Jeanette Schocken Preis 2015 an Gerhard Roth

"Shakespearesches Ausmaß"

6. Juli 2015
Redaktion Börsenblatt
Der österreichische Schriftsteller Gerhard Roth erhält den Jeanette-Schocken-Preis 2015 − insbesondere für seinen Buch "Orkus. Reise zu den Toten" (S. Fischer). Der mit 7.500 Euro dotierte Bremerhavener Bürgerpreis für Literatur wird am 17. Mai verliehen.

In der Begründung der Jury heißt es: "'Orkus, Reise zu den Toten" – das ist der Schlussakkord zweier Werkzyklen, an denen der 1942 in Graz geborene Schriftsteller Gerhard Roth mehr als 30 Jahre gearbeitet hat: 'Die Archive des Schweigens' und 'Orkus'. Zusammen 15 Bände, Romane, Essays, autobiografische Texte, Reportagen und verortende 'Photo-Notizbücher', die eigenständig die schriftstellerischen Arbeiten ergänzen und erweitern. Das Inferno des 20. Jahrhunderts mit Holocaust und Nationalsozialismus in seinen Auswirkungen auf das alltägliche Leben, das Fühlen und Denken in Österreich im ersten Zyklus. Im zweiten dann die Öffnung ins Fremde, in dem sich das eigene Fremde und die eigene Fremde spiegeln. Eine Welt- und Menschenerkundung von Shakespeareschem Ausmaß."

Der Band "Orkus Reise zu den Toten" sei auch gelöst aus dem Gesamtwerk, als dessen Inbegriff zu lesen, fährt die Jury fort: "Denn er ist, reizvoll komponiert, Roman, Autobiographie und Erinnerung in einem: die Geburt des Schriftstellers und Intellektuellen Gerhard Roth aus der Beschäftigung mit dem Unbewussten, mit Verbrechen, Krankheit und Tod und der Hypothek, aus einem Elternhaus zu stammen, in dem die Eltern Mitglieder der Nationalsozialistischen Partei gewesen waren." 

Der unabhängigen Jury des Jeanette-Schocken-Preises gehörten an: Gabriele von Arnim, Zsuzsanna Gahse, Nico Bleutge, Hugo Dittberner und Wend Kässens. Die Jury votierte einstimmig für Gerhard Roth.

Zum Jeanette-Schocken-Preis

Die bundesweit einzigartige Auszeichnung wird von Bremerhavener Bürgerinnen und Bürgern alle zwei Jahre in mahnender Erinnerung an die Bücherverbrennung durch die Nationalsozialisten aber auch an das Schicksal all jener Verfolgten vergeben, für die Bremerhaven oftmals die letzte Station auf der Flucht ins Exil war.

Die Preissumme von 7.500 Euro wird allein durch Spenden Bremerhavener Bürger aufgebracht. Die Preisverleihung findet am 17. Mai 2015 im Historischen Museum Bremerhaven statt.

Die bisherigen Preisträger sind: Irene Dische (1991), Hanna Krall (1993), Louis Begley (1995), Imre Kertész (1997), Tuvia Rübner (1999), Barbara Honigmann (2001), George Tabori (2003), Bei Dao (2005), Lizzie Doron (2007), Ursula Krechel (2009), Richard Sennett (2011) und Péter Esterházy (2013).