Mut zur Matte

16. Oktober 2009
Redaktion Börsenblatt
Wir nennen keine Namen. Naja, nur einen: Schätzing. Der Werbefachmann weiß, wie man graumelierte Haare ins rechte Licht rückt. Den Bart täglich auf Dreitagelänge gekürzt, die halblange Mähne nach hinten gefönt, den Lederjackenärmel auf das Stehpult gestützt, so empfängt er Kulturstaatsminister Bernd Neumann. Das setzt Maßstäbe.

Nun traut sich auch manch anderer, die Haare nach hinten über den Kragen zu werfen. Das sieht geplant aus, nicht nach "bin vor der Messe doch nicht mehr zum Friseur gekommen". Früher konnte man sicher sein, dass die Martenstein-Frisur nur zu Harald Martenstein gehört. Oder vielleicht noch zu einem Ex-68er-Studienrat aus Krefeld oder Bielefeld. Jetzt ist das anders.

Woran liegt das? Ist die Krise des Kapitalismus auch eine Krise des Rasurzwangs? Zwingt der drohende Verlust sonstiger Statussymbole zum einfachsten aller Gestaltungsmittel? Oder ist die Krise auch wieder eine Chance zum Neuanfang? Nur zu. Wir begrüßen den Verfall der Frisursitten. Give hair a chance.