Literaturfestival Monte Verità im März

"Die Utopie von der Natur"

Vom 22. bis 25. März findet das sechste Festival Eventi Letterari Monte Verità in Ascona (Tessin) statt − unter dem Motto "Die Utopie von der Natur". Thematisiert wird, mit Blick auf das 50-jährige Jubiläum der 1968er Bewegung, das Verhältnis des Menschen zu seiner natürlichen Umgebung.

Der Petrarca-Preisträger Erri De Luca wird die sechsten Eventi Letterari Monte Verità mit einer Rede zum Hauptthema des Festivals eröffnen. Vor dem Hintergrund des fünfzigjährigen Jubiläums der 1968er Bewegung geift das Festival ein hoch aktuelles Thema auf: das Verhältnis des Menschen zu seiner natürlichen Umgebung. Aber nicht erst die erdverbundene Hippiekultur, bereits die Reformideen um 1900 hätten um alternative Lebensentwürfe, Naturverbundenheit, Nacktheit und Vegetarismus gekreist, so die Ankündigung. "Zurück aufs Land, sein Beet bestellen – diese Slogans sind späte Folgen der Flower-Power der Hippies, der Grünen-Bewegung, aber auch der Reformideen, die vor hundert Jahren auf dem Monte Verità virulent waren", so der künstlerische Direktor des Festivals Joachim Sartorius. "Die sechste Ausgabe der Eventi Letterari Monte Verità gibt Schriftstellern, Wissenschaftlern und Philosophen das Wort. Sie berichten von ihren Expeditionen, analysieren das Naturhafte in heutigen Gesellschaftsmodellen und werden unsere schon arg entzauberte Welt, wer weiß, wieder verzaubern."

Im Zentrum des zwischen Berg und Seeufer in Ascona angesiedelten Festivals stehen Lesungen, Diskussionen und Vorträge zeitgenössischer internationaler Autoren. Dazu gehören auch das von dem Lyriker Fabio Pusterla geleitete "cenacolo", ein Workshop für junge Autoren sowie die Verleihung des Enrico-Filippini-Preises, der verdiente literarische Vermittler ins Rampenlicht rückt. In diesem Jahr wird der Gründer und Verleger der Editorial Anagrama, der spanische Schriftsteller Jorge Herralde geehrt; die Laudatio hält der Mailänder Verleger Carlo Feltrinelli.

Weiter werden zum Festival erwartet: Der Autor und Dokumentarfilmer Paolo Cognetti, der aus Florenz stammende und an der Universität Lausanne zeitgenössische und moderne italienische Literatur lehrende Niccolò Scaffai, der norwegische Abenteurer Erling Kagge, der Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber und der italienische Philosoph Remo Bodei.

"Schön ist die Natur – in einem Park." Frei nach Elfriede Jelinek lotet am letzten Festivaltag ein von Roger de Weck moderiertes Podium Möglichkeiten und Grenzen im Zusammenspiel von Mensch und Natur aus. Ihre entsprechenden Bücher stellen die Teilnehmer zu Beginn in Kurzlesungen vor: So versammelt Judith Schalansky "fünfzig Inseln, auf denen ich nie war und niemals sein werde" in ihrem "Atlas der abgelegenen Inseln". Die Publizistin und Buchgestalterin gibt die bibliophile Reihe "Naturkunden" (Matthes & Seitz) heraus, in der Zora del Buono "Das Leben der Mächtigen" über die ältesten Bäume Europas und Nordamerikas veröffentlichte. Um deren Geheimnisse zu ergründen, reiste die studierte Architektin in der ganzen Welt und sprach mit Förstern, Baumpflegern und Indigenen. Rüdiger Schaper leitet das Kulturressort des Berliner "Tagesspiegel" – und legt im Frühjahr mit "Alexander von Humboldt. Der Preuße und die neuen Welten" (Siedler) eine Biografie vor, in der er ein einzigartiges (Forscher-)Leben aus der Perspektive des gealterten Universalgelehrten betrachtet.

Alexander von Humboldt zählt mit Henry David Thoreau und Jean-Jacques Rousseau zu den Klassikern des Nature Writing. Rousseau diente mit seiner Zivilisationskritik im 18. Jahrhundert und dem vielzitierten "Zurück zur Natur!" Generationen als Vorbild und etablierte mit seinen Landschaftsbeschreibungen zugleich einen neuen Ton in der Literatur. Hundert Jahre später verkroch sich Thoreau in der Wildnis und gelte mit seinem Werk "Walden oder Leben in den Wäldern" heute als "Gottvater aller Aussteiger". Zum Abschluss des Festivals lesen namhafte Schauspieler, darunter Bruno Ganz, aus den Schriften dieser drei Wegbereiter der literarischen Reise- und Naturerkundung, so die Veranstalter.

Weitere Informationen und Programm.

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