Die zweite Frage betrifft meine Kundschaft. Bisher habe ich die Tür für alle offen gehalten und, von wenigen Ausnahmen abgesehen, alle gewünschten Bücher bestellt – wenn auch mit Bauchschmerzen. Ich wollte den Gesprächsfaden nicht abreißen lassen und fühle mich der Meinungsfreiheit verpflichtet.
Jetzt frage ich mich: Ist das eigentlich richtig? Will ich Bücher, die meiner Meinung nach Hass und sozialen Unfrieden befördern, nach dieser Erfahrung weiterhin bestellen? Nach welchen Maßstäben entscheide ich sowas und könnten wir so etwas überhaupt leisten?
Die Freiheit des Wortes ist ein hohes Gut. Deshalb trifft die notwendige Diskussion über ihre Bedeutung und ihre Grenzen den Buchhandel an einer sehr empfindlichen Stelle. Und deshalb kann ich auch nicht so recht glauben, dass der Shitstorm gegen den Vorlesewettbewerb Zufall war.
Was ich gelernt habe: Wir alle in der Branche müssen uns professionalisieren im Umgang mit der rechtsextremen Szene. Denn die ist leider gut organisiert und verbreitet ihre Hassbotschaften immer schneller und zielgerichteter.
Wir müssen uns schulen lassen, um uns und andere vor dieser geballten Hetze zu schützen. Die Regionalgeschäftsstelle NRW des Börsenvereins bietet am 8. April ein Parolen- und Kommunikationstraining in Bonn an - zusammen mit der Bundeszentrale für politische Bildung. Daran werde ich auf jeden Fall teilnehmen.
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