Im Februar 2008 hat die Frankfurter Buchmesse in New Delhi ein German Book Office (GBO) eröffnet. Mit welchem Ziel?
Pathak: Indien ist im Augenblick ein sehr interessanter Markt mit hohem Wachstumspotenzial, auch für Verleger. Bisher gibt es noch nicht so viele Geschäfte zwischen deutschen und indischen Verlagen. Aber das ändert sich: Die Verlagsszene in Indien ist dabei, sich besser zu organisieren und professioneller zu werden. Und immer mehr deutsche Verleger entdecken den indischen Markt.
Gibt es im indischen Markt eine Buchhandelsstruktur, die der in Deutschland vergleichbar ist – mit den drei Sparten Verlag, Zwischenbuchhandel und Sortiment?
Pathak: Es gibt die Handelsstufen schon, nur nicht so gut organisiert wie in Deutschland. In einigen Regionen ist der Buchmarkt gut entwickelt, in anderen weniger.
Das GBO hat bilaterale Aufgaben, es soll zwischen Deutschland und Indien, zwischen Verlagen und Lesern vermitteln. Ist die indische Öffentlichkeit an deutscher Literatur interessiert?
Pathak: Besonders groß ist in Indien das Interesse an Fachbüchern. Das haben wir auf der New Delhi World Book Fair gemerkt, auf der indische und deutsche Verleger vor allem darüber miteinander ins Gespräch kamen. Auch das Interesse an Kinderbüchern nimmt zu – unter anderem deshalb, weil die Mittelschicht wächst.
Einige naturwissenschaftliche und medizinische Fachverlage wie der Thieme Verlag haben bereits Dependancen in Indien gegründet. Können Sie Verlegern bei solchen Aktivitäten helfen?
Pathak: Natürlich. Wir sind die Anlaufstelle für deutsche Verleger, wenn sie Informationen und Kontakte brauchen.
Beispielsweise, wenn ein geeignetes Bürogebäude gefunden werden soll …
Pathak: Genau.
Eine Aufgabe wird auch sein, deutsche Literatur nach Indien zu vermitteln und Übersetzungen zu fördern …
Pathak: Auf die Förderung von Übersetzungen legen wir natürlich besonderen Wert. Um Anfragen von deutschen wie indischen Verlegern, die einen Übersetzer suchen, beantworten zu können, bauen wir eine Übersetzer-Datenbank auf. Es gibt zudem eine Reihe von Förderprogrammen, die wir besser kommunizieren wollen, damit die Verlagsmitarbeiter sie intensiver nutzen. Wichtig ist, dass die Übersetzer-Datenbank nach Qualitätsgesichtspunkten zusammengestellt ist. Was haben die Übersetzer bisher übersetzt? Haben Sie Erfahrung mit Belletristik? Und wenn, mit welcher Art von Belletristik? Oder kennen Sie sich eher mit Reportage, Sachbuch oder Fachbuch aus? So kann man für den indischen oder den deutschen Verlag den am besten geeigneten Kontakt anbieten.
Was haben Sie vor Ihrer Tätigkeit für das GBO gemacht?
Pathak: Ich bin seit vielen Jahren im Kulturbereich tätig, mit dem Schwerpunkt Theater und Tanz, habe für die Biennale Bonn gearbeitet, als Indien der Schwerpunkt war, und später beim Gastlandauftritt Indiens auf der Frankfurter Buchmesse. Danach war ich unter anderem in der Programmabteilung des Goethe-Instituts in New Delhi tätig.
Sie haben also schon eine längere deutsch-indische Vorgeschichte. Wo haben Sie so gut Deutsch gelernt?
Pathak: Danke! Beim Goethe-Institut. Ich arbeite schon lange mit deutschen Institutionen ...
Wie wichtig war der Gastlandauftritt Indiens 2006 in Frankfurt?
Pathak: Er hat der indischen Verlags- und Literaturszene einen richtigen Schub gebracht. Die Verlage versuchen jetzt, sich besser zu organisieren und professioneller zu arbeiten. Die Kommunikation zwischen Verlegern und Autoren ist dabei sehr wichtig. Sie kommen regelmäßig zusammen, um sich auszutauschen.
Mit Hilfe des GBO können bestehende Kontakte nun auch institutionalisiert werden – zum Beispiel in Form von Verlegerreisen.
Pathak: Das haben wir für nächstes Jahr vor – eine Reise indischer Verleger nach Deutschland. Aber zunächst müssen wir das Büro als Anlaufstelle etablieren. Außer mir arbeitet in unserem Büro noch eine Assistentin und eine Vertriebskraft.
Eine wichtige Rolle wird das GBO New Delhi sicher auch bei der Vermittlung von Lizenzgeschäften spielen …
Pathak: Ja, aber zuvor werden wir den Markt mit seinen einzelnen Segmenten noch einmal genauer analysieren. Bereits aktive Verlegerverbände haben uns angesprochen, ob wir mitmachen und unsere Expertise beitragen wollen. Da die Frankfurter Buchmesse auch schon in früheren Jahren deutsche Gemeinschaftsstände in Indien organisiert hat, wissen wir, welche Verlage ein Interesse am indischen Markt haben: Da können wir an bestehende Kontakte anknüpfen. In erster Linie geht es zunächst einmal um die Bekanntmachung deutscher Bücher und Literatur. Hier gibt es noch einiges zu tun...
Wie sieht ihr Programm für die kommenden Monate aus?
Pathak: Wir haben im vergangenen Jahr unsere Schwerpunkte herausarbeiten können: Es ist eine Mischung aus Kultur und Geschäft, durch die wir mit unserem internationalen Netzwerk bessere Geschäfte für das Verlagswesen ermöglichen und als Vertreter der deutschen Buchbranche die Verbreitung des deutsches Buches in Indien fördern wollen. Zukünftig wird es deshalb viele Angebote in den Bereichen Networking und Fortbildung für Verleger geben. Auch der Kinderbuchmarkt wird von großem Interesse sein. Als eine Kontakt- und Informationsstelle für Verlage werden wir ebenso über den indischen wie den deutschen Buchmarkt beraten und informieren.
Zur Person
Akshay Pathak ist in Indien geboren und aufgewachsen. Neben Aktivitäten in der Tanz- und Theaterszene war Akshay Pathak journalistisch für diverse deutsche Tageszeitungen, Kultur- und Branchenmagazine wie das Börsenblatt tätig. Darüber hinaus sammelte er vielfältige Erfahrungen im Kulturmanagement und in der Marktforschung. Er betreute unter anderem Projekte für das Goethe-Institut Indien, die Biennale Bonn, National School of Drama New Delhi, Kampnagel Hamburg und Pro Helvetia New Delhi. Seit Februar 2008 ist er für das GBO New Delhi verantwortlich.