Schnuppermitglieder stellen sich vor

Verlagsgründung gegen den Trend

16. März 2026
Redaktion Börsenblatt

Markus Altmeyer arbeitet als Autor, Drehbuchautor - und hat den Kuriositätenverlag gegründet, der 2027 mit seinem ersten Programm erscheint. Warum er sich für eine Schnuppermitgliedschaft im Börsenverein entschieden hat, erläutert er im Kurzinterview.

Markus Altmeyer

Markus Altmeyer

Wobei erhoffen Sie sich Rückendeckung und Unterstützung vom Börsenverein?

Markus Altmeyer: Bereits in meinem Berufsleben als Drehbuchautor habe ich gemerkt, wie wichtig und politisch kraftvoll eine solidarische Vernetzung sein kann. Unabhängige Verlage und Buchhandlungen arbeiten oft mit begrenzten Mitteln, aber mit großer Leidenschaft. Es ist gut zu wissen, dass es einen Verband gibt, der diese Energie bündelt und auch kulturpolitisch sichtbar macht. Persönlich erhoffe ich mir den Austausch mit spannenden Büchermenschen, das Teilen von Erfahrungen und als Neuling in der Branche auch die ein oder andere ganz konkrete Beratung.

Wie sieht Ihre Geschäftsidee, Ihr Geschäftskonzept aus?

Markus Altmeyer: Der Duden definiert eine Kuriosität als "etwas, was merkwürdig ist, vom Üblichen abweicht und deshalb Aufmerksamkeit erregt". Das ist sicher kein schlechter Leitsatz für den Kuriositätenverlag. Der Verlag ist offen für kurze Formen der Prosa, für Novellen, ungewöhnliche Essays und poetologische Reflexionen. Er interessiert sich dagegen weniger für den Mainstream und die Reproduktion normativer Lebenswelten. Ein zentrales Projekt ist die jährlich erscheinende Zeitschrift MELANKOLIE – Zeitschrift für komische Literatur, die literarische Texte versammelt, die mit Humor in den Abgrund blicken. Neben neuen Stimmen sollen auch vergessene oder übersehene Autor:innen wieder sichtbar werden.

Wie schätzen Sie Ihre Chancen auf dem Markt ein? Wo sehen Sie die Stärken Ihres Unternehmens im Wettbewerb?

Markus Altmeyer: Der Buchmarkt ist bekanntermaßen kein Ort für übermäßige Selbstüberschätzung. Die Druckkosten steigen, Kulturförderungen werden gestrichen, die Leserschaft schwindet: Aus ökonomischer Perspektive ist es sicherlich nicht der beste Zeitpunkt, einen Indie-Verlag zu gründen.

Aber ich bin ein Freund des antizyklischen Handelns. Ich gehe immer dann in die Sauna, wenn der Aufguss gerade vorbei ist. Es gehört zur DNA des Kuriositätenverlags, nicht auf das zu schauen, was bereits erfolgreich ist, sondern bewusst abseitige Wege zu gehen. Als Drehbuchautor unterhalte ich mit Hilfe klassischer Erzählmuster ein Millionenpublikum, beim Kuriositätenverlag suche ich eher die neugierige Nische und versuche, mich selbst zu überraschen.

Welche Plattformen für Networking und Erfahrungsaustausch wollen Sie im Verband nutzen?

Markus Altmeyer: Ich bin offen für alles, was der Börsenverein in dieser Hinsicht zu bieten hat. Gerne möchte ich mich in die IG der unabhängigen Verlage einbringen und auch die IG Audiobuch kennenlernen. In diesen Zeiten besonders wichtig finde ich zudem die Arbeit der IG Meinungsfreiheit.

Darüber hinaus interessiert mich natürlich auch der direkte Austausch mit engagierten Buchhändler:innen. Viele Kleinverlage verdanken ihnen ihre Existenz.

Warum möchten Sie zunächst "reinschnuppern" und nicht gleich ordentliches Mitglied werden?

Markus Altmeyer: Tatsächlich hatte ich vor, direkt als ordentliches Mitglied einzusteigen. Dann machten mich die Kolleginnen vom Mitglieder-Service auf die Schnupperoption aufmerksam. Nun schnuppere ich im Gründungsjahr mit großer Neugier in den Börsenverein hinein und bin zuversichtlich, dass sich 2027, wenn dann auch das erste Verlagsprogramm erscheint, die Vollmitgliedschaft anschließen wird.

Weitere Angaben:

Markus B. Altmeyer 
Kuriositäten Verlag

www.kuriositaetenverlag.de