Sie schreiben, dass Bakterien nicht nur überall um uns herum und in uns existieren, sondern uns auch beeinflussen – bis hin zu Stimmung und Verhalten. Wie verändert dieses Wissen unseren Blick auf uns selbst?
Peter Wohlleben: Wir lernen, dass Bakterien keine Bösewichte sind, die auf der anderen Seite des Lebens stehen, sondern dass sie nicht nur unverzichtbar für uns sind, sondern sogar ein Körperbestandteil wie zum Beispiel rote und weiße Blutkörperchen. Sie unterstützen uns, wie etwa die Hautbakterien, die dafür sorgen, dass Wunden schneller heilen. Beseitigt man die Helferchen mit Seife oder Alkohol, so dauern solche Reparaturen unnötig lang.
Auch für Ökosysteme und das Klima spielen Bakterien eine zentrale Rolle. Wo unterschätzen wir ihren Einfluss am meisten?
Peter Wohlleben: Eindeutig beim Thema Klimawandel. Wir wissen, dass Wälder Regenwolken erzeugen, die wiederum wie Gletscher wirken und Sonnenlicht zurück ins Weltall reflektieren. Das hilft, Temperaturen zu dämpfen – im Sommer macht der Unterschied zwischen Wald und Offenland bis zu 20° C aus! Daneben sorgen Bakterien, die von den Blättern aufsteigen, in diesen Wolken für die Bildung von Regentropfen. Das wässert die Wälder, die wiederum mehr Wolken erzeugen können. So bekämpfen Bakterien mit ihren großen Freunden, den Bäumen, die drängendsten Probleme, nämlich Hitze und Trockenheit. Das wird bei den Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels viel zur wenig beachtet.