Deutscher Buchhandlungspreis: Reaktionen

"Wir sind höchst irritiert und beunruhigt"

4. März 2026
Redaktion Börsenblatt

Der Vorstand der Kurt Wolff Stiftung zeigt sich in einer Mitteilung "höchst irritiert" über die Revidierung der Jury-Entscheidung zum Deutschen Buchhandlungspreis 2025. Beigefügt ist ein Statement ehemaliger Jurymitglieder. Auch der PEN Berlin hat sich geäußert – und richtet einen Fragenkatalog an Wolfram Weimer.

"Dass der Kulturstaatsminister sich in drei Fällen über die Entscheidung der von seiner Behörde eingesetzten Jury aus erwiesenen Branchenkennern hinwegsetzt, ist eine Einflussnahme, die Grundprinzipien des Preises konterkariert", kritisiert der Vorstand der Kurt Wolff Stiftung. "Es könnte sogar als politische Einflussnahme wahrgenommen werden." Man sei "höchst irritiert und beunruhigt über die Revidierung der Jury-Entscheidung zum diesjährigen Buchhandlungspreis". Der Ansatz, das umstrittene Haber-Verfahren zur Überprüfung der Preisträger anzuwenden, komme einem Generalverdacht gegen alle Akteure der deutschen Buchbranche gleich und sei vollkommen unangemessen.

Der seit 2015 jährlich vergebene Buchhandlungspreis wurde maßgeblich von der Kurt Wolff Stiftung initiiert, die auch als dessen Partner auftritt. Mit dem Buchhandlungspreis soll ein besonderes buchhändlerisches Engagement für eine vielfältige Buch- und Literaturlandschaft in Deutschland gewürdigt werden.

"Ankerpunkte der lokalen Kulturvermittlung"

Die drei betroffenen Buchhandlungen Golden Shop (Bremen), Rote Straße (Göttingen) und Zur schwankenden Weltkugel (Berlin), "sind seit vielen Jahrzehnten mit ihrem Engagement und ihrem Sortiment ein fester Bestandteil des deutschen Buchhandels und jeweils bedeutende Ankerpunkte der lokalen Kulturvermittlung".

Gerade diese Buchhandlungen würden mit ihrem Angebot abseits des Mainstreams exemplarisch für die Sichtbarkeit von Vielfalt sorgen: "Sie setzen sich mit ihrer Arbeit für die in einer Demokratie grundlegenden Prinzipien Meinungsfreiheit, Freiheit von Kunst und Literatur und für die Möglichkeit der Meinungsbildung ein und haben die Auszeichnung daher mehr als verdient."

Sie ihnen aufgrund von Bedenken, die nicht einmal mitgeteilt werden, vorzuenthalten, sei mehr als bedenklich – auch in Hinblick auf kommende Kulturpreisverleihungen.

Die Mitteilung vom 4. März ist unterzeichnet von Daniel Beskos, Sarah Käsmayr und Dr. Katharina E. Meyer, die den Vorstand der Kurt Wolff Stiftung bilden. 

Statement ehemaliger Jurymitglieder:

Zudem fügt die Mitteilung der Kurt Wolff Stiftung folgende Verlautbarung elf ehemaliger Jurymitglieder des Deutschen Buchhandlungspreises an:

"Wir haben in unserer Zeit als Mitglieder der Jury des Deutschen Buchhandlungspreises die Buchhandlungen Rote Straße, Göttingen, Golden Shop, Bremen, und Schwankende Weltkugel, Berlin, ausgezeichnet und würden das wieder tun."

Unterzeichnet haben: Britta Jürgs, Jim Baker, Gabriele Schink, Manfred Metzner, Manuela Reichart, Christian Geschke, Regina Vogel, Monika Bilstein, Knut Cordsen, Melanie Raabe, Stefan Weidle.

Fragenkatalog des PEN Berlin:

"Warum werden die Vorschläge der vom BKM berufenen Jury einer Prüfung durch das Bundesamt für Verfassungsschutz unterzogen?", lautet eine der Fragen, die PEN Berlin an den Kulturstaatsminister stellt. Alle Fragen finden sich im Beitrag "Ein paar Fragen zur deutschen Kulturpolitik" (4. März) auf der Website des PEN Berlin.