Debatte um E-Books und Papierbücher

„Das E-Book nimmt alle Fortschritte zurück“

5. Februar 2014
Redaktion Börsenblatt
Hersteller Friedrich Forssmans Hasstirade auf E-Books im neuen Suhrkamp-Blog hat eine heftige Diskussion ausgelöst. Forssman attestiert dem E-Book nichts als Schwächen – „außerhalb von Berliner Hipsterkreisen“ spricht er den digitalen Büchern gar jede Daseinsberechtigung ab. Doch die Liebhaber jener „albernen Dateien, die gern Bücher wären, es aber niemals sein dürfen“, schlagen, alarmiert von lesen.net zurück.

Friedrich Forssman ist Hersteller bei der Arno Schmidt Stiftung, nicht bei Suhrkamp, wie Johannes Haupt (Chefredakteur bei lesen.net) im Eifer des von ihm aufgenommenen Gefechts verwechselt. Forssman, merkt Haupt an, spricht durchaus an mehreren Stellen für "seinen" Suhrkamp Verlag.

E-Books, meint Forssman im Blog, seien nichts als „ein Unfug, ein Beschiß (sic!) und ein Niedergang" – sie dürften einem nicht einmal leid tun. „Zur Ästhetik des E-Books kann ich gar nichts schreiben, denn es gibt sie nicht", wettert Forssmann. Zitierfähige Texte, Archivierungsmöglichkeit, bewährte Geschäftsmodelle: „Diese Fortschritte, seit Jahrhunderten bestätigt und bewährt", nehme das E-Book zurück.

Argumente, warum (darum geht es eigentlich) Arno Schmidts Zettelkasten niemals als E-Book erscheinen wird, muss Forssmann nicht lange suchen. Nicht nur mit E-Book-Lesern („Berliner Hipster"), auch mit anderen Branchenteilnehmern geht Forssman hart ins Gericht: „Ich möchte nie, nie wieder auf ein Podium geladen werden – als amüsantes Buch-Fossil, als Kontrastprogramm zu den Zukunftsvisionären in Form von Google-Oligarchen, Börsenvereins-Geldverbrennern und analphabetischen Digitalhipstern mit ADHS". Forssmann schießt scharf:

„E-Books sind praktisch? Was Sie lesen und wie Sie lesen und auf welcher Seite Sie länger lesen und wo Sie die Lektüre abbrechen und was Sie kommentieren und wie Sie kommentieren – all das kann natürlich von höherer Stelle mitgeschnitten werden. Es gibt Erfahrungsberichte, in denen Naivlinge jubeln: wenn man auf dem »Tablet« angefangen habe, irgendwas zu lesen und später auf dem Telefon weiterlese, kämen die dazu gemachten Notizen gleich aus der Cloud angehoppelt, hurra! Aber wer nicht am Cupertino-Syndrom leidet, weiß: Das ist nicht praktisch, das ist gespenstisch."

„Diese durchaus berechtigten Kritikpunkte gehen allerdings unter in einer Flut von Beleidigungen und Vorurteilen, wie wir sie zuletzt vor dreieinhalb Jahren in einem Kommentar der Badischen Zeitung gelesen haben", entgegnet Johannes Haupt (lesen.net) in seinem Artikel, der die Debatte nun eröffnet hat.

Mehr als 40 User kommentierten alleine auf lesen.net Forsmanns Tirade, teils anerkennend, teils polemisch. Auch auf dem Suhrkamp-Blog hat sich die Debatte entsponnen, vor allem das (auch von Suhrkamp eingesetzte) DRM (digital rights management) erntet dabei Kritik von E-Book-Lesern.