Ruben Höppner hat Respekt vor der Entscheidung. Er ahnt, dass es nicht leicht wird, sieht neben dem persönlichen Risiko aber auch die große Chance. Also übernimmt er den Anthea Verlag, wird von heute auf morgen Geschäftsführer, Produktionsleiter, Marketingchef, Vertriebsleiter und so weiter – neben seinem anderen Beruf. Das Verlegertum ist ihm ein sprichwörtliches böhmisches Dorf. Aber wenn jemand davor keine Scheu zeigt, dann Ruben Höppner. Sein Credo lautet: "Lieber machen, Fehler machen und besser machen, als lange herumzusitzen und nichts zu tun, um es dann perfekt zu machen."
Er hat klare Vorstellungen und erarbeitet sich nach und nach das nötige Know-how. Lehrreiche Kontakte und ein Netzwerk aus Menschen, denen er vertraut, sind für ihn essenziell. Auch die Unterstützung der Kurt Wolff Stiftung hilft enorm. Aber nur dank viel unbezahlter Arbeit und privatem Einsatz, schafft Ruben es, Programme und Strukturen zu modernisieren, den Verlag neu auszurichten und dem Traditionshaus nach außen hin neue Souveränität und Leichtigkeit zu geben. Etwa mit einem neuen Logo. "Anthea ist der Name für die griechische Blütengöttin – das war die grobe Idee. Und dann kam meine Grafikerin mit dieser Tulpe, die gleichzeitig ein sich öffnendes Buch ist, wo das Schöne rauskommt. Und ich dachte so: There we have it!"
Der Elan des Jungverlegers zahlt sich aus: In Rubens zweitem Jahr in der Buchbranche gewinnt Anthea den Deutsche Verlagspreis 2025. Die Auszeichnung wird für herausragende verlegerische Leistung und kulturelles Engagement vergeben, ist also eine richtige Wohltat für Ruben. Auch monetär, denn mit 18.000 € lassen sich etwa ein Übersetzungs-Buchprojekt ohne Förderung oder die Fixkosten für ein Jahr finanzieren – natürlich ohne sämtliche Freelancer und die Studentische Aushilfe zu bezahlen …
Ruben spricht offen über strukturelle Probleme und die katastrophale finanzielle Lage: "Ich kämpfe extrem ums Überleben. Es ist superschwer, erst recht als Quereinsteiger. Der Verlag wirft kein Geld ab, sondern ich muss welches reinstecken." Ruben hatte sich eine Beratungsförderung von der Investitionsbank in Berlin gesichert – doch nach wenigen Verlagsberatungs-Einheiten kam die CDU an die Regierung: "Ich hatte 20.000 € eingeworben und konnte davon fast nichts nutzen."