Diskussion zur Deutschen Einheit

Aufbruch, Abbruch und Normalität

25. August 2010
Redaktion Börsenblatt
„Das gemischte Doppel – Ost und West im Dialog“, so ist eine Veranstaltungsreihe überschrieben, die Bundesinnenminister Thomas de Maiziere initiiert hat. „Wir betrachten die Teilung und die Monate des Einheitsprozesses, aber was uns gemeinsam verändert, darauf schauen wir zu wenig“, formulierte de Maiziere. Das sollte sich ändern am gestrigen Dienstag im Senckenbergmuseum zu Frankfurt.

Doch ob sich die Messestädte Frankfurt und Leipzig, die das „gemischte Doppel" bildeten, an diesem Abend wirklich näher kamen? Wolfgang Marzin, bis vor kurzem Chef der Messe Leipzig, jetzt der Messe Frankfurt, sind von seiner ersten Nach-89-Reise in den Osten jedenfalls noch immer vor allem die Schlaglöcher in Erinnerung, die seinem Volvo zusetzten.

Zum Glück war de Maiziere selbst gut vorbereitet und so wurden immerhin echte Schwierigkeiten des Miteinanders benannt: Das Publikum erfuhr vom risikoreichen und bei weitem nicht von allen im Westen gewünschten Neuanfang der Leipziger Messe in modernen Hallen. Der Frankfurter Verleger Klaus Schöffling erinnerte daran, dass sich viele Unternehmer aus dem Westen nicht „besonders vornehm verhalten" haben und empfahl zur Lektüre das Buch des Berliner Verlegers Christoph Links „Das Schicksal der DDR-Verlage".

Oliver Zille, Chef der Leipziger Buchmesse, fand schließlich ganz zur Jetztzeit: „Wir sind mitten in den Mühen der Ebene. Wir bekommen keine Sonderboni mehr." Um sich zu behaupten, müsse man gute Ideen haben, besser, schneller sein als die anderen. Zille weiß freilich: „Das versuchen alle."