war die abgeklungen, verdarb die Inflation die Stimmung. Jetzt kommt die Finanzkrise, von der die Konsumenten weder wissen, wie weit es sie persönlich betrifft noch wie lange sie dauert. Gibt es denn wenigstens Aussichten, dass sich dafür die Preisentwicklung abschwächt? Anzeichen dafür sind da. Das erste war, dass der Ölpreis, nachdem er in kaum für möglich gehaltene Höhen geschossen war, recht solide wieder zurückkam. Freilich ist der Preis für ein Barrel Rohöl eine ziemlich abstrakte Größe, für den Konsumenten weit weniger erfahrbar als der Preis an der Zapfsäule oder am Fleischertresen. Näher am Konsumenten sind die Verbraucherpreise, und auch die bilden sich ja wieder zurück: von 3,3 Prozent im Juni/Juli über 3,1 Prozent im August auf wohl 2,9 Prozent im September. Nun sind so kleine Schritte allerdings wenig Feuer für das Konsumklima, so lange die Alltagspreise immer noch als ungebührlich hoch empfunden werden. Ein deutlicheres Signal setzen da schon die Großhandelspreise. Die sind, ähnlich wie der Erfahrungshorizont der Verbraucher, kräftig von Energie- und Nahrungsmittelpreisen dominiert. Und ihre Steigerung erreichte den Höhepunkt im Juli mit 9,9 Prozent. Das dürfte in der Nähe der von den Konsumenten "gefühlten" Teuerung liegen. Doch zwei Monate später ist das Tempo der Großhandelspreise schon wieder auf 5,8 Prozent zurück. Das ist der niedrigste Wert des Jahres 2008. Trotzdem immer noch hoch, verglichen mit den Vorjahren: 2007 stiegen die Großhandelspreise nur um 3,5 Prozent, in den Jahren 2002/03 lag die Steigerung sogar nur knapp über Null. Mit einer Rückkehr zur Stagnation ist bei den Großhandelspreisen allerdings in absehbarer Zeit nicht zu rechnen, und auch nicht mit einem schnellen Rückgang der Verbraucherpreissteigerungen unter 2 Prozent. Denn die nächste Herausforderung ist schon in Sicht in Form der für diesen Herbst angekündigten Gaspreiserhöhungen. So ist zu erwarten, dass sich die Teuerung wohl noch etwas verlangsamt, aber in einem für viele enttäuschenden Tempo. Auch längerfristig sind an der Preisfront keine Wunder zu erwarten. Die Zeiten, in denen die Globalisierung für die Industriestaaten generell preisdämpfend wirkte, sind wohl endgültig vorbei. Dafür tun sich aktuell bei der Bekämpfung der Finanzkrise neue Gefahrenquellen auf: Die milliardenschweren Hilfspakete und auch die forcierten Zinssenkungen, mit denen die Finanzwirtschaft flüssig gehalten werden soll, wirken tendenziell inflationsfördernd. Was die Bücherpreise betrifft, deren Entwicklung in den letzten Monaten um die Null dümpelte, besteht demnach vom Umfeld her auch in den nächsten Monaten noch Spielraum nach oben.