TV-Tipp zu Buchverboten in den USA

"Es war wie das Ausblasen einer Kerze ..."

28. Mai 2026
Redaktion Börsenblatt

"... so beiläufig", sagt eine Schul-Bibliothekarin in der Doku "Verbotene Bücher" (3sat). Sie spricht über ihre Kündigung. Ihre Verfehlung: Sie hatte eine Liste mit Büchern erhalten, die sie aus den Regalen entfernen sollte – und gewagt zu fragen: Warum? Nur eine der Kämpferinnen und Kämpfer gegen Buchverbote in den USA, die zu Wort kommen. 

Screenshot aus "Verbotene Bücher"

Screenshot aus "Verbotene Bücher"

"An Amerikas Buchregalen tobt ein Kulturkrieg", heißt es zur Dokumentation "Verbotene Bücher" über Buchverbote in den USA, die am 27. Mai auf 3sat ausgestrahlt wurde. Konservativen US-Aktivisten seien Schulbibliotheken ein Dorn im Auge. Alles, was ihrem Weltbild nicht entspreche, soll entfernt werden.

Die Krause-Liste

Im Oktober 2021 veröffentlicht Matt Krause, republikanischer Abgeordneter im Repräsentantenhaus von Texas, eine Liste mit 850 Büchern, die von den Schulen auf "obszöne" und "rassistische" Inhalte überprüft werden sollten. Die meisten der beanstandeten Titel behandeln Themen wie Diskriminierung oder LGBTQ+-Identität. Er fordert, dass Schülerinnen und Schüler vor "Pornografie" und allen, was bei ihnen "Unbehagen" oder "Schuldgefühle" hervorrufen könnte, geschützt werden müssten – indem man solche Bücher aus den Schulbibliotheken entferne.

Die Rolle von Elternbeiräten und Elternrechtsgruppen

Selbst ernannte Elternrechtsgruppen wie die ultrakonservativen "Moms for Liberty" haben seitdem landesweit die Propagandatrommel gerührt. Haben die wichtigen Elternbeiräte infiltriert. Immer mehr Bücher wurden beanstandet, immer gezielter wurden diese Attacken koordiniert, erfährt man aus der Dokumentation. Inzwischen sind Tausende Bücher aus Schulbibliotheken verbannt worden.

Screenshot aus "Verbotene Bücher"

Ein weiterer Screenshot aus "Verbotene Bücher"

Engagierter Widerstand gegen Buchverbote

Bibliothekarinnen und Bibliothekare, die nur ihren Job machen – Kindern Zugang zu einer breiten, altersgerechten Auswahl an Literatur zu verschaffen – sehen sich übelsten Diffamierung bis hin zu Morddrohungen ausgesetzt, online und im täglichen Leben. Trotzdem haben viele von ihnen nicht klein beigegeben und Widerstand geleistet, sich organisiert und gekämpft. Dafür haben sie teilweise mit dem Verlust ihres Arbeitsplatzes bezahlt.

Die Dokumentation "Verbotene Bücher" (USA 2025) erzählt die Geschichte dieser Kämpferinnen und Kämpfer. Gewöhnliche Bürgerinnen und Bürger, die unerwartet zu Verteidigern der Demokratie geworden sind – und die alles riskieren, um die Grundrechte ihrer jungen Schützlinge zu bewahren, so die Programmankündigung. Bibliothekare sind die Brandmauer, heißt es an einer Stelle des Films.

Haarsträubend beim Anschauen sind etwa die Szenen vor den Elternbeiräten oder bei Anhörungen, wo die Fronten aufeinandertreffen. Das macht fassungslos.

Die komplette Sendung (74 Minuten) ist noch in der 3sat-Mediathek zu sehen: hier