Das Buchbranchen-Update

Die Nachlese: HarperCollins verzichtet auf Buchmesse

27. April 2026
Redaktion Börsenblatt

In dieser Nachlese: Warum HarperCollins auf einen Stand auf der Frankfurter Buchmesse verzichtet, wie sich das Partnermodell von Hugendubel weiterentwickeln soll – und wie der Global Book Crawl war.

Nachlese Podcast-Cover (Mock-up)

Die Nachlese erscheint jeden Montag

HarperCollins steckt Geld in den Buchhandel statt in einen eigenen Stand auf der Frankfurter Buchmesse. Die Verlagsgruppe hat angekündigt, im Oktober als Ausstellerin in Frankfurt zu verzichten. Dahinter steht auch Kritik an der Neuausrichtung der Messe und der neuen Hallenstruktur. Das gesparte Geld soll stattdessen direkt in den unabhängigen Buchhandel fließen. Geplant sind regionale Werbekampagnen und Veranstaltungen vor Ort.

Dazu kommt ein neues Stipendium. Dafür stellt HarperCollins jedes Jahr 25.000 Euro bereit. Unterstützt werden zehn kleine und mittelständische Buchhandlungen, wenn sie Auszubildende nach dem Abschluss fest übernehmen. Das Geld ist für Weiterbildung und Qualifizierung gedacht.

Und noch ein Baustein kommt dazu: Einmal im Jahr sollen 10.000 Euro an eine Buchhändlerin oder einen Buchhändler gehen, für den Schritt in die Selbstständigkeit. Also für eine Übernahme oder eine Neueröffnung.

Die Ankündigung dürfte polarisieren: als Kritik an der Messe, aber auch als ziemlich konkretes Bekenntnis zum stationären Buchhandel. Wir bleiben am Thema dran!

Hugendubel stellt Partnermodell vor

Im Interview mit dem "Börsenblatt" hat Hugendubel sein Partnermodell erstmals genauer vorgestellt. Gemeint ist ein Angebot für unabhängige Buchhandlungen, die Aufgaben wie Logistik, Einkauf oder andere standardisierbare Prozesse bündeln wollen.

Nina und Maximilian Hugendubel sagen, viele Läden stünden unter wachsendem Kostendruck und müssten immer mehr parallel leisten. Genau da setze das Modell an. Aggressiv auf Partnerfang gehen wolle man nicht. Aber die Branche solle klarer wahrnehmen, dass es dieses Angebot gibt. Auch für Neugründungen sieht Hugendubel Potenzial.

Für den Markt ist das eine bemerkenswerte Entwicklung. Denn damit positioniert sich neben Thalia ein weiterer großer Filialist noch deutlicher als Plattformanbieter. Das kann unabhängigen Buchhandlungen Entlastung bringen. Es verschärft aber auch die Debatte darüber, wie viel Konzentration der Markt eigentlich verträgt. Das Interview haben wir euch in den Shownotes verlinkt.

Buchhandel: Global Book Crawl und Übernahme

Der unabhängige Buchhandel hat gemeinsame Sache gemacht – weltweit. Vergangene Woche lief die zweite Ausgabe des Global Book Crawl: eine Aktionswoche rund um den Welttag des Buches, bei der Leser:innen von Buchhandlung zu Buchhandlung ziehen und Stempel sammeln konnten. Analog, ohne Registrierung.

Aus Deutschland waren Berliner Buchhandlungen dabei. Die Schweiz schickte gleich 72 Läden ins Rennen – ob das Format hierzulande noch mehr Buchhandlungen mobilisiert, bleibt abzuwarten. Wir denken, die Chancen stehen gut dafür.

 

In Heidelberg hat Susanne Holoch die Kinder- und Jugendbuchhandlung "Murkelei" übernommen. Die Gründerin Julia Sunderer bleibt in Teilzeit an Bord. Geplant sind mehr Veranstaltungen für Kinder und, wenn das Finanzamt zustimmt, die Umwandlung in eine gemeinnützige GmbH.

Verlage: Romance, Hörbücher und Konflikt in Frankreich

Die Aufbau Verlage machen ernst mit Romance: "more" war bisher ein Digitallabel. Ab Herbst wird es zum vollwertigen Printlabel – und bündelt dort das gesamte Romance-Programm des Hauses. Romance sei "eines der dynamischsten Segmente im Buchmarkt", sagt Geschäftsführerin Heide Kloth. Aufbau will vom Boom profitieren – und ihn mitgestalten.

Spotify baut sein Hörbuchangebot weiter aus und führt in Deutschland neue Hörbuch-Charts ein. Die Rankings erscheinen wöchentlich. Vertreten sind Genres wie Sci-Fi und Fantasy, Romantik, Krimi und Thriller, Biografien oder Jugendbuch. Nach Unternehmensangaben können Nutzer weltweit mehr als 700.000 Hörbücher anhören.

In Frankreich eskaliert der Streit um den Verlag Grasset. Mehr als 170 Autor:innen wollen aus Protest gegen die Entlassung ihres Verlegers Olivier Nora ihre Rechte zurückfordern. Mehr als 200 Verleger protestieren ebenfalls. Hintergrund ist der Kurs von Hachette-Eigentümer Vincent Bolloré, der seine Medien und Verlage laut den Protestierenden auf eine rechtsextreme politische Linie bringen möchte.

Literaturpreise

Am 8. Juni wird in Hamburg der Deutsche Sachbuchpreis vergeben. Die Jury hat jetzt die acht nominierten Titel bekannt gegeben. Im Rennen waren insgesamt 239 Bücher aus 132 Verlagen. Am Ende stand dtv gleich zweimal auf der Liste: mit Tilman Lahmes Thomas-Mann-Biografie und dem interaktiven Entscheidungsbuch "Szenario" von Florence Gaub. Die ganze Liste findet ihr natürlich auf boersenblatt.net.

Der Autor Thomas Melle wird mit dem Kleist-Preis ausgezeichnet. Verleger Heinrich von Berenberg bestimmte als Vertrauensperson den Preisträger. Der Preis ist dieses Jahr erstmals mit 30.000 Euro dotiert.

Was sonst in KW 17 in der Buchbranche passiert ist

Am 12. September startet in Darmstadt erstmals die Buchmesse "Klischee" mit Verlagen, fast 200 Selfpublishing-Autor:innen und einem genreübergreifenden Programm.

Die Verlagsgruppe Oetinger heißt künftig Medienhaus Oetinger. Mit neuem Namen und neuem Auftritt will das Hamburger Unternehmen seine Entwicklung vom klassischen Verlag zum crossmedialen Anbieter sichtbar machen.

Die Buchhändler:innen der Deutschschweiz haben ihr Lieblingsbuch 2026 gewählt. Gewonnen hat Leon Englers Debütroman "Botanik des Wahnsinns".

Die Buchhandlung "Seite an Seite" in Sendenhorst bei Münster hat mit Merisa Rohoff eine neue Inhaberin. Seit April führt sie den Laden weiter und möchte ihn in den nächsten Monaten mit eigener Note ausbauen. Die beiden Gründerinnen mussten die Buchhandlung nacheinander aus privaten Gründen aufgeben.