Geht es um Europa und seine Zukunft, kennt der italienische Literat und Essayist kein Vielleicht: »Ich glaube an die Notwendigkeit eines europäischen Staates«, so Claudio Magris beim traditionellen Friedenspreis-Pressegespräch am Messe-Freitag. Die Angst vor Nivellierung nimmt er ernst – noch ernster aber die Gefahr der Abkapselung, das Entstehen neuer, sozialer wie ethnischer Grenzen in Europa. Vieles von dem, was er geschrieben habe, sei der Versuch gewesen, die Redewendung vom »anderen Europa« endlich aus der Welt zu schaffen, so Magris: »Was wir brauchen, ist ein liberales Gefühl der Gemeinsamkeit«.
Über ein Lob vom Friedenspreisträger darf sich die deutsche Politik freuen, ohne Blick auf links oder rechts. Denn für Magris macht Deutschland vor, »dass es noch möglich ist, zu regieren, ohne der Pop-Politik zu huldigen – anders als es in Italien oder Frankreich der Fall ist«.
Der Schriftsteller wird am Sonntag in der Frankfurter Paulskirche mit dem Friedenspreis ausgezeichnet. Am Anfang der Buchmesse habe mit Blick auf das Gastland China die Frage gestanden, wie mit autoritären Systemen umzugehen sei, so Vorsteher Gottfried Honnefelder. Am Ende stehe, wie ein Kontrapunkt, die Ehrung eines Autors, der sich einem großen Thema widme: Der Einheit und zugleich der Vielfalt Europas.
Die Verleihung des Friedenspreises wird am Sonntag ab 11 Uhr live im ZDF übertragen.