7. E-Book-Konferenz in München

Das digitale Buch hat nach wie vor großes Potenzial

16. Juli 2015
von Börsenblatt Online
Unter dem Motto "E-Books unlimited" wurden auf der E-Book-Konferenz der Akademie der Deutschen Medien in München neue Business-, Produkt-, und Vertriebsmodelle präsentiert und diskutiert.
Als die erste E-Book-Konferenz vor sieben Jahren im Literaturhaus München stattfand, stand das E-Book in Deutschland noch ante portas. Inzwischen hat es einen respektablen Marktanteil erreicht, und die Diskussion richtet sich auf neue Vertriebswege und Geschäftsmodelle, die die Reichweite des Mediums vergrößern und neue Umsatzpotenziale erschließen können. 
In allen Vorträgen des Vormittags der 7. E-Book-Konferenz ging es um verschiedene Modelle, Inhalte digital oder auch zusammen mit analogen Medien zu vertreiben. E-Only-Imprints sind inzwischen bei vielen Publikumsverlagen entstanden: so etwa das Spannungslabel Midnight und das Romance-Label Forever bei Ullstein oder das E-Label Feelings bei Droemer. Aber auch Konzepte für augmented books wie die Reihe LeYo! bei Carlsen, die gedrucktes Bilderbuch und App kombinieren, finden inzwischen den Weg in den Markt. Hinzu kommen Service-Plattformen wie vorablesen.de oder snapbooks, eine App von Droemer, die anzeigt, wo gerade E-Book-Deals zu haben sind.

 

Richard Charkin, Executive Director bei Bloomsbury, hielt einen ebenso abgeklärten wie humorvollen Vortrag, in dem er die Aufgabe des Verlegers im digitalen Wandel so beschrieb: alle Inhalte überall zu jeder Zeit in allen verfügbaren Formaten verfügbar zu machen. Die Digitalisierung sei in diesem Zusammenhang keine Strategie, sondern ein Instrument, das die Reichweite von Verlagen potenziert.

Ob das derzeitige „flache“ Wachstum im E-Book-Markt nur temporär sei, fragte Charkin. Und fragte in das Auditorium, ob sich der E-Book-Umsatz in den nächsten fünf Jahren in Deutschland verfünffachen oder verzehnfachen werde. Den Handzeichen nach zu urteilen, rechnet die Mehrheit mit dem Faktor 5. Immerhin.

 


 

Verändert haben sich Möglichkeiten für die Autoren: Deshalb nutzt beispielsweise Droemer, vertreten durch den Verlagsleiter für Elektronisches Publizieren, Michael Döschner-Apostolidis, die Selfpublishing-Plattform Neobooks, um Talente zu entdecken und sie in die Programmplanung einzubeziehen. Inzwischen gibt es 40.000 registrierte Nutzer, 33.000 hochgeladene Manuskripte und 11.000 registrierte Autoren auf der Plattform. Mehr als 100 Verlagsverträge mit Knaur eBooks wurden bisher abgeschlossen.

Um das Thema Amazon ging es natürlich auch an diesem Vormittag: Christian Schumacher-Gebler, Geschäftsleiter von Bonnier Media Deutschland, ging noch einmal auf das Konditionengeschacher mit dem Online-Händler ein und demonstrierte den kalkulatorischen Irrsinn, den ein erhöhter E-Book-Rabatt für Amazon bedeutet hätte.

In weiteren Konferenzbeiträgen wurden Flatrate- und Abo-Modelle im E-Book-Markt präsentiert: 24Symbols, Readfy und Skoobe.