Das Buchbranchen-Update

Buchmesse ohne Halle 6 ++ Umsatzminus im Buchmarkt ++ Sonntagsöffnung im Handel?

13. Juli 2026
Redaktion Börsenblatt

Die Nachlese mit den Themen aus KW 28: Die Frankfurter Buchmesse plant kurzfristig ohne Halle 6, und die aktuellen Branchenzahlen zeigen ein Umsatzminus sowie deutlich weniger Buchkäufer:innen. Außerdem viele weitere Meldungen aus der Buchbranche.

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Die Nachlese erscheint jeden Montag

Frankfurter Buchmesse ohne Halle 6

Die Frankfurter Buchmesse zieht die Reißleine und plant in diesem Jahr ohne Halle 6. Grund sind bauliche Prüfungen der Messe Frankfurt. Abschließende Ergebnisse liegen zwar noch nicht vor. Für die Buchmesse ist das Risiko aber offenbar zu groß. Sie will jetzt Planungssicherheit schaffen, für Aussteller, Besucher:innen und alle, die an der Messe mitarbeiten. Der Wegfall der Halle bedeutet allerdings erneutes massives Stühlerücken. Denn das Hallenkonzept war ohnehin schon neu sortiert worden. Jetzt muss daran noch einmal gerüttelt werden.

Internationale Aussteller aus Halle 6.1 und 6.2 ziehen in Halle 4.2. Das Literary Agents and Scouts Centre und das Publishers Rights Centre wechseln in Halle 1.2, direkt an den Eingang City. Aussteller aus Halle 6.0 kommen in die Festhalle. Auch das Comics Business Centre und die Workstation werden verlegt. Für Aussteller, Hallenbauer und Agent:innen bedeutet das zusätzliche Arbeit. Womöglich entstehen auch Mehrkosten. Juergen Boos sagt, die Messe prüfe das und werde direkt mit den betroffenen Ausstellern sprechen. Sein Versprechen: Es sollen keine Nachteile entstehen. Das ist eine klare Ansage. Aber bis Oktober wird Frankfurt damit noch einmal sehr konkret zur Baustelle der Branche. Ob sich das neue Hallenkonzept bewährt, wird sich bei der Feuertaufe im Herbst zeigen. Prinzipiell leuchtet das Grundprinzip dem Gros der Ausstellenden aber ein, das Fachpublikum eher auf den oberen Etagen spielen zu lassen und die Literaturfans auf und um den Innenhof zu führen. Wir sind auf jeden Fall schon sehr gespannt!

Branchenzahlen zum Buchmarkt 2025

Die offiziellen Branchenzahlen liegen vor. Und sie zeigen ziemlich klar, wo es im Buchmarkt gerade hakt. Die Buchbranche hat das vergangene Jahr mit einem Umsatzminus abgeschlossen. Insgesamt wurden 9,6 Milliarden Euro umgesetzt. Das sind 2,7 Prozent weniger als im Jahr davor. Besonders bitter: Es fehlen Käufer:innen. Ihre Zahl ging um 4,9 Prozent zurück. Bei den 10- bis 15-Jährigen ist der Rückgang besonders stark. In dieser Gruppe gab es 30,6 Prozent weniger Buchkäufer:innen. Auch ihre Ausgaben für Bücher sind deutlich gesunken. Der Börsenverein sieht darin ein klares Warnsignal. Vorsteher Sebastian Guggolz spricht von jahrzehntelangen Versäumnissen in der Bildungspolitik. Die sinkende Lesekompetenz schlägt inzwischen direkt im Markt ein. Auch der stationäre Buchhandel spürt das. Der Sortimentsbuchhandel kam auf 3,9 Milliarden Euro Umsatz. Das sind 3,7 Prozent weniger als zuvor. Das Onlinegeschäft blieb fast stabil, aber eben auch ohne echtes Wachstum.

Dazu kommen schwache Konjunktur, verunsicherte Verbraucher:innen und mehr Bürokratie. Geschäftsführer Peter Kraus vom Cleff sagt, all das erhöhe den Kostendruck für Buchhandlungen und Verlage noch einmal. Und der Start ins laufende Jahr macht wenig Hoffnung auf schnelle Entspannung. Denn das erste Halbjahr hat der Verband schon ausgewertet. Die Umsätze lagen in den zentralen Vertriebswegen erneut im Minus. Fazit: Die Branche hat nicht nur ein Kostenproblem. Sie hat ein Leser:innenproblem – und rasche Änderungen sind nicht in Sicht.

Buchhandel

Die Hamburger Buchhandlung Wassermann aus Blankenese eröffnet im Oktober einen zweiten Laden. Und zwar in Eppendorf, in der Erikastraße. Interessant ist, wie genau die Standortfrage entschieden wurde. Die Geschäftsführer Pascal Mathéus und Florian Wernicke wollten schon länger einen zweiten Laden. Übernahmen waren im Gespräch, scheiterten aber an zu hohen Kosten. Also bauen sie jetzt lieber etwas Eigenes auf. Der neue Laden zieht in eine ehemalige Galerie. Rund 60 Quadratmeter Verkaufsfläche stehen zur Verfügung. Die Lage ist ziemlich genau das, was man im Buchhandel gern hätte: ein bürgerliches Viertel mit kaufkräftigem Publikum, dazu viel Laufkundschaft. Direkt drumherum liegen ein Café, eine Eisdiele, ein Käseladen, eine Fischhandlung, ein Plattenladen, ein Späti und ein Dönerladen. Kurz: kein Einkaufszentrum, sondern ein echter Kiez. Auch die nächste Buchhandlung ist zwar nicht weit weg, liegt laut Mathéus aber schon in einem anderen Umfeld. Für Wassermann bleibt Blankenese die Basis. In Eppendorf entsteht nun ein allgemeines Sortiment. Für den zweiten Laden wurden außerdem anderthalb neue Stellen geschaffen.


Die Bundesregierung hat angekündigt, die Sonntagsöffnungszeiten für Bäckereien und Konditoreien verlängern zu wollen. Nun fordern einzelne Handelsverbände, für alle Einzelhändler die Öffnung an Sonntagen zu erlauben. Würden Sie Ihre Buchhandlung sonntags öffnen? Auf boersenblatt.net gibt's eine Umfrage zum Thema. Wir freuen uns, wenn ihr mitabstimmt.

Preise

Der Alfred Kröner Verlag erhält den Verlagspreis Literatur des Landes Baden-Württemberg. Die Auszeichnung ist mit 12.500 Euro dotiert und wird im September in Bad Mergentheim verliehen. Die Jury würdigt den Verlag für seinen besonderen Umgang mit Tradition und Innovation. Er trage das Alte weiter und bringe zugleich Neues in die Welt.

Christine Wunnicke erhält den Georg-Büchner-Preis. Die mit 50.000 Euro dotierte Auszeichnung wird im Oktober in Darmstadt überreicht. Die Jury lobt ihr überraschendes Erzählwerk, ihren subtilen Sprachwitz und den genauen Blick auf Wissenschafts- und Kolonialgeschichte. Wunnicke war zuletzt mit "Wachs" für den Deutschen Buchpreis nominiert.
Der Erich Fried Preis geht an Fiston Mujila. Der aus dem Kongo stammende Autor lebt in Graz und schreibt Lyrik, Prosa und Theaterstücke, meist auf Französisch. Die Auszeichnung ist mit 15.000 Euro dotiert. Verliehen wird sie im November im Literaturhaus Wien.

Und sonst?

genialokal startet die Kampagne "Bücher können mehr!" und ruft zum Mitmachen auf. Nicht nur Buchhändler:innen, Autor:innen und Verlagsleute sind gefragt, sondern auch Blogger:innen und Leser:innen. Wer Lust hat, dreht ein kurzes Video darüber, was Bücher alles können. Zu sehen sind die Beiträge auf dem Instagram-Kanal von genialokal. Die Aktion soll auch ein Zeichen für den unabhängigen Buchhandel setzen.


Das Kinder- und Jugendbuchfestival "Stadt Land Buch" hat bei seiner zweiten Ausgabe rund 6.600 Besucher:innen erreicht. In Frankfurt und der Rhein-Main-Region gab es 106 Veranstaltungen an 70 Orten. Die Veranstalter ziehen eine positive Bilanz. Festivalleiter Benno Hennig von Lange sieht vor allem die Leseförderung gestärkt. Unter anderem wurden Profis aus Kultur und Leseförderung mit politischen Entscheider:innen zusammengebracht.

Kurz notiert

Initiativen für Exil-Literatur können sich bis 7. September für den Folker Skulima-Preis bewerben oder vorgeschlagen werden. Die Kunststiftung Folker Skulima vergibt die mit 20.000 Euro dotierte Auszeichnung im November in Berlin.


Das Bundeskartellamt hat die geplante Übernahme von Springer Nature durch die Mediengruppe Holtzbrinck freigegeben. Auch dem Mehrheitserwerb von Steiff durch Ravensburger wurde zugestimmt.