Buchmesse

Hotlist-Publikumspreis der Independents an Blumenbar-Autor Alexander Schimmelbusch

17. Oktober 2009
Redaktion Börsenblatt
Zwei dicke Schecks auf einer Bühne: Rund 10.000 Leser hatten sich an der Abstimmung beteiligt, im rappelvollen Saal des Frankfurter Kunstvereins wurde am späten Messefreitagabend der Gewinner des Publikumspreises der Independents gekürt. Die mit 5000 Euro dotierte, von der Mayerschen Buchhandlung spendierte Auszeichnung ging an den 1975 in Frankfurt geborenen Österreicher Alexander Schimmelbusch, für dessen Roman "Blut im Wasser" (Blumenbar) 3725 Leser votierten. Auf den Plätzen folgten Uljana Wolf mit ihrem Gedichtband "Falsche Freunde" (Kookbooks, 2489 Stimmen) und der Roman "Delfinarium" von Michael Weins (Mairisch, 1184 Stimmen). Durch den Abend führte der Literaturkritiker Denis Scheck.
"Man sollte Literaturpreise nicht allzu ernst nehmen", meinte der Moderator des Abends, der Literaturkritiker Denis Scheck, und verwies darauf, dass Literatur eigentlich die Gegenwelt zur Ökonomie des Kapitalismus sei und sich simpler Medaillen-Rubrizierung sperre. Scheck verhehlte jedoch nicht, dass ihm die "befreiende Selbstermächtigung", ja die "Chuzpe" gefallen habe, mit der die Initiatoren der Hotlist ihren Preis an die Rampe geschoben haben. Über seine Fortentwicklung wird man sich dennoch noch einige Gedanken machen müssen - der Verzicht auf Bedenkenträger und Kriterien allein wird es nicht richten. Ein Prozess, der schon in den Stunden vor der Party im Kunstverein auf der Messe begann – die monatliche Independent-Bestenliste, von einer unabhängigen Jury zusammengestellt, wäre ein enormer Schritt nach vorn. Die "Jungen Wilden" und die etwas gesetzter, abwägender agierenden Verlage, die in der Kurt-Wolff-Stiftung assoziiert sind, werden sich sinnvoller Weise an einen gemeinsamen Tisch setzen; Schnittmengen zwischen beiden Fraktionen gibt es eh. So weit wie der glückstrahlende Preisträger sind die Verleger noch nicht. Schimmelbusch, gefragt, was ihn am literarischen Leben am meisten störe, antwortete: "Eigentlich gar nichts." Und da wir offenbar schon bei Wünsch' Dir was sind: Die Mayersche hat das Preisgeld für 2010 bereits zugesagt.