Im Alter von 92 Jahren ist Jean Ziegler am 10. Juni gestorben. Das teilte sein Verlag C.Bertelsmann mit. Ziegler war unter anderem Nationalrat, UNO-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung und Mitglied der UN-Taskforce für humanitäre Hilfe und Mitglied des beratenden Ausschusses des UN-Menschenrechtsrats.
Bekannt wurde er als scharfer Kritiker von Hunger, sozialer Ungleichheit und wirtschaftlicher Macht. Er schrieb Bücher wie "Das Imperium der Schande", "Wir lassen sie verhungern" und "Die Schande Europas". Sein letzter Titel, "Trotz alledem. Warum ich die Hoffnung auf eine bessere Welt nicht aufgebe", erschien 2025 bei C.Bertelsmann.
Sein bekanntester Satz lautete: "Ein Kind, das heute an Hunger stirbt, wird ermordet." Hunger verstand er nicht als Schicksal, sondern als Folge politischer und wirtschaftlicher Entscheidungen.
Der C. Bertelsmann Verlag schreibt im Nachruf: "Mit Jean Ziegler verliert die Welt einen Intellektuellen alten Schlages: einen Mann, der nicht nur beobachtete, sondern Partei ergriff; der nicht neutral sein wollte, wenn Menschen hungerten; der sein Leben lang daran glaubte, dass Aufklärung und Widerstand etwas verändern können. Seine Bücher bleiben. Und mit ihnen die unbequeme Frage, die er immer wieder stellte: Warum akzeptieren wir eine Welt, in der Überfluss und Elend nebeneinander existieren? Jean Ziegler hat diese Frage nie losgelassen. Nun gibt er sie an uns weiter."