Buchhändler Veit Hoffmann analysiert die Lage der Branche
Vom Ende der Solidarität
15. Januar 2024
Nur noch sehr wenige in der Branche haben Geld und können Solidarität üben: Das beobachtet Buchhändler Veit Hoffmann. Hier analysiert er schonungslos die Situation.
Aber unabhängig davon ist es nun einmal so, dass die durchschnittliche Entwicklung der Ladenpreise der letzten 25 Jahre weit hinter der Inflationsrate liegt. Und genau das ist das Problem unserer Brache.
Bei den Preisen haben Sie natürlich recht. Der Trend muss zu hochwertigen Ausgaben gehen, die man sich gerne als Schmuck ins Regal stellt. Aber auch die Klassiker-Ausgaben für den Schulunterricht darf 14,00 Euro kosten.
Meines Erachtens fehlt es an mutigen Verlagen, welche eine Vorreiterrolle übernehmen, indem sie beispielsweise die eigenen Verkaufspreise und Ihre Rabattstruktur überdenken und an die neuen Anforderungen für ein Überleben der gesamten Branche anpassen. So könnte diese Verlage eine Basis schaffen, welche dann von anderen Verlagen übernommen werden kann...
Ein kleiner Auszug:
1999 lag der – vom Kunden akzeptierte – Preis für ein Hardcover bei 45 D-Mark, das Taschenbuch kostete 18,80 D-Mark. Bei der Umstellung auf den Euro wurden die Bücherpreise abgesenkt, Taschenbücher im Schnitt auf 9,99 Euro und Hardcover auf etwa 20 Euro. Wir Verlage haben es schlicht versäumt, die Preise entsprechend anzupassen.
Hinweis unsererseits darauf , dass die Preise unbedingt deutlich raufmüssen!
Hinweis unsererseits darauf, was zum Beispiel bei Kein & Aber, Diogenes oder Kampa möglich ist.
Antwort des Verlagsvertreters: „Ach ja, die Schweizer“ - als wenn dies eine plausible Begründung für was auch immer sei und obwohl deren Preispolitik ja tatsächlich funktioniert.
Ach, Herr Hoffmann,
Sie haben für Ihren Beitrag meine vollste Zustimmung, Iris Hunscheid mit deren Beitrag ebenso. Aber offensichtlich muss von Basel aus noch viel Wasser den Rhein Richtung Nordsee laufen, bis die oben beschriebene Denkweise vieler deutscher Verlagen tatsächlich ein Ende findet.
Jens Bartsch – Buchhandlung Goltsteinstraße in Köln