Deutscher Hörbuchpreis 2014

"Nuancen, die nicht geschrieben werden können"

6. Juli 2015
Redaktion Börsenblatt
Sechs Gewinner des Deutschen Hörbuchpreises 2014 stehen fest: Darunter Laura Maire und Frank Arnold als beste Interpreten, die Hörcompany für die beste verlegerische Leistung. Der Preisträger in der Kategorie "Bestes Kinderhörbuch" wird nächste Woche bekannt gegeben. Verliehen werden die Preise am 12. März im WDR Funkhaus in Köln.

Für sechs der sieben Kategorien wurden jetzt die Gewinner des Deutschen Hörbuchpreises 2014 von der Geschäftsstelle des Preises bekannt gegeben. Diese sind nach Kategorien:

Beste Interpretin

  • Die Schauspielerin und Sprecherin Laura Maire für ihre Lesung des Thrillers "Schattengrund" (Der Hörverlag) von Elisabeth Herrmann. Nach Meinung der Jury ist ihr ein "virtuoses Sprach-Spiel" gelungen, in dem sie alle Rollen glaubhaft verkörpere. Besonders fasziniere die bewundernswerte Sicherheit, mit der die Interpretin "ganz unangestrengt und rätselhaft beiläufig die Tonlagen und Stimmungen wechselt".

Bester Interpret

  • Frank Arnold überzeugte die Juroren mit seiner Lesung des Romans "Landgericht" (Audiobuch) von Ursula Krechel, mit dem die Autorin 2012 den Deutschen Buchpreis gewann. Die Lebensgeschichte des jüdischen Richters Richard Kornitzer, der als heimgekehrter Exilant in der deutschen Nachkriegszeit nicht mehr Fuß fassen kann, gewinne in Frank Arnold einen "sprachlich-markanten Anwalt". Er lasse den Hörer mit den Worten nicht allein, lobt die Jury, und erweitere den Text um "Nuancen, die nicht geschrieben werden können".

Bestes Hörspiel

  • "Orphée Mécanique" (belleville) setzte sich in dieser Kategorie durch. Autor, Regisseur und Elektromusiker Felix Kubin bekomme den Preis für seine futuristische Neufassung des antiken Orpheus-Mythos, in der die Jury eine "großartige Parabel auf unser mediales Zeitalter" sieht. Mit seinem "akustischen Kunstwerk" schaffe Kubin ein "suggestives, traumwandlerisches Hör-Erlebnis" und eröffne neue Wege.

Das besondere Hörbuch

  • In der Kategorie wird in diesem Jahr die Beste Science-Fiction prämiert. Die von Frank Schätzing prominent unterstützte Jury votierte für Aldous Huxleys neu übersetzten Klassiker "Schöne neue Welt" (Der Hörverlag), gelesen von Matthias Brandt. Der Interpret enttarne die von Huxley geschilderten Methoden der Normierung und Ausrottung mit einem "rhythmisch prägnanten und stimmlich vielseitigen" Vortrag und profiliere sich "als Fürsprecher bedrohter Individualität".

Bestes Sachhörbuch

  • Den Preis können Autor Maximilian Schönherr und Regisseur Nikolai von Koslowski für ihr Feature "Fallbeil für Gänseblümchen. Der Spionageprozess gegen Elli Barczatis und Karl Laurenz im Originalton" (Verlag Christoph Merian) einheimsen. Der bewusst sparsam kommentierte Zusammenschnitt von Originaltonaufnahmen der Staatssicherheit veranschauliche die "schamlose, ideologiekonforme Art der Prozessführung" ebenso wie die Persönlichkeit und Psyche des angeklagten Liebespaares. In den Ohren der Jury "ein eindrucksvolles Zeitdokument, spannend und außerordentlich erschütternd".

Beste verlegerische Leistung

  • Den Preis erhält die Hörcompany für ihre Reihe "Weltliteratur für Kinder". Sie mache jugendliche Hörer neugierig auf klassische Literatur: Mit einer altersgerechten Nacherzählung des jeweiligen Stückes, gefolgt von einer szenischen Lesung aus dem Urtext und ergänzt durch ein aufwändig gestaltetes Booklet. Die verdienstvolle Reihe, so die Jury, biete ein "fesselndes Hörvergnügen für Kinder − und für Erwachsene ebenso!"

Der Preisträger in der Kategorie "Bestes Kinderhörbuch" wird am 30. Januar verkündet.

Sonderpreis

Eine weitere Preisträgerin steht bereits seit November 2013 fest: Katharina Thalbach wird mit dem Sonderpreis für ihr Lebenswerk als Sprecherin geehrt.

Partnerauszeichnungen

Gemeinsam mit dem Deutschen Hörbuchpreis werden zwei Partnerauszeichnungen verliehen: "Hörbuch des Jahres 2013" der hr2-Hörbuchbestenliste ist das Hörspiel "Der Kauf“ von Paul Plamper, eine Koproduktion des Westdeutschen Rundfunks mit dem Bayerischen Rundfunk, Deutschlandfunk und dem Schauspiel Köln. 

Für den Publikumspreis "HörKules" der "Buchwerbung der Neun" kann unter www.hoerkules.de noch bis zum 16. Februar abgestimmt werden, heißt es in der Pressemitteilung.

Preisverleihung am 12. März im WDR Funkhaus

Die Preisverleihung, moderiert von Katty Salié und Max Moor, findet am 12. März 2014 im WDR Funkhaus in Köln statt und eröffnet wie in den Vorjahren das internationale Literaturfest lit.COLOGNE. Fünf Rundfunksender übertragen die Veranstaltung live: WDR 5, hr2-kultur, NDR Kultur, Antenne Saar und Bayern 2 plus. Das WDR Fernsehen zeigt die Verleihung am 13. März 2014 ab 23.15 Uhr.

Hintergrund

Der Preis wird vom Verein Deutscher Hörbuchpreis vergeben. Seine Träger sind der Börsenverein des Deutschen Buchhandels, die Wochenzeitung "Die Zeit", die lit.COLOGNE, der Hessische Rundfunk, der Norddeutsche Rundfunk, Studio Hamburg, der Westdeutsche Rundfunk und die WDR mediagroup.