"Die Autorin und Schauspielerin Bela Winkens gehörte zu den jüngsten der Kinder, die das Konzentrationslager Theresienstadt überlebt hatten. Im Juni 1945 konnte sie es im Alter von vier Jahren und vier Monaten verlassen. Zu diesem Zeitpunkt waren sowohl ihre Großeltern als auch ihre Eltern, Ursula und Walter Heymann, tot. Ermordet 1942 und 1943 in Auschwitz. Bela Winkens war keine zwei Jahre alt, als sie von ihrer Mutter getrennt wurde, ihren Vater sah sie zuletzt 1943.
Geboren wurde sie am 5. Februar 1941 in Berlin. Die Eltern wussten angesichts der Deportationen der jüdischen Bevölkerung um die Gefahren für das Kind und brachten das Kind in Essen bei einer Halbschwester Walter Heymanns, die mit einem 'arischen' Mann verheiratet war, unter. Als auch das zu gefährlich wurde, wurde das Kleinkind nach Mülheim an der Ruhr gebracht, wo es in einer Laube versteckt wurde. Schließlich legte der Vater, der sich illegalerweise noch einmal ins Ruhrgebiet wagte, seine Tochter Bela im Juni 1943 heimlich in einem katholischen Kinderheim in Bochum ab. Als das Heim bombardiert wurde, wurde das kleine Mädchen ins hessische Waldeck gebracht, dort lebte es zunächst als katholische Waise unter dem Namen Elisabeth.
Trotzdem wurde sie – mutmaßlich nach einer Denunziation – 1944 als Bela Heymann erkannt, bald darauf über Berlin nach Theresienstadt deportiert. Dort wurde sie 1945 befreit. Die Grauen, die sie auf ihre Odyssee und im Lager erlebte, prägten sie ihr Leben lang.
1946 nahm sie das Ehepaar Winkens, das selbst Verfolgung durch die Nationalsozialisten erlitten hatte, in Düsseldorf auf und adoptierte sie. Mitte der Fünfzigerjahre spielte sie als Jugendliche in einem Theaterstück im nahegelegenen Holland die Rolle der Anne Frank, nach dem Abitur schloss sie eine Schauspielausbildung in Berlin ab und arbeitete danach als Schauspielerin auf diversen Bühnen und vor der Kamera.
Nach der Geburt ihrer Tochter zog sie sich als Alleinerziehende zunächst aus dem Theaterbetrieb zurück. Doch spätestens Anfang der 1980er Jahre engagierte sich Bela an der Jungen Aktionsbühne in Düsseldorf, erarbeitete Programme, in denen sie Gedichte rezitierte, auch eigene, um an das Grauen der Nazizeit zu erinnern.
1985 las sie so etwa in Düsseldorf-Gerresheim an der Stelle der ehemaligen Synagoge bei einer Erinnerungsveranstaltung aus Werken von Exildichterinnen und -dichtern, nach der Veranstaltung wurde sie von Neonazis überfallen. Es sollte nicht die einzige Attacke bleiben.
In dieser Zeit entstand auch ihr Solostück 'Ich bin an der Erinnerung unheilbar krank', die Premiere in Düsseldorf musste unter Polizeischutz stattfinden. Kurz zuvor war die Autorin erneut physisch angegriffen worden. 1989 strahlte der WDR einen Porträtfilm von Leonore Paurat über sie unter dem Titel ihres Theaterstücks aus.
Auf Grundlage ihres Stücks schrieb sie Mitte der 1990er Jahre ihre ebenso poetischen wie wütenden Memoiren 'Brief an ihre Mutter' nieder, die erst 2025 in einem Verlag erscheinen konnten. Und seither großen Anklang finden. Die Bundeszentrale für politische Bildung etwa hat das Buch in hunderten Bibliotheken vor allem von Gedenkstätten untergebracht, es fanden zahlreiche Lesungen aus dem Buch statt, unter anderem mit Dilek Güngör, Manja Präkels, Anke Stelling oder Bettina Wilpert, die der inzwischen erkrankten Autorin ihre Stimme liehen.
'Wir Juden sind in der extremen Lage, beweisen zu müssen, was uns geschehen ist. Wir müssen in uns für die Anderen das Leid noch einmal geschehen lassen, es noch einmal erleben. Die Opfer müssen den Tätern be- und nachweisen, was an ihnen erlitten wurde', schrieb Bela Winkens in 'Brief an die Mutter'.
Bela Winkens starb am 1. April 2026, kurz nach ihrem 85. Geburtstag, in Düsseldorf."