Mitgliedertreffen der Regionalgeschäftsstelle NRW im Börsenverein

Wie sich die Buchbranche für Demokratie einsetzt

30. September 2026
Redaktion Börsenblatt

Am 24. September hatte die Regionalgeschäftsstelle NRW im Börsenverein des Deutschen Buchhandels ihre Mitglieder nach Düsseldorf eingeladen. Rund 70 Vertreter:innen aus allen Sparten der Branche waren zum Netzwerken gekommen und verfolgten eine spannende Podiumsdiskussion. 

Helga Frese-Resch, Sebastian Guggolz, Dr. Jasper Prigge, Berîvan Aymaz und Elisabeth Evertz

Helga Frese-Resch, Sebastian Guggolz, Dr. Jasper Prigge, Berîvan Aymaz und Elisabeth Evertz 

 

Unter dem Motto "Buchhandlungen sind gelebte Orte der Demokratie" ging es um aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen und ihre Auswirkungen auf die Branche. Welche Rolle spielen Buchhandlungen und Verlage in einer Zeit, in der Demokratie, Meinungsfreiheit und Vielfalt besonders unter Druck stehen? Moderatorin Helga Frese-Resch, Sprecherin der IG Meinungsfreiheit und Stellvertretende Verlegerin bei Kiepenheuer & Witsch, stellte in den Mittelpunkt ihrer Fragen, was es heißt, Haltung zu zeigen, und welche Rolle die Gesellschaft dabei spielt.

Haltung zeigen

Börsenvereinsvorsteher Sebastian Guggolz verdeutlichte noch einmal, wie wichtig es ist, die eigene Haltung nach außen zu vertreten. Die Reaktionen nach dem Skandal um die Vergabe des Buchhandlungspreises hätten ihm gezeigt, dass das entschiedene Eintreten für die drei ausgeschlossenen Buchhandlungen richtig war und so auch der Einsatz des Haber-Verfahrens bei der Vergabe des Verlagspreises verhindert werden konnte.

Demokratische Grundsätze verteidigen

Dass die rechtlichen Verfahren deutlich länger dauern, erklärte Rechtsanwalt Dr. Jasper Prigge. Er vertritt den Buchladen zur schwankenden Weltkugel (Berlin) eine der drei vom Deutschen Buchhandlungspreis ausgeschlossenen Buchhandlungen. In Sachen Haber-Verfahren sei noch keine Entscheidung gefallen. Die wachsende Anzahl an Klagen auf dem Gebiet der Diffamierung zeige allerdings, dass sich das gesellschaftliche Klima verändert und verschlechtert habe. Aber man sei bereit und gut aufgestellt, um die demokratischen Grundsätze zu verteidigen.

Kreativ Impulse geben

Buchhändlerin Elisabeth Evertz, Inhaberin der Buchhandlung Scheuermann in Duisburg, führte hingegen aus, was in der Branche und Gesellschaft zusammen bewegt werden kann. Mit Hilfe ihrer Kund:innen ist die Buchhandlung kürzlich umgezogen. Dabei sei erlebbar gewesen, "dass etwas Großartiges entsteht, wenn Menschen gemeinsam etwas Schönes erschaffen, das über den Zauber des reinen Buchhandels hinausgeht. Wir sind froh, dass wir die Möglichkeit haben, kreativ Impulse geben zu können, die uns alle zugutekommen können."

Gemeinsam mit ihrer Co-Inhaberin Anke Johannsen hat sie Aufkleber gestaltet „Safe Space für Menschlichkeit und Vielfalt“, die zum Download zur Verfügung stehen, und mittlerweile bundesweit von Privatmenschen, Einrichtungen und Geschäften an Türen und Autos angebracht wurden.

Von politischer Einflussnahme abgrenzen

Berîvan Aymaz, Abgeordnete der Grünen und Vizepräsidentin des Landtags Nordrhein-Westfalen, ergänzte die Runde um die politische Einordnung: "Wer Demokratie stärken will, muss auch Orte der Bildung, der Begegnungen und des kritischen Austauschs fördern. Dies muss sich aber klar von einer politischen Einflussnahme abgrenzen." Aymaz versicherte, Buchhandlungen stärker in den Blick zu nehmen.

Trotz herbstlicher Temperaturen gingen die Gespräche im Innenhof der Regionalgeschäftsstelle unter den Kolleg:innen im Anschluss weiter. Sie tauschten Erfahrungen aus und diskutierten, wie auch "im Kleinen" Demokratie gelebt werden kann.