Kinder- und Jugendbuch

Jeden Monat fünf Neue

31. März 2026
Redaktion Börsenblatt

Die "Zeit" startet im April einen neuen Kinder- und Jugendbuchpreis – Basis ist eine monatliche Bestenliste. Im Gespräch erläutert "Zeit"-Redakteurin Katrin Hörnlein die Hintergründe und welche Rolle eine Kinderjury dabei spielt. Dazu gibt's die erste Bestenliste für April.

Katrin Hörnlein vor grauem Hintergrund

"Zeit"-Redakteurin Katrin Hörnlein

Nach 40 Jahren ist der Luchs von "Zeit" und Radio Bremen Geschichte. Jetzt soll es eine neue Form von Buch-Empfehlungen für Jüngere geben: Wie sieht die aus?

Katrin Hörnlein: Wir bauen unser Engagement in dieser Sparte aus und bieten Büchern für junge Leserinnen und Leser in der "Zeit" eine große Bühne – in der gedruckten Ausgabe und online. Von April an veröffentlichen wir immer am ersten Donnerstag eines Monats eine Bestenliste mit fünf neuen Kinder- und Jugendbüchern in der "Zeit", die Rezensionen dazu gibt es online. Anders als in manch anderer Bestenliste werden die fünf Titel nur ein Mal auftauchen. Es gibt also jeden Monat fünf neue Titel.

Wo werden die Leser:innen die fünf Besten des Monats finden?

Katrin Hörnlein: In der gedruckten Zeitung werden die fünf Cover nebst bibliografischen Angaben zu finden sein; die Rezensionen dazu gibt es online. Unter www.zeit.de/kinderbuchpreis wächst auf diese Weise eine Sammlung oder ein Archiv an empfehlenswerten Kinder- und Jugendbüchern. Die Bestenlisten verbreiten wir zusätzlich über drei Newsletter: den Was-wir-lesen-Newsletter für unsere Literaturcommunity, den Familien-Newsletter für alle Eltern, Großeltern, Tanten und Onkel, die nach Büchern suchen, sowie den Zeit für die Schule-Newsletter, über den wir Multiplikatoren aus dem Bildungssektor erreichen. Auf der monatlichen Kinder- und Jugendbuch-Seite in der "Zeit" bleibt durch diese Verzahnung mehr Platz für weitere Themen – etwa Interviews, Recherche- oder Themenstücke.

Für welches Alter sind die Bücher? Und: Wer entscheidet?

Katrin Hörnlein: Wir schauen die gesamte Bandbreite der KJL an – vom Pappbilderbuch, über Sachbücher bis zum Jugendroman. Für die Bestenliste stimmen 20 "Zeit"-Redakteur:innen aus unterschiedlichen Ressorts ab. Etwa die Hälfte ist mit dem Feuilleton bzw. der Literatur verbunden. Die übrigen sind aus Ressorts wie Bildung, Familie, Geschichte, Wissen, aber auch aus dem Digital-Ressort, dem Entdecken und dem "ZEITmagazin". Wir möchten einen möglichst vielfältigen Blick auf die Literatur haben sowie von vornherein Expertise zu einzelnen Themenfeldern – etwa Jugendbüchern zum Thema NS – mitdenken.

Wie muss ich mir die Juryarbeit vorstellen: Alle suchen Titel, schlagen vor, lesen alles? Den Überblick über jährlich rund 7.000 neue Kinderbücher bekommt man ja nicht so nebenbei ..

Katrin Hörnlein: Es kann natürlich keine Jury alle Neuerscheinungen lesen. Das ist ja auch zum Glück nicht nötig, wenn man allein an die große Zahl von Reihenfortsetzungen in der Kinder- und Jugendliteratur denkt. Wir sichten in der Redaktion mehrere Hundert Titel aus dem Frühjahrs- und dem Herbst-Programm und stellen jeden Monat eine Liste von zehn bis 20 Titel zusammen, über die abgestimmt wird. Als verantwortliche Redakteurin für die Kinder- und Jugendliteratur bei der "Zeit" koordiniere ich diese Arbeit: Ich sichte, was uns in der Redaktion erreicht, beobachte, welche Titel gerade breiter diskutiert werden, sammle Vorschläge von den Verlagen und natürlich auch den Kollegen. Das Lesen und Bewerten läuft dann zum Großteil digital über PDFs und ein Votingtool, wir stellen immer aber auch die gedruckten Bücher zur Verfügung.

Wohin können die Verlage ihre Vorschläge für die Auswahlliste schicken?

Katrin Hörnlein: Wir sind seit vielen Jahren in gutem und engem Austausch mit den Verlagen und Presseagenturen. Diese gewohnten Wege bleiben selbstverständlich erhalten. Zusätzlich haben wir neu die E-Mail-Adresse kjl@zeit.de eingerichtet, über die gern digitale Fahnen eingesandt werden können. Alles, was die Redaktion erreicht, sichten wir. Einzelnes Feedback zu den Titeln werden wir aber nicht geben können. Da bitten wir im Verständnis.

Wie hängen die Bestenlisten mit dem neuen "ZEIT Kinder- und Jugendbuchpreis" zusammen?

Katrin Hörnlein: Sie sind die Basis unseres neuen Preises. Wir wollen einmal im Jahr ein herausragendes Buch für junge Leser:innen auszeichnen. Dafür werden wir im Herbst aus allen Bestenlisten-Büchern eine Shortlist erstellen, über die dann eine Fach- und Kritikerjury diskutiert und den Gewinner kürt. Den werden wir voraussichtlich im Januar bekanntgeben, die Preisverleihung ist in Leipzig im Umfeld der Buchmesse geplant. Dort wird, das ist ebenfalls neu, ergänzend ein zweiter Preis vergeben – und zwar von einer Kinderjury für das in ihren Augen beste Kinderbuch des Jahres.

Wie setzt sich diese Kinderjury zusammen?

Katrin Hörnlein: Literatur ist nicht nur Teil der "Zeit"-DNA, sondern auch der von "Zeit Leo", unserem zweimonatlich erscheinenden Kindermagazin. Im vergangenen November haben wir einen noch stärkeren Fokus auf Leseförderung gelegt und zum Beispiel eine achtseitige Kurzgeschichte etabliert sowie eine exklusive Comic-Kolumne zu "Gregs Tagebuch" in jeder Ausgabe. Schon seit der ersten Ausgabe im Jahr 2011 arbeiten wir mit Kinderkritikern, die Bücher bewerten. In der Mai- und der Juli-Ausgabe von "Zeit Leo" rufen wir unsere Leser:innen auf, sich für die Buchpreis-Jury zu bewerben. Die soll im Januar in Präsenz in Hamburg tagen.

Sieht nach einer Menge Arbeit aus …

Ja, das stimmt. Aber es ist eine Arbeit, die ich sehr gerne mache, um Kinder- und Jugendliteratur noch stärker ins Rampenlicht zu rücken.

"Zeit" Kinder- und Jugendbuch: Bestenliste für April

  1. Elin Lindell: "12 Süßigkeiten und 2 Todesfälle", Klett Kinderbuch, Kinderroman, ab 8
  2. Amani Padda: "Bevor der Himmel reißt", Arctis, Jugendroman, ab 14
  3. Matthew Diffee: "Zipp Zapp Wiggedi Wagg", Moritz Verlag, Bilderbuch, ab 3
  4. Jenny Boidol: "Bunt ist die Welt", Carlsen, Sachbuch, ab 6
  5. David Duff, Noemi Vola: "Erde nervt! Und Mond haut ab", von Hacht, Sach-Bilderbuch, ab 4