Anke te Heesen erhält den mit 20.000 Euro dotierten Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa 2026. Aus der Begründung: "Mit großem Spürsinn und beharrlicher Konsequenz erschließt sie der Wissenschaftsgeschichte neue Dimensionen und Nachbarschaften, indem sie theoretische Neugier mit Aufmerksamkeit für das Detail, Nähe mit Distanz verbindet. Ob sie das Selbstbild der Akteure rekonstruiert, die zur Herausbildung der Quantenphysik beigetragen haben, die Sammlungsstrategien und Wissenspraktiken bündelt, die von den Wunderkammern zu den modernen Museen führen oder mit kunsthistorischer Expertise und feministischer Eleganz zeigt, wie Frauen sich die Ornamente und Muster aneignen, in die Gemälde und Interieurs sie lange gebannt hatten – stets lebt ihre klare Diktion von der Balance zwischen Anschauung und Begriff. Mit ihr ehrt die Akademie eine Protagonistin publikumszugewandter Wissenschaftssprache."
Anke te Heesen, geboren 1965 in Voerde, ist seit 2011 Professorin für Wissenschaftsgeschichte am Institut für Geschichtswissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin und leitet seit 2024 gemeinsam mit Viktoria Tkaczyk die DFG-geförderte Kollegforschungsgruppe "Angewandte Geisteswissenschaften – Genealogie und Politik". Sie studierte zunächst Kulturpädagogik mit dem Schwerpunkt Bildende Kunst, bevor sie in die Wissenschaftsgeschichte wechselte. Sie arbeitete als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Kuratorin am Forschungszentrum Europäische Aufklärung in Potsdam, dem Deutschen Hygiene-Museum Dresden und dem Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte, Berlin. Von 2006 bis 2008 war sie als Gründungsdirektorin des Museums der Universität Tübingen tätig, anschließend bis 2011 Professorin für Empirische Kulturwissenschaft in Tübingen.
Anke te Heesen wurde unter anderem mit dem Preis der Aby-Warburg-Stiftung (2008) und dem Übersetzungspreis "Geisteswissenschaften international" des Deutschen Börsenvereins des Deutschen Buchhandels (2009) ausgezeichnet. Gegenwärtig forscht sie zu "angewandten Geisteswissenschaften" und dem Programm einer ästhetischen Erziehung der Nachkriegszeit. Ihr jüngstes Buch, erschienen 2025, ist "Frauen vor Mustern" gewidmet.