Leipziger Buchmesse

Coole Socken

18. März 2026
Nils Kahlefendt

Bei der Pressekonferenz Stunden vor der Eröffnung der Leipziger Buchmesse dominierten die kulturpolitischen Themen dieser Tage. Dabei geht die Hauptbotschaft fast unter: Die Messe steht mit leichtem Ausstellerplus stabil da, und das Publikum scharrt mit den Füßen – für den Samstag werden schon wieder langsam die Tickets knapp. 

Die Ruhe vor dem Sturm: Die Leipziger Messehallen am Mittwochmittag

Die Ruhe vor dem Sturm: Die Leipziger Messehallen am Mittwochmittag

Wenn sich morgen, bei bestem Postkartenwetter, in Leipzig die Hallentore öffnen, wird die Buchmesse bei Ausstellern und Fläche leicht zugelegt haben, was in diesen Zeiten schon einer Erfolgsmeldung gleichkommt. Mit 2044 Ausstellern aus 54 Ländern (2025: 2040 Aussteller aus 45 Ländern) wird die Messe, bei der das Gros der Aussteller aus der Bundesrepublik kommt, doch internationaler – mit Unterstützung der Stadt Leipzig ist etwa erneut ein Länderstand der Ukraine vor Ort, Armenien beteiligt sich erstmals mit einer nationalen Präsenz. "Mit ihrer kontinuierlichen Teilnahme am wichtigsten Branchenevent der Saison zeigen die Verlage, wie wichtig die Leipziger Buchmesse für ihr Geschäft ist", freut sich denn auch Messe-Geschäftsführer Martin Buhl-Wagner. "Das ist ein starkes Signal angesichts der anspruchsvollen Marktlage." Angesichts dieser Vielfalt empfiehlt Buchmesse-Direktorin Astrid Böhmisch den Gästen aus nah und fern mit Siri Hustved: "Wagen Sie den Plural!" 

Messe-Geschäftsführer Martin Buhl-Wagner bei seiner Begrüßung

Messe-Geschäftsführer Martin Buhl-Wagner bei seiner Begrüßung

Leipzigs Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke ging in ihrem Statement unter anderem auf das Literaturhaus der Stadt ein, über dessen Zukunft der Leipziger Stadtrat in der kommenden Woche beraten wird: "Ich hoffe sehr, dass wir diesen Weg gemeinsam gehen und werbe auch hier um die Unterstützung der Buchbranche", so Jennicke. Orte wie das Literaturhaus, so die Kulturbürgermeisterin, seien "mehr als nur Veranstaltungsräume" – "sie sind Räume des Gesprächs, des Widerspruchs und Räume für den freien Austausch von Ideen". In Leipzig, so Jennicke, wird in diesen Tagen eine Frage im Mittelpunkt stehen: "Wieviel Freiheit braucht Kultur – und wie viel politische Einflussnahme verträgt sie?"

Bei der Eröffnungspressekonferenz (v.l.): Peter Kraus vom Cleff, Skadi Jennicke und Astrid Böhmisch auf Sesseln sitzend

Bei der Eröffnungspressekonferenz (v.l.): Peter Kraus vom Cleff, Skadi Jennicke und Astrid Böhmisch

Börsenvereins-Hauptgeschäftsführer Peter Kraus vom Cleff verwies darauf, dass im aktuellen Superwahljahr die Weichen dafür gestellt werden, welchen Einfluss antidemokratische Strömungen in der Gesellschaft künftig haben werden. Zugleich forme die Machtkonzentration der Digitalplattformen immer mehr unser Denken – was "brandgefährlich" sei. Vor diesem Hintergrund brauche die Demokratie die Buchbranche als starkes Rückgrat. Damit "unsere eher margenarme Branche" ihrer Rolle weiterhin gerecht werden könne, gelte es, bestmögliche Rahmenbedingungen zu schaffen – etwa durch die Regulierung von generativer KI und die Förderung von Lese- und Medienkompetenz. "Wir erleben den größten intellektuellen Diebstahl in der Geschichte der Menschheit – und wir dürfen dabei nicht zusehen."

"Ich freue mich auf subversive Tage in Leipzig"

Mit großer Sorge beobachtet Kraus vom Cleff auch die aktuellen kulturpolitischen Entwicklungen. "Das fragwürdige Haber-Verfahren", so der Hauptgeschäftsführer unmissverständlich, "hat in keinem Bereich der Kulturförderung irgendetwas zu suchen". Zum Ende seines Statements formulierte Kraus vom Cleff einen opulenten Wunschzettel für die morgen beginnende Buchmesse. Am ehesten erfüllbar muten die ersten beiden an: Dass Leipzig 2026 erneut ein rauschendes Lesefest wird und dass das Literaturhaus der Buchstadt erhalten bleibt. Daumen drücken ist für Wunsch drei und vier angebracht: "Dass die 1912 in Leipzig gegründete Deutsche Nationalbibliothek ihren dringend nötigen fünften Erweiterungsbau bekommt. Und dass alle 118 von der Jury ausgewählten Träger des Deutschen Buchhandelspreises ihren Preis auch bekommen – sei es durch ein Gerichtsverfahren oder durch Einsicht.“ Lesen sei subversiv, so Kraus vom Cleff kämpferisch. "Ich freue mich auf subversive Tage in Leipzig."

Ein Hingucker: Die gelben Socken Leipziger Buchmesse-Logo von Messe-Geschäftsführer Martin Buhl-Wagner

Ein Hingucker: Die Socken von Messe-Geschäftsführer Martin Buhl-Wagner

Dass Kulturstaatsminister Wolfram Weimer bis auf die Eröffnung am heutigen Abend alle weiteren Leipzig-Termine abgesagt hat, unter anderem den traditionellen Messerundgang und eine Veranstaltung ausgerechnet in der Deutschen Nationalbibliothek, findet Messe-Direktorin Böhmisch schade – "aber es ist, wie es ist. Wir freuen uns, dass er heute Abend zur Eröffnung spricht."

Angesichts der in 30 Minuten durcheilten Problemlagen hielten sich die aufs Messegelände geströmten Medienvertreter mit Fragen größtenteils zurück. Inmitten der kulturpolitischen Aufgeregtheiten blitzte ein kleiner Neben-Aspekt auf, der noch nie Gegenstand des hochoffiziellen Podiums war: Die Socken, die Messe-Geschäftsführer Martin Buhl-Wagner trug. Anders als die legendären roten Socken Klaus Wagenbachs zeigten diese das relaunchte Buchmesselogo in den neuen, leuchtenden Hausfarben. "Wir würden uns über viele Sockenträger freuen", bekräftigte Astrid Böhmisch zum Abschied. Ob daraus nun eine Messe-Socken-Kampagne wird, steht dahin. Ein kurzer Fakten-Check des Börsenblatts zeigt: Im Merch-Shop der Buchmesse gibt es aktuell zwar "Panoramatassen", Badeschlappen und T-Shirts, nicht aber die coolen Socken von Buhl-Wagner.