Welche Entwicklungen haben das Jahr 2025 für die Buchbranche besonders geprägt? Wo konnte der Börsenverein wichtige Akzente setzen?
Die internationale Polykrise, der autokratische Demokratieabbau durch die Trump-Administration und die Fortsetzung der grauenhaften Kriege in der Ukraine, dem Sudan, Gaza und dem Jemen sowie die trotz Regierungswechsels anhaltende Demokratiemüdigkeit in unserem Land steigerten die Unsicherheiten und Unzufriedenheiten in weiten Teilen der Bevölkerung. Kaum ein Tag ohne Nachrichten, die für schlechte Laune und Verdruss sorgten. Unsere Branche bekam all das unmittelbar in Konsumzurückhaltung, fehlender Kund:innenfrequenz, überbordender Bürokratie und unvermindertem Kostendruck zu spüren. Lichtblicke waren die nicht nur auf der Frankfurter Buchmesse deutlich spürbare, fortgesetzte Lesebegeisterung junger Menschen, viele stärkende Veranstaltungen und Begegnungen, die uns zeigten, wie es trotz aller Unbill weitergehen kann und dass sich der Einsatz für unsere vielfältige Demokratie lohnt. Ein wichtiger Erfolg: Kurz vor Jahresende gelang es, unseren Mitgliedsunternehmen viele künftige bürokratische Mühen dadurch zu ersparen, dass im Trilog in Brüssel entschieden wurde, für Druck- und Verlagserzeugnisse eine Bereichsausnahme in der Entwaldungsrichtlinie zu schaffen.
Nach einem Jahr intensiver Diskussionen über KI: Wie hat sich die Haltung der Branche entwickelt und welche konkreten Schritte unternimmt der Börsenverein, um seine Mitglieder bei der verantwortungsvollen Nutzung von KI zu begleiten?
Wir sind uns gemeinsam bewusst, dass KI in der praktischen Anwendung für alle Sparten unserer Branche große Chancen bietet. Als Verband unterstützen wir unsere Mitglieder u.a. durch Webinare und Veranstaltungen für Best Practices, bieten über den Digitalen Wissens-Hub Informationsmöglichkeiten und haben jüngst gemeinsam eine Handreichung zur Entwicklung einer verlagseigenen Haltung im Umgang mit KI veröffentlicht. Wir setzen dabei auf Transparenz statt Pflicht und schaffen somit Aufklärung, ob und gegebenenfalls wie KI zum Einsatz kommt. Nichtsdestotrotz müssen wir auch die demokratiegefährdenden Aspekte der Plattformoligarchie und den gigantischen Diebstahl geistigen Eigentums zum Training der KI-Modelle ansprechen. Daher setzen wir uns auch weiterhin auf zahlreichen Ebenen und im Zusammenschluss mit anderen Playern aus der europäischen Kreativbranche nachdrücklich dafür ein, dass urheberrechtlich geschützte Werke geschützt bleiben und KI-Anwendungen verantwortungsvoll eingesetzt werden.