Anna Seghers-Preis 2018 vergeben

Manja Präkels und Julián Fuks ausgezeichnet

Der Brasilianer Julián Fuks und die Berliner Autorin Manja Präkels erhalten den Anna Seghers-Preis 2018. Die Preise werden am 23. November in der Berliner Akademie der Künste überreicht, informiert die Anna Seghers-Stiftung.

In ihrem Debütroman "Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß" (Verbrecher Verlag, 2017) schildert Manja Präkels am Beispiel einer brandenburgischen Kleinstadt eindringlich, wie jugendlicher Nazikult das Vakuum der Wendezeit füllt, öffentliche Plätze besetzt und sich in Gewalt entlädt. "Gegen die Verwirrungen unserer Zeit setzt Manja Präkels die Genauigkeit ihrer Sprache und ihrer Beobachtung", begründet Juror Ralph Hammerthaler seine Entscheidung.

Manja Präkels, 1974 in Zehdenick/Mark geboren, ist Sängerin der Band Der singende Tresen und Autorin des Lyrikbandes "Tresenlieder" (Edition AV). Sie ist Mitherausgeberin der Prosa-Anthologie "Kaltland", eines Klassikers der Nachwende-Literatur. Mit Markus Liske stellte sie das Erich-Mühsam-Lesebuch "Das seid ihr Hunde wert!" (Verbrecher Verlag, 2014) sowie "Vorsicht Volk! Oder: Bewegungen im Wahn?" (Verbrecher Verlag, 2015) zusammen.

Präkels erhielt für ihr Werk zahlreiche Auszeichnungen, darunter das Alfred-Döblin-Stipendium der Akademie der Künste (2005) und das Aufenthaltsstipendium im Writers House Ventspils, Lettland (2012/13). Für ihren Debütroman "Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß" wurde sie mit dem Kranichsteiner Jugendliteratur-Stipendium 2018 ausgezeichnet und für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2018 nominiert. 
 

Julián Fuks

Julián Fuks © privat

Julián Fuks trat zuletzt mit dem Roman "A resistência" (Der Widerstand) hervor, einem Buch über das politische Exil und einen "möglichen Adoptivbruder", den seine argentinischen Eltern zur Zeit der Militärdiktatur vor der Zwangsadoption retteten. Für den Anna Seghers-Preis wählte ihn der Literaturübersetzer Klaus Laabs aus.

Fuks wurde 1981 als Sohn argentinischer Psychoanalytiker im brasilianischen São Paulo geboren, wo er Lateinamerikanische Literatur studierte und in Literaturtheorie promovierte. Er lebt dort noch heute und arbeitet als Autor, Übersetzer und Literaturkritiker. Sein aktueller Roman, "A resistência" (Companhia das Letras, 2015), wurde mit dem brasilianischen Prêmio Jabuti sowie dem portugiesischen Premio José Saramago ausgezeichnet. Er debütierte 2004 mit dem Erzählungsband "Fragmentos de Alberto, Ulidsses, Carolina e eu", und bereits seine ersten beiden Romane, "Procura do romance" (2012) und "Histórias de literatura e cegueira" (2007), brachten ihm bei der Kritik viel Lob ein. 2012 kürte ihn die Zeitschrift "Granta" zu einem der besten jungen Autoren Brasiliens. Bei der Arbeit an seinem neuen Roman, "A ocupação", unterstützt ihn innerhalb des Rolex and Protégé Arts Programme der mosambikanische Autor Mia Couto als Mentor. Fuks’ Werke wurden bislang in acht Sprachen übersetzt.

Erstmals wieder zwei Preisträger

Seit 2012 können damit der Mitteilung zufolge erstmals wieder entsprechend der langjährigen Tradition zwei Preise verliehen werden, an je einen Autor aus Lateinamerika und dem deutschen Sprachraum. Zur verbesserten Ertragslage der Stiftung beigetragen hätten etwa die Transit-Verfilmung durch Christian Petzold und diverse Theaterinszenierungen von Seghers-Texten wie beispielsweise "Das siebte Kreuz" im Schauspiel Frankfurt und im Theater Oberhausen. Weiter "Frankfurt liest ein Buch", wo es 2018 ebenfalls um "Das siebte Kreuz" geht. "Anna Seghers‘ Werke werden so viel gelesen, gespielt, verfilmt wie lange nicht", so Hans-Willi Ohl, Vorsitzender der Anna Seghers-Gesellschaft. "Hier wird deutlich, dass uns die Texte von Seghers mit ihrer poetischen Qualität und ihrer politischen Grundierung auch heute noch viel zu sagen haben."

Zum Preis

Der mit derzeit 8.000 Euro dotierte Anna Seghers-Preis wird von der Anna Seghers-Stiftung an Nachwuchsautoren aus dem deutschen Sprachraum und aus Lateinamerika verliehen, die im Sinne von Anna Seghers mit den Mitteln der Kunst zur Entstehung einer gerechteren menschlichen Gesellschaft beitragen möchten. Die Auswahl der Preisträger übernehmen im jährlichen Wechsel von der Stiftung beauftragte Persönlichkeiten aus dem literarischen Leben.

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