Grund für den Ausschluss der Buchhandlungen Zur schwankenden Weltkugel in Berlin, The Golden Shop in Bremen und Rote Straße in Göttingen seien "verfassungsschutzrelevante Erkenntnisse" wie die "SZ" auf Anfrage von einem Sprecher des Staatsministers erfuhr.
Auf Nachfrage des Börsenblatts bei derselben Stelle heißt es: "BKM folgt in der Regel den Juryentscheidungen und respektiert diese als Ausdruck demokratischer Meinungsvielfalt im Rahmen der gesetzlichen Grenzen und verfassungsmäßigen Ordnung. Überprüfungen der Juryentscheidungen und etwaige Abweichungen hiervon erfolgen nur in besonderen Einzelfällen. BKM hat in diesem Jahr entschieden, dem Juryvotum in Einzelfällen nicht zu folgen. Die Entscheidung entspricht der politischen Linie der Bundesregierung, Extremismus in jeder Form entschlossen und konsequent zu begegnen."
Die "SZ" hat über das Vorgehen des BKM u.a. mit der Rechtswissenschaftlerin Sophie Schönberger gesprochen, die die politische Einflussnahme in der Kulturförderung mit Sorge betrachtet: "Wohin das führt, sehen wir in den USA." So würden die betroffenen Buchhandlungen auch nicht erfahren, welche Erkenntnisse letztlich den Ausschlag für den Ausschluss gegeben hätten. Die Kriterien der Prüfung seien intransparent; die Buchhandlungen wüssten nicht einmal, dass sie überprüft wurden, und sie erhielten auch keine Gelegenheit, Stellung zu nehmen.
Zur Stellungnahme des Börsenvereins.
Zum SZ-Artikel: Deutscher Buchhandlungspreis: Weimer schließt Buchhandlungen nach Prüfung durch Verfassungsschutz aus - Kultur - SZ.de
Als Mitglied im Börsenverein erwarten wir eine Stellungnahme vom Vorstand des Börsenvereines, ob diese Kenntnisse davon hatten. Auch die Geschäftsleitung vom Börsenverein sollte sich dringend äußern.
Egal ob das berechtigt ist oder nicht, aber sowas geht überhaupt nicht.
Ich bin selbst Buchhändler und Mitglied im Börsenverein. Ich finde es bezeichnend und beschämend, dass eine Stellungnahme des Börsenvereins zu diesem Vorgang bis zur Stunde aussteht. Das ist genau der Moment, für den ein Berufsverband existiert: um sich schützend vor seine Mitglieder zu stellen – alle Mitglieder, unabhängig von ihrer politischen Verortung.
Kulturförderung darf kein Instrument politischer Disziplinierung sein. Heute trifft es drei Buchhandlungen, die nicht ins politische Bild passen. Die Logik dahinter kennt keine natürliche Grenze. Das sollte uns alle alarmieren.
Ich erwarte vom Börsenverein eine klare und öffentliche Verurteilung dieses Vorgangs – und zwar jetzt.
Nils Müller, Kropper Buch
gut gesagt! Wir sind absolut Deiner Meinung!
Gert Zimanowski - Büchergilde Wiesbaden
Um es mit Falco zu sagen:
"Wir Künstler könnten in keinem anderen System leben als in der Demokratie. Wir könnten weder mit einem Führer noch mit einem Kaiser leben – wir wären die Allerersten, die zensuriert oder rausgeschmissen würden. Wenn man irgendeine Geisteshaltung dokumentieren will, kann die nur links sein."
Der Preis des letzten Jahres zeichnete sich durch terminliche Ungewissheiten aus und wird erst in diesem Jahr auf der Leipziger Buchmesse verliehen. Noch dazu sind Preisverleihung UND anschließender Austausch untereinander 1 Stunde bevor die Messe schließt angesetzt. Alles wirkte irgendwie merkwürdig, nebulös und lieblos. Jetzt ist die Katze aus dem Sack.
Dass Wolfgang Weimer mehr für Kulturkampf als für die Stärkung der Kultur steht, war wohl nicht erst seit seinem unglücklichen Agieren bei der Berlinale klar. Dazu sein seltsames Geschäftsgebahren (pay my wife, meet a Spitzenpolitiker) und die Klöcknersche Freiwilligenbasis was Verpflichtungen Internationaler Streamingkonzerne angeht. Jetzt setzt er das Bundeamt für Verfassungsschutz auf den Deutschen Buchhandel an und schließt Buchhandlungen von der Preisvergabe aus, die seine CDU Amtvorgängerin Monika Grütters ohne Bedenken und voller Freude ausgezeichnet hat. Ich erinnere mich noch gern daran 2015 u.a. mit den Kolleginnen von der 'schwankenden Weltkugel' nach der Preisverleihung in Frankfurt/Main eine Kneipe gesucht zu haben.
Ich erwarte nichts von diesem Bundeskabinett, "die letzte Patrone der Demokratie" (M.Söder) ist mit Blindgängern gefüllt, aber es kommt immer noch schlimmer als man denkt. Aber ich erwarte, dass der BÖV klare Kante zeigt und ohne Rumgeeiere für die betroffenen Mitglieder eintritt.
Es fehlt jegliche Transparenz und die Jury ist/war nicht unbefangen beim Deutschen Buchhandlungspreis 2025
Als leidenschaftliche Leserin verfolge ich den Deutschen Buchhandlungspreis eigentlich immer mit großer Sympathie. Ich finde die Idee wichtig, engagierte Buchhandlungen zu fördern, die Literatur vermitteln, Veranstaltungen organisieren und kulturelle Orte in unseren Städten und Gemeinden schaffen. Gerade deshalb irritiert mich die aktuelle Diskussion um den Buchhandlungspreis 2025 sehr.
Nach den offiziellen Statuten soll der Preis anhand klarer Kriterien vergeben werden. Dazu gehören zum Beispiel das kulturelle Veranstaltungsprogramm einer Buchhandlung, ihr Engagement für Literatur, ein besonderes literarisches Sortiment oder auch innovative Ideen im Geschäftsmodell. Das klingt alles sinnvoll. Was mir aber völlig fehlt, ist Transparenz darüber, wie genau diese Kriterien bewertet werden. Es ist nicht öffentlich nachvollziehbar, welche Maßstäbe angelegt werden, wie einzelne Punkte gewichtet sind oder wie kleine Buchhandlungen überhaupt mit größeren verglichen werden. Wenn staatliche Fördergelder vergeben werden, sollte man doch erwarten dürfen, dass Entscheidungen klar erklärbar und überprüfbar sind.
Ein weiterer Punkt, der mir Bauchschmerzen macht, ist die Zusammensetzung der Jury. Mehrere Jurymitglieder arbeiten selbst eng mit der Buchbranche zusammen – etwa in Verlagen oder als Moderatorinnen von Veranstaltungen. Sie stehen also beruflich in Kontakt mit Buchhandlungen, führen Verkaufsgespräche, vergeben Rabatte oder werden für Veranstaltungen gebucht und bezahlt. Natürlich ist Branchenkenntnis wichtig. Trotzdem stellt sich für mich als Außenstehende die Frage, wie hier mögliche Interessenkonflikte vermieden werden und wie wirklich sichergestellt wird, dass alle Entscheidungen unabhängig getroffen werden. Die Jury wurde von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer berufen, umso mehr wäre Transparenz über mögliche Befangenheiten wichtig.
Besonders irritierend finde ich außerdem Berichte darüber, dass drei Buchhandlungen, die in der Vergangenheit nominiert worden waren, dieses Jahr als nicht teilnahmeberechtigt eingestuft wurden und zwar durch den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. Als Begründung wurden angeblich „verfassungsschutzrelevante Erkenntnisse“ genannt. Grundlage dafür soll das sogenannte „Haber-Verfahren“ sein, ein ministerieller Erlass aus dem Jahr 2017. Soweit ich gelesen habe, wurde dieses Verfahren im Kulturbereich bisher kaum angewendet und ist rechtlich in der Vergangenheit auch schon kritisch bewertet worden. Für Außenstehende wirkt das alles ziemlich intransparent. Sind da nun Steuergelder in der Vergangenheit falsch ausgezahlt worden oder dieses Mal Teilnehmer zu Unrecht ausgeschlossen worden? Beides zusammen ist nicht möglich.
Der Deutsche Buchhandlungspreis ist für den Börsenverein des Deutschen Buchhandels und für viele Buchhandlungen ein wichtiges Förderinstrument. Gerade deshalb sollte alles darangesetzt werden, Vertrauen zu schaffen: mit klaren Kriterien, offener Kommunikation und nachvollziehbaren Entscheidungswegen. Kulturförderung lebt davon, dass sie fair, transparent und glaubwürdig ist. Im Moment bleibt bei mir und offenbar bei vielen anderen Leserinnen und Lesern leider ein ungutes Gefühl zurück.
Das sehen viele ähnlich:
https://www.boersenblatt.net/news/buchhandel-news/die-ausgezeichneten-buchhandlungen-2025-410873#comments