Lesetipp

In Japan sterben die Buchhandlungen

18. Juni 2026
Redaktion Börsenblatt

In Japan ist die Zahl der Buchhandlungen erstmals unter 10.000 gefallen. Umsätze mit gedruckten Büchern und Zeitschriften sinken. Das Portal Sumikai meldet Details.

Viele Menschen an der Kreuzung in Shibuya, Tokyo

Viel los an Japans berühmtester Kreuzung in Tokyo: Shibuya Crossing

Die Zahl der Buchhandlungen in Japan ist erstmals unter die Marke von 10.000 gefallen. Ende März gab es landesweit noch 9.993 Buchhandlungen, wie Sumikai unter Berufung auf Angaben der Japan Publishing Organization for Information Infrastructure Development (JPO) berichtet. Das entspricht etwas mehr als 40 Prozent des Höchststands aus dem Geschäftsjahr 1998, als 24.237 Geschäfte gezählt wurden.

Weniger Neueröffnungen

Im Geschäftsjahr 2025, das im April 2025 begann und Ende März endete, eröffneten 102 neue Buchhandlungen. 499 Geschäfte wurden geschlossen. Seit Beginn der Erfassung im Jahr 1994 wurde die Marke von 10.000 Buchhandlungen damit erstmals unterschritten.

Der Rückgang hält seit Ende der 1990er Jahre an. Besonders stark fiel er in den 2000er Jahren aus: Damals schlossen pro Geschäftsjahr mehr als 1.000 Geschäfte, während rund 500 neue Geschäfte eröffnet wurden. Auch in den Geschäftsjahren 2022 bis 2024 kamen jeweils weniger als 100 neue Buchhandlungen hinzu; zugleich schlossen jedes Jahr mehr als 500 Geschäfte. Geschuldet soll die Entwicklung auch kontinuierlich sinkende Ausgaben für Printprodukte wie Zeitschriften und Bücher sein.

Lücken in Kommunen

Nach Daten der Japan Publishing Industry Foundation for Culture hatten Ende August 2025 bereits 498 Städte und Gemeinden keine Buchhandlung mehr, die neu erschienene Bücher verkauft. Das betrifft fast 30 Prozent aller Kommunen des Landes.

In den Präfekturen Fukushima, Nagano, Nara, Kochi und Okinawa lag der Anteil der Städte und Gemeinden ohne Buchhandlung bei mehr als 50 Prozent. Zudem gibt es 256 Städte und Gemeinden, die weder über eine Buchhandlung noch über eine öffentliche Bibliothek verfügen.

Gegenmaßnahmen geplant

Wie Sumikai meldet, stellte die japanische Regierung bereits im vergangenen Jahr einen Maßnahmenplan vor, um das Buchhandelssterben zu stoppen. Parallel entstehen laut dem Japan-Portal auch neue Modelle: kleine unabhängige Buchhandlungen, gemeinschaftlich genutzte Regalläden, Konzepte an Bahnhöfen und Geschäfte ohne Personal. Den landesweiten Rückgang hätten diese Ansätze bislang aber nicht aufhalten können.