Proaktiv ist kein schönes Wort. Aber eine prima Eigenschaft. In diesen Tagen gibt die Buchhandelskette Thalia ein Beispiel für Proaktivität. Das Unternehmen lädt seine Kunden zum Dialog über die Zukunft des Lesens ein. Zugleich hat der Landeanflug für einen eigenen Thalia-E-Reader begonnen, den die Hagener im Herbst launchen: Präsentation jetzt auf der IFA, Gewinnspiele rund um das neue Gerät, Hintergrundgespräche für die Presse – kein Hexenwerk all das, aber ein vermutlich wirksamer Marketing-Fahrplan.
Märkte entstehen nicht von selbst. Sie werden gemacht. Die Wahl ist überschaubar: mitmachen oder zuschauen. Thalia hat sich für das Mitmachen entschieden. So bleibt die Rede vom Multichannel-Buchhändler keine Worthülse. Die nachhaltige Entwicklung der Marke gehört schon lange zu den Stärken dieses Filialisten. Dabei nimmt er bloß die Kernbegriffe seiner Selbstbeschreibung ernst: Inspiration, Ideen, Erlebnisse.
Mit ihrer Initiative rund ums elektronische Lesen schlägt die Douglas-Tochter eine strategisch wichtige Brücke zwischen der Online-Welt, deren buchhändlerisches Potenzial enorm wächst, und dem »real life« eines Ladens mit physischen Büchern und den sie verkaufenden Menschen.
Aber nicht nur Thalia, sondern auch viele andere Buchhändler entwickeln einen Sinn dafür, dass sie »da draußen« in den Weiten des Internets präsent sein sollten – um bei ihren Kunden zu bleiben. Eine Vielfalt von Weblösungen für das inhabergeführte Sortiment belegt, dass Mitmachen kein Privileg der Großen sein muss. Und dass das Bild vom kleinen Händler, der sich technisch abhängen lässt, oft einfach nicht stimmt.