Im anschließenden Gespräch mit der Journalistin Natascha Freundel schilderte Sansal seine Situation nach der Freilassung:
„Ich bin so glücklich, dass ich jetzt hier in Deutschland bin. Deutschland hat mich befreit, und mich persönlich dadurch ausgezeichnet, mir den Friedenspreis zu verleihen. Das ist etwas ganz Besonderes. Der Friedenspreis hat es mir ermöglicht, dass meine Stimme in der Welt gehört wird. Seit dem Friedenspreis spreche ich mit der ganzen Welt.“
Mit Blick auf seine Haft beschrieb er eine grundlegende rechtliche und persönliche Unsicherheit:
„Ich wusste im Gefängnis gar nicht, wer ich war. Bin ich ein Häftling oder nicht? Bis heute denke ich, dass ich eine Geisel war. Ich wurde aufgrund der Meinungsverschiedenheiten zwischen Algerien und Frankreich festgehalten.“
Sansal betonte mehrfach die Bedeutung innergesellschaftlicher Kritik:
„Wenn man gegen ein Regime kämpft, muss man das wirklich aus dem Inneren des Landes tun. Sich von außen gegen ein Regime zu stellen, ist einfach. Ich kann jetzt wieder sagen, was ich will, aber es hat nicht dieselbe Kraft. Kritik, die aus dem Ausland gebracht wird, kann vom Regime leicht diskreditiert werden.“
Vor diesem Hintergrund erklärte er auch seine Entscheidung, trotz aller Risiken lange in Algerien zu leben und zu arbeiten: „Es gibt Schriftsteller und Schriftstellerinnen in Algerien, die unter Pseudonym publizieren, die versteckt leben. Das ist mir unmöglich, das kann ich nicht akzeptieren, denn man zeigt so keinen Respekt gegenüber seinen Mitbürgerinnen, die ja im Land leben und dort leiden. Man muss mit ihnen gemeinsam leiden.“