Verlagstest bei Amazon

Defizite bei der Präsentation kosten Umsatz

16. Juli 2015
von Börsenblatt Online
Die deutschen Verlage schöpfen ihre Umsatzmöglichkeiten im Online-Handel nicht vollständig aus − weil sie ihre Bücher auf Plattformen meist mangelhaft präsentieren. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Kölner Unternehmensberatung Wachter Digital Partners (WDP), die das Buchangebot bei Amazon ausgewertet hat.

Die WDP-Analysten haben ihrer Pressemitteilung zufolge von Dezember 2013 bis Februar 2014 die Präsentation von 150.000 Büchern (darunter 81 Prozent Fachbücher) deutscher Verlage bei Amazon ausgewertet. Dabei wurden für die Studie "Produktdarstellung der Verlage im digitalen Handel" die Angebote von 228 Verlagen betrachtet, die auch über Amazon verkaufen. Kriterien waren laut wdp unter anderen:

ProduktbeschreibungProduktbilderBlick ins BuchZusatzmaterialien

Hierbei schnitt ein Großteil der untersuchten Verlage schlecht ab, wie die Marktforscher zusammenfassend feststellen. Eine mangelhafte Produktdarstellung haben sie bei 78 Prozent aller betrachteten Bücher ausgemacht. Meist fehle es bereits an "einer aussagekräftigen Beschreibung des jeweiligen Buches".

Ins Auge sprangen den Analysten vor allem "lieblose, unattraktive Texte oder fehlende visuelle Einblicke über Bilder oder den Blick ins Buch". Mit einer besseren Produktbeschreibung könnten die Verlage den Verkaufsrang ihrer Titel um bis zu 51 Prozent steigern, sind sie sich sicher. Wenn Zusatzmaterialien, Autoreninfos oder Pressestimmen hinzukämen, dann wäre sogar ein Zuwachs von 87 Prozent denkbar.

"Verlage können sich im stationären Handel auf kompetente Verkäufer verlassen – im digitalen Handel müssen sie das Verkaufsgespräch über die Produktdarstellung selbst führen", so Christoph Nichau von WDP. Und: Dem stationären Geschäft gehe meist die Informationssuche im Internet voraus.

Positiv hervorgehoben wird die Verlagsgruppe Random House, die mit ihren Imprints auf den höchsten durchschnittlichen Optimierungsindex für die Produktdarstellung (OIP) komme. Der OIP ist ein Index, der von WDP entwickelt wurde und die Qualität der Produktdarstellung messen soll (Kriterien u.a.: Produkttexte, Produktbilder, Zusatzelemente).

In Bezug auf den durchschnittlichen Verkaufsrang ihrer Titel hatten im Untersuchungszeitraum jedoch Gräfe und Unzer (24.326), Arkana (38.951) und Dr. Oetker (39.623) die Nase vorn.