Das Buchbranchen-Update

Die Nachlese: Spendenaktion im Buchhandlungspreis-Skandal

8. Juni 2026
Redaktion Börsenblatt

In dieser Folge der Nachlese: Die von Theresa Donner initiierte Spendenaktion im Buchhandlungspreis-Skandal ist ein Erfolg, C.H. Beck stärkt seine Anteile am dtv und die Nominierten des Börsenblatt Young Excellence Awards stehen fest.

Nachlese Podcast-Cover (Mock-up)

Die Nachlese erscheint jeden Montag

Es ist eine Geschichte, die zeigt, was die Buchbranche kann, wenn sie zusammenhält. Im März hatte die hallische Buchhändlerin Theresa Donner einen Spendenaufruf gestartet. Ihr Ziel: Die drei vom Deutschen Buchhandlungspreis ausgeschlossenen Buchhandlungen zu unterstützen. Jetzt ist das Ergebnis da: Insgesamt wurden rund 24.000 Euro gespendet. Damit erhält jede der drei betroffenen Buchhandlungen nun sogar über 8.000 Euro, also etwas mehr als das ursprüngliche Preisgeld von 7.000 Euro. Verwaltet wurde die Aktion über das Sozialwerk des Deutschen Buchhandels. Initiatorin Theresa Donner bedankte sich bei allen für die Unterstützung und sagte: "Das ist ein wirklich gutes Zeichen der Solidarität in unserer Branche."

Zur Erinnerung: Die Buchhandlungen "Zur schwankenden Weltkugel" in Berlin, "The Golden Shop" in Bremen und der "Buchladen Rote Straße" in Göttingen waren von der unabhängigen Jury für den Preis nominiert worden. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer hatte sie aber von der Liste gestrichen. Die Begründung blieb vage – es war von "ernsthaften" Zweifeln die Rede, die nach einer Anfrage beim Verfassungsschutz aufgekommen seien.

Der Spendenerfolg ist nun ein starkes Zeichen der Solidarität. 81 Spenden gingen ein – von Privatpersonen, anderen Buchhandlungen, Verlagen und Autor:innen. Allein die Verlagsgruppe Penguin Random House beteiligte sich mit 7.000 Euro. Das Geld soll aber nicht nur das entgangene Preisgeld ersetzen. Es soll auch die Prozesskosten decken, denn die drei Buchhandlungen klagen weiterhin auf Aufklärung der Vorwürfe. Es geht also nicht einfach um finanzielle Unterstützung, sondern um ein klares Signal aus der Branche: Intransparente Entscheidungen vonseiten der Politik werden nicht einfach hingenommen.

Übrigens: Wolfram Weimer legt keine Rechtsmittel gegen das Gerichtsurteil im Fall der Berliner Buchhandlung "Zur schwankenden Weltkugel" ein. Damit ist die Entscheidung rechtskräftig, dass er die Betreiberinnen nicht als "politische Extremisten" bezeichnen darf. Das Verwaltungsgericht Berlin hatte entschieden, dass für diese Aussage keine belastbare Tatsachengrundlage vorliegt.

C.H. Beck stärkt Anteile am dtv

Beim dtv gibt es eine bemerkenswerte Veränderung in der Gesellschafterstruktur. Der Verlag C.H. Beck übernimmt zum 1. Juli die Anteile der Ganske Verlagsgruppe. Die Kartellbehörden müssen dem allerdings noch zustimmen. Offiziell will Ganske damit die eigene Strategie schärfen und Ressourcen auf andere Wachstumsfelder konzentrieren. Im Klartext heißt das wohl: Hier wird Kapital aus einer Beteiligung abgezogen, um es an anderer Stelle in der Mediengruppe zu investieren. Bei C.H. Beck in München hingegen sieht man eine erfreuliche Möglichkeit, das langjährige Engagement als Gesellschafter auszubauen. Verleger Jonathan Beck betont, man wolle "die erfolgreiche Entwicklung des dtv weiter konstruktiv begleiten". Und diese Entwicklung kann sich sehen lassen: 1960 als reiner Taschenbuchverlag gegründet, gehört der dtv heute zu den größten unabhängigen Publikumsverlagen im deutschsprachigen Raum. Er ist längst nicht mehr nur auf Zweitveröffentlichungen fokussiert, sondern bringt jährlich rund 400 Titel in allen Genres heraus. Die weiteren Gesellschafter, der Carl Hanser Verlag und die OTB Beteiligungsgesellschaft, bleiben an Bord. C.H. Beck stärkt mit diesem Schritt also seine Position bei einem sehr erfolgreichen Verlag, während sich die Ganske Verlagsgruppe strategisch und finanziell neu sortiert.

Nominierte des #yeaward26

Die Nominierten für den Börsenblatt Young Excellence Award stehen fest. Zehn junge Branchenprofis haben in diesem Jahr die Chance auf die Auszeichnung. Im Juni stellt die Börsenblatt-Redaktion alle Nominierten und ihre Arbeit mit persönlichen Online-Porträts ausführlich vor.

Und das sind die Nominierten in alphabetischer Reihenfolge: Harriet Dohmeyer, Verlegerin des Ankerwechsel Verlags; Monika Drummer, Gründerin der Drummer Literary Agency; Ruben Höppner, Verleger beim Anthea Verlag; Susann Hoffmann, Gründerin der Buchhandlung kleinodd in Waldenburg; Minitta Kandlbauer, Herstellungsleiterin bei den Goldegg Verlagen; Melina Kern, Gründerin der Social-Media-Beratung Kern-Kompetenz; Larissa Ruf, Co-Founderin von BiMA; Karolina Timoschadtschenko, Programmleiterin beim Label Grau; Clara Trumpf, Buchhändlerin bei der Buchhandlung Taube; und Josephine Wunderberg, Buchhändlerin bei Erlesenes & Büchergilde in Mainz.

Wer den Preis erhält, entscheidet sich vom 1. bis 15. Juli in einer öffentlichen Publikumswahl. Die Preisverleihung findet dann am 8. Oktober auf der Frankfurter Buchmesse statt.

News aus dem Buchhandel

Auf ihrer Generalversammlung in Erfurt hat die Buchhandelskooperation LG Buch ihr Projekt "MitWirkung" vorgestellt. Die Idee dahinter ist bestechend einfach: Einzelne Buchhandlungen übernehmen Patenschaften für Verlage. Statt auf Vorgaben von oben zu warten, finden die Partner im direkten Austausch heraus, was sie gemeinsam voranbringt – und setzen es dann einfach um, ganz pragmatisch. Die Projekte sollen dann auch als Blaupause für weitere Kooperationen in der Gruppe dienen.

Thalia übernimmt zum 1. Juli die Bücherstube Lauer in Eltville am Rhein. Für die Kund:innen ändert sich aber wenig: Die bisherige Inhaberin Bettina Lauer wird die Buchhandlung unter dem Dach von Thalia weiterleiten, auch alle Mitarbeiterinnen bleiben an Bord. Nach einem Umbau soll die Buchhandlung Ende Juli wiedereröffnet werden.

Wie man sich als Buchhandlung erfolgreich breiter aufstellt, macht Reuffel in Koblenz vor. Inhaber Robert Duchstein hat zusätzlich zum Buchgeschäft den Concept Store "Bazaar of Wunderbar" und den Spielwarenladen "Reuffel Spielraum" eröffnet. Das Börsenblatt war vor Ort und hat sich angesehen, wie die beiden Erfolgsgeschichten funktionieren – und welche Startschwierigkeiten anfangs überwunden werden mussten. Die Reportage findet ihr online.

News aus Verlagen

Beim Heel Verlag aus Königswinter läuft seit Anfang Juni ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Die Geschäftsführung bleibt dabei handlungsfähig und arbeitet an einer Sanierung des Unternehmens. Der 1980 von Franz-Christoph Heel gegründete Verlag ist unter anderem für Bücher zu Oldtimern, Grillen, Lego und Popkultur-Themen wie "Star Wars" oder "Harry Potter" bekannt. Außerdem gibt Heel mehrere Magazine heraus und beschäftigt derzeit 38 Mitarbeitende.

Der Berliner Verlag Altneuland Press wird verlegerisch unabhängig. Nachdem die ersten beiden Programme noch gemeinsam mit dem Kanon Verlag erschienen sind, gibt der Verlag ab Herbst ein eigenes Programm heraus. Der Fokus liegt weiterhin auf der Vielfalt hebräischer und jüdischer Literatur, künftig sollen aber auch deutschsprachige und englische Titel erscheinen. Den Vertrieb übernimmt ab sofort die Liberté Vertriebskooperation.

Der Ch. Links Verlag muss das Buch "Deutschland der Extreme" von Martin Debes zurückrufen und makulieren. Grund ist eine Unterlassungsforderung der früheren AfD-Politikerin Frauke Petry. Die Aufbau Verlage haben die Auslieferung gestoppt und bitten den Buchhandel, alle Exemplare zu remittieren oder vor Ort zu vernichten. Das E-Book ist in einer leicht veränderten Form weiterhin lieferbar.

Die Zeit Verlagsgruppe soll ab Anfang 2027 vollständig in die Hände der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck übergehen. Die bisherige Miteigentümerin Dieter von Holtzbrinck Medien gibt ihren 50-Prozent-Anteil ab. Für die Redaktion und die Unternehmensstruktur soll sich dadurch nach Angaben der Beteiligten nichts ändern. Die Übertragung der Anteile bedarf noch der Zustimmung der zuständigen Kartellbehörden.

Weitere News aus der Buchbranche

Die Shortlist für den Prix Voltaire 2026 steht fest. Der Preis der Internationalen Verleger-Union würdigt mutige Verlegerinnen und Verleger, die sich für die Publikationsfreiheit einsetzen. Sechs Verlage sind nominiert, darunter Häuser aus Palästina, Ägypten und Russland. Die Preisverleihung findet im Juli in Kuala Lumpur statt.

In Wien wurden die schönsten Bücher Österreichs gekürt. Drei Titel erhielten einen Staatspreis, 15 weitere eine Auszeichnung. Die Liste aller prämierten Bücher verlinken wir euch online.

Vielleicht habt ihr es schon bemerkt: Der Deutsche Buchpreis hat ein neues Erscheinungsbild. Das bekannte Logo wurde leicht überarbeitet, dazu gibt es eine neue Farbwelt, die von nun an jährlich wechseln soll.

Der Buchhändler Dieter Dausien vom Buchladen am Freiheitsplatz in Hanau ist am 30. Mai mit der Goldenen Nadel des Börsenvereins ausgezeichnet worden. Er gilt als eine der prägnantesten Stimmen des unabhängigen Buchhandels.

Vom 13. bis 14. Juni wird Flörsheim am Main wieder zur Manga- und Cosplay-Hochburg. Dann findet dort wieder die alljährliche Wie.MAI.KAI-Convention statt.

Am 20. Juni wird unter freiem Himmel das Münchner Buchfest gefeiert, eine familiäre Buchmesse von und mit Kleinverlagen. Bei schlechtem Wetter findet das Ganze eine Woche später statt.