Das wird ein Hörbuchherbst! Da gibt es zum Beispiel im Oktober die "Erzählerstimmen" aus dem Hörverlag, 200 Autoren im Originalton auf 45 CDs, 3.200 Minuten Literatur aus Privatsammlungen und Rundfunkarchiven zusammengetragen, für 149,99 Euro. Pro CD sind das 3,33 Euro, von Arthur Schnitzler bis Feridun Zaimoglu kostet jeder Schriftsteller knapp 75 Cent. In summa ist der Preis angemessen – und für den Handel lohnt sich das Geschäft.
Die Feuilletonisten werden sich festhören und berichten, so viel ist sicher. Referenz ist die Lyrik-Edition, die der Hörverlag in Luxus- und Volksausgabe für 99 Euro beziehungsweise 49 Euro seit 2009 gut 10.000-mal verkauft hat. Das Publikum für solche Produktionen scheint groß und wenig preissensibel. Und wo vermutet der Kunde solche Schätze? Bei Saturn oder Audible jedenfalls nicht. Noch nicht.
Die Hörbuchverlage sind ganz guter Dinge. Sie sind leidlich in den Sommer gekommen, auch wenn sie im Sortiment Federn lassen mussten. Krimis laufen nämlich auch prima an Tankstellen, Comedians sind in Mediamärkten gefragt, Downloads und, wenn auch schneckenlangsam, das Streaming gewinnen Vertriebsanteile. Das wollen die Hörbuchverlage nutzen. Robert Fahle, Leiter mobile bei RTL interactive, ist Top-Act ihrer Jahrestagung, am zweiten Tag geht es um "Change-Management". Ein Wechsel vom Vertriebsweg Buchhandel hin zum Digitalen steckt sicher nicht dahinter. Siehe oben.
Die Zeichen sind deutlich: Die Scheibe lebt. "Kassandra" im DAV, "Die Entdeckung der Langsamkeit" bei Osterwold, eine Hesse-Edition im Hörverlag und so weiter. Die Herbstprogramme stecken voller Perlen für den Buchhandel. Gleich ein neues Label hat Argon gegründet. Wenn das nicht vom Glauben an das Medium zeugt! Zum Start erscheinen mal eben elf Produktionen in einer eigenen Vorschau. Keine Frage. Der Verlag setzt zuallererst auf das stationäre Sortiment.
Lesen Sie dazu auch den Beitrag "Impulse für die Audiozunft" im aktuellen Börsenblatt, Heft 24, Seite 27.