Friedolin Franz Reske

Ehemaliger Verleger der Eremiten-Presse ist gestorben

6. Mai 2026
Redaktion Börsenblatt

Architekt, Tänzer und Verleger: Friedolin Franz Reske ist am 5. Mai in Neuss im Alter von 89 Jahren gestorben. Er war über Jahrzehnte Mitinhaber der Eremiten-Presse.

Friedolin Reske im Garten des Verlagshauses Fortunastraße 11, Düsseldorf 2008

Friedolin Reske im Garten des Verlagshauses Fortunastraße 11, Düsseldorf 2008

Das teilte einer seiner Freunde mit. Über Jahrzehnte stand der Name Friedolin Franz Reske für bibliophile Verlagsarbeit – und für eine Kultur, die Gestaltung, Text und Öffentlichkeit nie getrennt dachte. Geboren wurde Reske am 25. Oktober 1936 in Düsseldorf als zweites von drei Geschwistern. Seine Kindheit wurde früh von Verlust und Umbrüchen geprägt: Der Vater Friedrich Johann Reske starb 1938 in der "Reichskristallnacht" vom 9. auf den 10. November unter bis heute ungeklärten Umständen. 1941 wurde er im Rahmen der Kinderlandverschickung nach Naseband in Hinterpommern gebracht; dort besuchte er ab 1943 die dörfliche Volksschule. Gegen Kriegsende floh er im März 1945 mit der Gastfamilie nach Westen, seit 1950 lebte er in Oldenburg.

Von der Architektur zur Literatur

Nach dem Abitur 1956 führte ihn sein Weg zurück nach Düsseldorf zu einem Baupraktikum – und anschließend an die RWTH Aachen, wo er Architektur studierte. Früh zeigte sich jedoch, dass Reskes Interessen weit über den Bau hinausgingen: Er engagierte sich im Studententheater, nahm Tanzunterricht und besuchte Sommerkurse an der Folkwang-Schule. Als Gasttänzer arbeitete er am Stadttheater Aachen. 

Nach dem Diplom 1963 war Reske in Architekturbüros tätig. Entscheidender wurde jedoch die Freundschaft mit dem Schriftsteller Dieter Hülsmanns sowie die Nähe zur Kunstszene. Gemeinsam entstanden Übersetzungen (u. a. aus dem Französischen) und kulturjournalistische Arbeiten – darunter eine Reihe von "Ateliergesprächen" mit Künstlern wie Joseph Beuys, K. O. Götz, Gerhard Richter, Sigmar Polke oder Günther Uecker. Diese Gespräche erschienen 2018 gesammelt im Verlag der Buchhandlung Walther König.

Nächste Station Eremiten-Presse

1966 zog Reske mit Hülsmanns nach Stierstadt im Taunus, um V. O. Stomps und die Eremiten-Presse zu unterstützen. Nach der Trennung von Stomps im Jahr darauf führten Hülsmanns und Reske den Verlag gegen Widerstände eigenständig weiter – und gewannen Autoren zurück, die dort ihre ersten Veröffentlichungen gehabt hatten. Darunter Christoph Meckel oder Gabriele Wohmann. 

1969 startete die bibliophile Taschenbuchreihe "Broschur": ein unerwarteter Verkaufserfolg, begleitet von großer medialer Aufmerksamkeit, Ausstellungen und TV-Berichten.

Friedolin Reske (links) und Jens Olsson mit einer Freundin, Düsseldorf 2013

Friedolin Reske (links) und Jens Olsson mit einer Freundin, Düsseldorf 2013

Rückkehr nach Düsseldorf

1972 erfolgte der Umzug nach Düsseldorf zurück, in ein von Hülsmanns ererbtes Haus in der Fortunastraße. Der frühe Tod von Dieter Hülsmanns 1981 war ein tiefer Einschnitt; Reske erbte das Haus und führte den Verlag zunächst allein weiter. Der Hamburger Art Director Jens Olsson wurde dann 1982 Mitinhaber. Gemeinsam prägten sie das Programm bis zur Einstellung der Buchproduktion 2010. Reske blieb zugleich dem Tanz verbunden: Von 1997 bis 2002 war er im Vorstand des Tanzhauses NRW und brachte seine Bühnen- und Architekturkompetenz in die Gestaltung des Hauses ein.

Nach dem Tod von Jens Olsson am 17. Juli 2023 zog Reske am 4. August 2023 in ein Pflegeheim nach Neuss. Nun ist er dort mit 89 Jahren gestorben.