Der Golden Shop in Bremen

"Ich habe das Gefühl, das geht gerade erst so richtig los"

14. März 2026
Sabine Cronau

Hier ist die Subkultur zuhause: Schon die Graffiti-Fassade des Bremer Golden Shop zeigt - Punk ist eben doch nicht tot. Wie geht der Buch- und Plattenladen damit um, nach dem Ausschluss vom Deutschen Buchhandlungspreis im Auge eines öffentlichen Sturms zu stehen? Und was passiert mit den Spenden?

Außenansicht der Buchhandlung Golden Shop in Bremen: politische Graffitis auf gelber Wand

Die drei Buchhandlungen waren in der Vergangenheit in der Kategorie "Hervorragende Buchhandlung" mit dem Deutschen Buchhandlungspreis ausgezeichnet worden: der Golden Shop in den Jahren 2016, 2018, 2021 und 2023. 

Den Golden Shop gibt es seit 2005 im Fehrfeld 4. Für das Literaturhaus Bremen ist der Buchladen, der mit der Golden Press auch einen Verlag betreibt, ein ganz besonderer Ort:

"Mit unterschiedlichen Projekten, Veranstaltungen und eigenen Publikationen hat das Team um Ausma Zvidrina einen eigenen Kosmos geschaffen, in dem Literatur, Graphic Novels und Jugendsubkultur ebenso ihren Platz finden wie Musik und Streetart", heißt es auf der Website des Literaturhauses: "Das Konzept ist mit dem Anspruch verbunden, Leser*innen für Literatur zu gewinnen, die der Mainstream nicht im Blick hat." 

Nicht zuletzt dafür hat die Buchhandlung in der Vergangenheit auch schon viermal den Deutschen Buchhandlungspreis bekommen.

Nun allerdings wurde die Bremer Institution aus dem Kreis der Preisträger 2025 ausgeschlossen - was eine breite Welle der Solidarität ausgelöst hat. So gründete sich, mit Keimzelle in Bremen, das Aktionsbündnis „Lesen Hilft!“, das Spenden für alle drei betroffenen Buchhandlungen sammelt. Auch die 115 Buchhandlungspreisträger, die im Jahrgang 2025 prämiert werden, wollen einen Teil ihrer Preisgelder an das Trio spenden (mehr dazu hier). 

Dass die Spendenaktion der Branchenkolleg:innen schon läuft und über das Sozialwerk abgewickelt wird, hat Golden-Shop-Inhaberin Ausma Zvidrina bis zum Telefonat mit dem Börsenblatt am Freitagnachmittag (13. März) noch gar nicht mitbekommen - weil immer neue Kund:innen in den Laden strömen, ständig weitere Medienanfragen eingehen.

Die Buchhändlerin, die im Auge eines öffentlichen Sturms steht, ist etwas erschöpft von all dem Rummel und gerade auf dem Sprung nach Hause. Doch dann nimmt sie sich doch noch Zeit für ein kurzes Interview, denn die erste Frage findet sie so schön konkret.

Fahren Sie nach Leipzig – trotz oder gerade wegen allem?

Nein, von uns fährt keiner nach Leipzig – wir hatten es nicht vor und haben es auch jetzt nicht vor. Die Einladung so kurz vor der Messe war ja mit Blick auf die Hotelpreise ohnehin schon ziemlich absurd.

Ausma Zvidrina im Golden Shop

Ausma Zvidrina im Golden Shop

Es geht hier nicht um 7.000 oder 15.000 Euro, sondern es geht um so viel mehr – nämlich um die Freiheit von Kunst und Kultur.

Ausma Zvidrina, Golden Shop, Bremen

Die anderen 115 Preisträger haben eine Spendenaktion für Sie und die beiden weiteren ausgeschlossenen Buchhandlungen gestartet. Hilft Ihnen das?

Dass sich die Kolleg:innen solidarisch zeigen und Geld für uns sammeln, ist wirklich eine sehr, sehr nette Geste. Aber ganz ehrlich: Es geht hier nicht um 7.000 oder, wie zu hören ist, in unserem Fall um 15.000 Euro, sondern es geht um so viel mehr – nämlich um die Freiheit von Kunst und Kultur. Dieser Konflikt ist mit Geld nicht aufzulösen.

Wenn die anderen Buchhandlungen etwas von ihrem Preisgeld abgeben möchten, setzt das zwar ein starkes Zeichen der Unterstützung, es kann aber nicht unser Ziel sein. Unser Ziel muss es sein, dass wir drei Ausgeschlossenen unser Preisgeld doch noch bekommen. Es steht uns zu! Deshalb ziehen wir gemeinsam vor Gericht.

Dafür könnten Sie allerdings etwas Geld gut gebrauchen…

Natürlich können uns Spenden dabei helfen, die Anwaltskosten zu schultern. Der Prozess wird sich mit Sicherheit durch mehrere Instanzen ziehen und Jahre dauern. Da kommt einiges zusammen. Ob wir das Geld, das im Buchhandel gerade gesammelt wird, dafür verwenden, kann ich im Moment noch nicht sagen. Da würde ich mich gerne mit den anderen Kolleg:innen in Berlin und Göttingen abstimmen.

Fest steht: Ich finde die vielen kreativen Ideen, mit denen uns die gesamte Branche, aber auch unsere Kund:innen in Bremen in dieser Situation unterstützen, einfach unglaublich. Ich habe das Gefühl, das geht gerade erst so richtig los.

Buchladen mit starker Community

Dass der Golden Shop von einer starken Community getragen wird, hat sich schon 2020 gezeigt: Damals sollte die Immobilie, in der Buchhandlung und Verlag zuhause sind, verkauft werden. Im Rahmen einer Solidaritätskampagne mit weiteren Mietern und 120 privaten Geldgebern, die eine Summe von 400.000 Euro aufbrachten, wurde das Haus am Ende gemeinschaftlich von der "Golden Home GmbH" erworben.

Das Konzept Linksextremismus

Weil derzeit so viele Anfragen eingehen, nimmt der Golden Shop auf seiner Webseite zum Vorgang rund um den Deutschen Buchhandlungspreis Stellung. Dort heißt es unter anderem:

"Das Konzept `Linksextremismus´ weisen wir grundsätzlich zurück. Die Extremismustheorie des Verfassungsschutzes setzt menschenverachtende Ideologien wie Neonazismus oder Islamismus mit emanzipatorischen Positionen – etwa antikapitalistischen oder antirassistischen – implizit gleich. Dass eine Buchhandlung mit mehreren tausend Titeln im Sortiment, darunter Musikbücher, Belletristik großer deutscher Verlage, Ausstellungskataloge und vielem mehr, pauschal einer politischen Strömung zugeordnet werden soll, ist für uns nicht nachvollziehbar.

Ja, der Golden Shop fühlt sich vielen Subkulturen verbunden, darunter auch Menschen und politischen Gruppen, die bedrohte Minderheiten vor Nazis schützen oder sich für eine gerechtere Gesellschaft einsetzen. Wir sind überzeugt: Diese Menschen und Gruppen stehen fest auf dem Boden demokratischer Werte."

Zum ausführlichen Statement geht es hier.