Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung

Auszeichnungen für Helmut Böttiger und Anke te Heesen

16. Juli 2026
Redaktion Börsenblatt

Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung gibt zwei Auszeichnungen bekannt: Der Autor und Literaturkritiker Helmut Böttiger erhält den Johann-Heinrich-Merck-Preis für literarische Kritik und Essay, die Wissenschaftshistorikerin Anke te Heesen den Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa. Beide Preise werden am 24. Oktober in Darmstadt verliehen, zusammen mit dem Georg-Büchner-Preis.

Helmut Böttiger

Helmut Böttiger

Der Johann-Heinrich-Merck-Preis ist mit 20.000 Euro dotiert. In der Begründung der Jury heißt es: "Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung verleiht den Johann-Heinrich-Merck-Preis für literarische Kritik und Essay 2026 Helmut Böttiger für das Ensemble seiner klugen, beobachtungsgenauen Interpretationen der deutschsprachigen Literatur von der Nachkriegszeit bis in die unmittelbare Gegenwart. Mit stupenden Kenntnissen bei gleichzeitiger Unvoreingenommenheit begegnet er sowohl dem einzelnen Buch wie dem Gesamtwerk von Autorinnen und Autoren und vermag sie im Kontext literarischer und politischer Strömungen zu verorten. Hervorzuheben sind seine Bücher über die Gruppe 47, die Literatur der siebziger Jahre, über Fritz-Rudolf Fries, Paul Celan und Ingeborg Bachmann. Ob in Rezensionen, Monografien, Epochenporträts, Reden, Essays oder Ausstellungen – in Helmut Böttiger ehren wir einen Vor-Leser, der um die Unverzichtbarkeit weiß, die literarische Erkundungen für den Einzelnen wie für die Gesellschaft haben, der Literatur auch als Erkenntnismittel begreift und sich dieser Verantwortung stellt."

Helmut Böttiger, geboren 1956 in Creglingen, studierte Germanistik und Geschichte in Freiburg, 1985 wurde er mit einer Arbeit über Fritz Rudolf Fries und die DDR-Literatur promoviert. Danach war u.a. als verantwortlicher Literaturredakteur der "Frankfurter Rundschau" tätig. Seit 2002 arbeitet als freier Schriftsteller und Literaturkritiker. Er wurde ausgezeichnet mit dem Ernst-Robert-Curtius-Förderpreis für Essayistik (1997), dem Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik (2012) und mit dem Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Sachbuch für "Die Gruppe 47" (2013). Zuletzt von ihm erschienen: "Die Gegenwart durchlöchern. Beiträge zur neueren deutschen Literatur" (2024).

Anke te Heesen

Anke te Heesen

Anke te Heesen erhält den mit 20.000 Euro dotierten Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa 2026. Aus der Begründung: "Mit großem Spürsinn und beharrlicher Konsequenz erschließt sie der Wissenschaftsgeschichte neue Dimensionen und Nachbarschaften, indem sie theoretische Neugier mit Aufmerksamkeit für das Detail, Nähe mit Distanz verbindet. Ob sie das Selbstbild der Akteure rekonstruiert, die zur Herausbildung der Quantenphysik beigetragen haben, die Sammlungsstrategien und Wissenspraktiken bündelt, die von den Wunderkammern zu den modernen Museen führen oder mit kunsthistorischer Expertise und feministischer Eleganz zeigt, wie Frauen sich die Ornamente und Muster aneignen, in die Gemälde und Interieurs sie lange gebannt hatten – stets lebt ihre klare Diktion von der Balance zwischen Anschauung und Begriff. Mit ihr ehrt die Akademie eine Protagonistin publikumszugewandter Wissenschaftssprache."

Anke te Heesen, geboren 1965 in Voerde, ist seit 2011 Professorin für Wissenschaftsgeschichte am Institut für Geschichtswissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin und leitet seit 2024 gemeinsam mit Viktoria Tkaczyk die DFG-geförderte Kollegforschungsgruppe "Angewandte Geisteswissenschaften – Genealogie und Politik". Sie studierte zunächst Kulturpädagogik mit dem Schwerpunkt Bildende Kunst, bevor sie in die Wissenschaftsgeschichte wechselte. Sie arbeitete als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Kuratorin am Forschungszentrum Europäische Aufklärung in Potsdam, dem Deutschen Hygiene-Museum Dresden und dem Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte, Berlin. Von 2006 bis 2008 war sie als Gründungsdirektorin des Museums der Universität Tübingen tätig, anschließend bis 2011 Professorin für Empirische Kulturwissenschaft in Tübingen.

Anke te Heesen wurde unter anderem mit dem Preis der Aby-Warburg-Stiftung (2008) und dem Übersetzungspreis "Geisteswissenschaften international" des Deutschen Börsenvereins des Deutschen Buchhandels (2009) ausgezeichnet. Gegenwärtig forscht sie zu "angewandten Geisteswissenschaften" und dem Programm einer ästhetischen Erziehung der Nachkriegszeit. Ihr jüngstes Buch, erschienen 2025, ist "Frauen vor Mustern" gewidmet.