Besonders kritisch bewerten die Unterzeichnenden Passagen zur Erinnerungskultur: In den einleitenden Teilen des Kulturprogramms werde die bestehende Erinnerungskultur als "Verewigung eines Schuldkomplexes" beschrieben, der die "Möglichkeiten einer stabilen nationalen Identitätsbildung verbaut" habe. Zur "Heilung" dieser "Identitätsstörung" werde eine stärkere Fokussierung auf die "guten Seiten der deutschen Geschichte" gefordert. Damit drohe eine Verschiebung von einer differenzierten, wissenschaftsbasierten Erinnerungskultur hin zu einer selektiven Geschichtsdarstellung, in der die deutsche NS-Vergangenheit systematisch geschönt werde, so die Warnung der Kulturinstitutionen.
Auch für Kulturförderung und künstlerische Praxis sehen die Institutionen Eingriffe: Staatliche Förderung solle an "kulturelle Identität" gebunden, Theater sollten stärker "deutsche Stücke" berücksichtigen. Zudem werde Kulturförderung an nationale Identitätsbildung gekoppelt, als "antideutsch" geltende Kunst ausgeschlossen und kulturelle Bildung auf "kulturelle Identität" ausgerichtet. Selbst Vereine, die Landesförderung beantragen, müssten künftig ein "glaubhaftes Bekenntnis" zu einer "patriotischen Grundhaltung" abgeben.