Das Buchbranchen-Update

Buhrufe für Weimer auf der Buchmesse ++ KI und Autoren ++ Buchhandlungspreise vergeben

24. März 2026
Redaktion Börsenblatt

Kulturstaatsminister Weimer hat auf der Buchmesse Widerstand erfahren - statt Diskurs setzte er vor allem auf Abwesenheit. Die Hauptpreise beim Deutschen Buchhandlungspreis wurden wenig feierlich postalisch verkündet - manche Spitzenpreisträger erfuhren es über Instagram. BoD-Umfrage: Schon jede zweite Autorin und jeder zweite Autor nutzt inzwischen KI-Tools beim Schreiben.

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Buh-Rufe für Weimer

Herzlich willkommen zu deinem Buchbranchen-Update. Diese Woche mit Kai-Uwe Vogt. Diese Woche mit folgenden Themen: die Leipziger Buchmesse ist zu Ende gegangen, die Hauptpreise beim Deutschen Buchhandlungspreis wurden vergeben und eine BoD-Umfrage zeigt: Jeder zweite Autor nutzt Künstliche Intelligenz beim Schreiben. Los geht’s.

Die Leipziger Buchmesse ist am Sonntag zu Ende gegangen. Die Besucherzahlen waren gut, zahlreiche Preise wurden vergeben. Das Medieninteresse war selten so groß: Das hat die Branche dem Ausspähskandal beim deutschen Buchhandlungspreis zu verdanken. Während eine Pressesprecherin von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer noch am Freitag vor der Messe dem Börsenblatt mitteilte, der Minister plane alle Termine wahrzunehmen, wurde kurz darauf bekannt, dass Weimer nicht nur den traditionellen Messerundgang gecancelt hatte, auch sein mit Spannung erwarteter Auftritt am Messedonnerstag bei der Deutschen Nationalbibliothek wurde kurzerhand gestrichen.

Am Abend folgte dann die doppelte Rolle rückwärts, der Minister trat überraschenderweise doch auf.

 Weimer hatte zunächst angekündigt, den geplanten Erweiterungsbau der DNB stoppen zu wollen. Unterton: die DNB möge sich gefälligst digitaler und zeitgemäßer aufstellen. Nach öffentlicher Kritik ruderte Weimer zurück und kündigte ein Memorandum an. Ansonsten blieb es dann bei einem kurzen Auftritt zur Messe Eröffnung im Gewandhaus. Eine Begegnung mit den rund 100 Demonstrierenden vor dem Gebäude vermied der Minister dabei. Auf der Bühne musste er sich für seine Haltung scharfe Kritik gefallen lassen, aus dem Publikum war neben zurückhaltendem Applaus immer wieder laute Buhrufe zu hören. Weimer verteidigte seine Linie ähnlich wie kurz zuvor im Kulturausschuss, wo er sich hinter der Geheimhaltung des Verfassungsschutzes und betonte, er habe selbst keine Ahnung, über welche konkreten Erkenntnisse der Verfassungsschutz gegen die ausgeschlossenen Buchhandlungen verfügen soll. Börsenvereinsvorsteher Sebastian Guggolz ist dies zu wenig, wie er gegenüber der Tagesschau betonte. Er forderte erneut Aufklärung statt Phrasen.

"Extremisten"-Aussage: Unterlassungserklärung von Weimer gefordert

Dass Weimer die ausgeschlossenen Buchhandlungen in einem Interview mit der "Zeit" vom 18. März als "Extremisten" bezeichnet hatte, hat jetzt ein juristisches Nachspiel: die Anwälte der Buchladen der Golden Shop, Rote Straße, und zur schwankenden Weltkugel forderten eine Unterlassungserklärung des Ministers und wollen seine Behörde darüber hinaus zwingen, sämtliche Protokolle, Notizen und Chatverläufe vorzulegen, die die Auswahl, den Ausschluss vom Preis und Weimers Aussage in der "ZEIT" begründen.

Hanser-Verleger Jo Lendle hatte die vom Kulturstaatsminister kurzfristig ausgeladenen Buchhändler:innen in die Schaubühne Lindenfels eingeladen. Lendle hatte Grußbotschaften der vorigen Kulturstaatsministerinnen Claudia Roth und Monika Grütters dabei. Auch der Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Kultur und Medien Sven Lehmann ergriff das Wort. Auf einer Feierstunde des Börsenvereins waren außerdem Videobotschaften aus den drei Buchläden zu sehen. Der Verband hat angekündigt, sich an den Prozesskosten der Buchhandlungen zu beteiligen.

Viele fragen sich, wie es nun mit dem Deutschen Buchhandlungspreis weitergeht. Weimer hat in Leipzig aufgerufen, den kommenden Buchhandlungspreis mit Börsenverein, Kurt-Wolff-Stiftung und anderen Stakeholdern neu zu beleben und – Zitat "ihn vielleicht um einen Kinder- und Jugendbuchhandlungspreis zu ergänzen", das stimmte viele ratlos, denn bei vielen ausgezeichneten Buchläden handelt es sich ja um Kinderbuchläden oder gibt es große Abteilungen. Dass die von Weimer mehrfach düpierte Jury übrigens noch im Amt ist und hier erneut übergangen wurde, ist eine von vielen Randnotizen des Vorgangs.

Am Freitagnachmittag wurden dann sehr überraschend und vollkommen glanzlos die Hauptpreisträger bekanntgegeben.  Die drei besten Buchhandlungen sind:

  • Aegis Buchhandlung, Ulm
  • Kinderbuchladen Serifee, Leipzig
  • Prinz Eisenherz Buchladen, Berlin

Außerdem, und auch das überraschte, wurden 5 Besonders herausragende Buchhandlung bekanntgegeben.

  • Buchhandlung im Alten Rathaus, Damme
  • Buchladen Ostertor, Bremen
  • Der Esel auf dem Dach, Wittenberg
  • InterKontinental, Berlin
  • Lyrikhandlung am Hölderlinturm, Tübingen

Wenig stilvoll und feierlich: Einige Preisträger haben erst auf Instagram davon erfahren. Hauptpreisträger Rasmus Schöll von den Aegis Buchhandlungen forderte in einer Reaktion auf die Eingriffe Weimers in die Preisvergabe Transparenz über die Erkenntnisse des Geheimdienstes und den Rücktritt des Ministers.  

Was sonst auf der Leipziger Buchmesse los war, welche Preise vergeben wurden und viele Eindrücke und Zusammenfassungen spannender Begegnungen haben wir auf boersenblatt.net versammelt.

BoD-Umfrage: Jeder zweite Autor nutzt KI (aber nicht zum Schreiben)

Eine aktuelle Umfrage von Books on Demand (BoD) unter rund 3.700 Autorinnen und Autoren hat ergeben, dass die Nutzung von Künstlicher Intelligenz im Schreibprozess stark zugenommen hat. Gleichzeitig wächst aber auch die Skepsis gegenüber der Qualität der Ergebnisse.

Hier die zentralen Punkte:

  • Kernaussage: Im Jahr 2025 nutzt bereits jede zweite Autorin bzw. jeder zweite Autor KI-Tools – vor allem als Hilfsmittel für die Recherche.
  • Die wichtigsten Fakten:
    • Die Nutzung von KI-Tools ist von 37 Prozent im Jahr 2024 auf 52 Prozent im Jahr 2025 gestiegen.
    • Die tägliche Nutzung hat sich mehr als verdoppelt.
    • Am häufigsten wird KI für Recherche, Ideenfindung und das Korrektorat eingesetzt.
    • Die direkte Textgenerierung durch KI ist hingegen rückläufig.
    • Die Sorge um die Qualität von KI-generierten Texten und Bildern nimmt zu.
  • Marko Kuck, der Geschäftsführer von BoD, fasst zusammen: „KI ersetzt nicht das kreative Schreiben. Für die Mehrheit der Autor:innen sind KI-Tools vorrangig praktische Werkzeuge, die sie unterstützend bei der Entstehung und auch Vermarktung ihrer Bücher einsetzen können.“

Verlage

Dazu hat es in der Vergangenheit verschiedene Anläufe gegeben. In Leipzig hat Bastei Lübbe nun eine neue Idee präsentiert: Shelfie.audio sind handtellergroße Aufsteller im Buchformat mit Cover. Dazu gehört eine eigens entwickelte App, die das entsprechende Hörbuch nach dem Scannen des NFC-Chips freischaltet. Bastei Lübbe startet mit 30 Bestsellern und arbeitet zunächst exklusiv mit Thalia zusammen. Nach einer neunmonatigen Testphase will der Verlag die Lösung für andere Partner zugänglich machen. Der UVP der Titel liegt bei krummen 16,99 Euro.

Mit DK deep erweitert der DK Verlag sein Programm um das erzählende Sachbuch. Die ersten sechs Titel erscheinen im September. Das ganze ist ein Mix aus Lizenzen und Originalinhalten aus den Bereichen Gesellschaft, Wissenschaft, Gesundheit und Psychologie.

Drehbuchautor Markus Altmeyer hat den Kuriositätenverlag gegründet, der 2027 mit seinem ersten Programm erscheint. Inhaltlich soll es nicht um Mainstream, sondern Kurzprosa und Essayistik gehen. Ein Interview mit Markus Altmeyer gibt's auf boersenblatt.net zu lesen.

Nach einem Jahr als Stratege bei Thalia wechselt Frank Sambeth im Frühsommer zum Carlsen Verlag. Dort wird er die kaufmännische Geschäftsführung übernehmen. Er folgt bei Carlsen auf Joachim Kaufmann, der wie bereits gemeldet als neuer Direktor zur Frankfurter Buchmesse wechselt.

Börsenverein

Die Zukunft des ContentShift Accelerators für Start-ups in der Publishing-Industrie ist gesichert: Nach einer einjährigen Pause übernimmt der Börsenverein Baden-Württemberg vom Hauptverband und führt das Innovationsprogramm fort. Das machen Fördermittel des Wirtschaftsministeriums Baden-Württemberg und der die Landeskampagne Start-up BW möglich. Bewerbungen sind bis 30. April möglich. Das Herzstück von CONTENTshift bildet das dreimonatige Mentoring für sechs der zehn ausgewählten Start-ups. Für eines der Unternehmen winkt der mit 10.000 Euro dotierte CONTENTShift Award 2026, der auf der Frankfurter Buchmesse vergeben wird.

Und sonst?

Der Börsenblatt Young Excellence Award geht in eine neue Runde: Mutige und kreative Fachkräfte bis 35 Jahren können sich ab sofort bewerben oder vorgeschlagen werden. Und zwar einfach per Mail an boersenblatt@mvb-online.de . Eine Jury wählt 10 Nominierte aus, die ausführlich im Börsenblatt vorgestellt werden. Ein Onlinevoting entscheidet, wer mit dem Award ausgezeichnet wird.

Kurz notiert

  • Die VVA übernimmt ab dem 1. Juni die Auslieferung des gesamten Printprogramms von Cross Cult Entertainment in Deutschland.
  • Zum zweiten Mal verleihen die BücherFrauen die Auszeichnung "5 to Watch". Ausgezeichnet werden: Lizenzleiterin Elisa Diallo, Verlegerin Harriet Dohmeyer, Autorin und Moderatorin Oliwia Hälterlein, Illustratorin Comic-Autorin Roya Soraya sowie die zoraLit Genossenschaft.

Noch ein paar Termine für eure Kalender:

  • Die E-Learning-Community trifft sich vom 5. bis 7. Mai bei der Learntec auf der Messe Karlsruhe zum Networking und Erfahrungsaustausch.
  • Vom 19. Bis 22. Mai findet in Berlin die BiblioCon statt.
  • Am 11. und 12. Juni lädt der Börsenverein seine Mitglieder und Interessierte zu den Fokustagen nach Frankfurt am Main ein. Das sind die Jahrestagungen der Interessengruppen Digital, Nachhaltigkeit sowie Ratgeber und Reise.