ARD-Politikmagazin "Report Mainz"

"Nazi-Literatur" in Online-Buch-Shops von FAZ, Süddeutsche und Spiegel

8. November 2010
Redaktion Börsenblatt
Nach Recherchen des ARD-Politikmagazins "Report Mainz" werden in den Online-Buch-Shops von FAZ, Süddeutsche und Spiegel "Nazi-Literatur" angeboten. Dem Magazin zufolge können in den Portalen mindestens 150 Bücher von bekannten Nazi-Größen, rechtsextremen Autoren bzw. Verlagen gekauft werden.

Salomon Korn, Vizepräsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, spricht gegenüber "Report Mainz" von einem "Skandal": "Es ist mir unverständlich, dass der gute Name dafür hergegeben wird, eine solche Literatur zu verbreiten, die eigentlich darauf aus ist, das demokratische System zu unterhöhlen und abzuschaffen."

Zum Angebot der Online-Buch-Shops gehören Bücher von Nazi-Größen wie Otto Skorzeny, Hitlers wichtigstem SS-Mann für Kommando- und Sabotageaktionen, oder von Leon Degrelle, dem Chef der wallonischen Waffen-SS in Belgien.

Die Bücher für die drei Online-Buch-Shops liefert der Großhändler Libri, der auch die Bestellungen abgewickelt. Auf  Nachfrage von "Report Mainz" ließ Spiegel-Chefredakteur Georg Mascolo schriftlich mitteilen, man könne den Vertrieb rechtsextremistischer Literatur nicht verhindern. Wörtlich heißt es: "Eine Zensur durch Händler ist ausdrücklich untersagt. (...) Es gibt eine Verpflichtung zum 'ganz oder gar nicht'".

Der Verlag der FAZ teilte "Report Mainz" mit, eine Positivauswahl von Büchern sei nicht leistbar. Der Süddeutsche Verlag verweist darauf, dass eine Durchsicht im Hinblick auf rechtsextreme Titel "aufgrund des großen Umfangs nicht möglich" sei.

Recherchen von Report Mainz" bei Libri haben ergeben, dass der Dienstleister neben einer Art Basisgeschäftsmodell, bei dem Online-Shop-Anbieter kostengünstig das gesamte Libri-Sortiment übernehmen können, auch ein so genanntes Verlagsshopmodell anbietet. Hier sei man bezüglich des Ausschlusses einzelner Bücher oder Verlage komplett flexibel. Auch die Berücksichtigung einer Negativliste sei technisch möglich. Bei diesem Modell seien allerdings Anfangsinvestitionen ab etwa 30.000 Euro plus Folgekosten notwendig.

Salomon Korn fordert die Verlage auf, vorrübergehend Geld zu iinvestieren, damit diese nicht ihre Glaubwürdigkeit verlieren: "Bei der Verbreitung einer solchen Literatur nimmt der Ruf dieser Qualitätspresse und der Verlage, die dahinter stehen, Schaden."