Buchkäuferinnen

"Hätte ich bei einem Mann genauso gedacht?"

21. Mai 2026
Antonia Neuberger

Wie und warum bewerten wir den Lesestoff von Frauen? Die Begegnung mit einer Kundin lässt unsere Kolumnistin Antonia Neuberger über Misogynie nachdenken. Ihr Rezept gegen eingespielte Denkmuster: Selbstreflexion.

Antonia Neuberger

Antonia Neuberger (Jahrgang 2005) ist Buchhändlerin und schreibt als freie Journalistin für die "Passauer Neue Presse"

"Aaach", seufzt es durch die Buchhandlung. "Wie ich diese Lucinda Riley doch vermisse." Die Kundin mit Einkaufstrolley und Dauerwelle steht plötzlich vor uns. Ich grüße, bekomme ein kurzes Nicken, und schon folgt lauter: "Wie ich diese Riley-Bücher vermisse!" – diesmal ­eindeutig als Gesprächsanstoß. 

Wir sprechen über Söhne, die anders schreiben als ihre Mütter, über Lieblingsautorinnen und natürlich über Bücher. Hier gestehe ich: Ich, Buchhändlerin, habe die berühmte Schwesternserie nie gelesen. Jede Leserin schwärmt davon, ich stehe außen vor.

Innere Misogynie und Vorurteile

Ich denke automatisch: Da steckt bestimmt Romantik drin, nichts allzu Tiefgründiges. Warum eigentlich? Ich, die als Feministin an allen Vorurteilen rüttelt? Vielleicht, weil dieses kleine, leise, abwertende Gefühl so tief in mir steckt. Innere Misogynie heißt das. Wenn wir Frauen unbewusst die ­gleichen Vorurteile übernehmen, die uns selbst kleinhalten.

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