Das Buchbranchen-Update

KI-Studie ++ Anthropic-Urteil ++ Neues Loewe-Label "Ohne KI"

2. März 2026
Redaktion Börsenblatt

Der Börsenblatt-Podcast "Die Nachlese" fasst zum Wochenanfang kompakt zusammen, was in der Buchbranche los war. Diese Woche mit den Themen "KI-Studie", "Anthropic-Urteil" und "Neues Loewe-Label 'Ohne KI'".

Nachlese Podcast-Cover (Mock-up)

Die Nachlese erscheint jeden Montag

KI in der Buchwelt 

Die KI-Nutzung in deutschen Verlagen nimmt weiter zu. Dabei gibt es aber deutliche Unterschiede zwischen kleinen und großen Unternehmen. Das zeigt eine aktuelle Studie, durchgeführt von der IG Digital im Börsenverein des Deutschen Buchhandels und der Unternehmensberatung Highberg, in Kooperation mit dem Börsenblatt. Demnach unterscheiden sich nicht nur die Einsatzarten von KI in den Häusern teils deutlich – kleine Verlage sind deutlich zögerlicher und sehen weniger Chancen und mehr Risiken beim KI-Einsatz. Zentrale Ergebnisse der Umfrage hier im Kurzüberblick: 

  • 1. Die Verlagsbranchekonzentriert sich weitestgehend auf Effizienz- und Analysepotenziale– nur wenige mittlere oder große Verlage entwickeln neue Geschäftsmodelle oder gehen das Thema Kundenzufriedenheit durch KI-Einsatz an  
  • 2. Bei der Entwicklung von KI-Lösungen bleiben Partner wichtig: Der Anteil hauseigener Entwicklungen ist im Vergleich zum Vorjahr zwar von rund 25 % auf 33 Prozent gestiegen, etwa 40 Prozent der Verlage arbeiten hingen mit externen Partnern bei der Entwicklung zusammen.   
  • Bei der Nutzung stehen Contentgenerierung, Brainstorming und Contentrecherche bei den meisten Häusern hoch im Kurs 
  • Große und mittlere Verlage bewerten bei der Effizienz KI-Lösungen als deutlich nützlicher – sie investieren aber auch eher in Fortbildungen und Lizenzen. 
  • Erst ein Drittel der Verlage hat eine KI-Strategie erarbeitet – ein weiteres Drittel ist am Thema dran. 
  • Weitere Ergebnisse der Studie gibt's online. Den Link findet ihr in den Shownotes. 

Apropos KI: In den USA muss das KI-Unternehmen Anthropic, das ihr von Chatbot Claude kennt, 1,5 Milliarden Dollar Schadensersatz an Verlage und Autor:innen zahlen. Der Grund: Das Unternehmen hatte seine KI mit Büchern aus Piraterieseiten trainiert. Auch deutsche Verlage sind betroffen und können eventuell Schadensersatz erhalten. Was genau zu tun ist und was es mit dem Vergleich auf sich hat, findet ihr online. 

Der Loewe Verlag setzt mit einem neuen Label "Ohne KI" ein Zeichen gegen generischen Contentmüll, der seit Längerem den Onlinehandel überflutet. Das Label soll in allen Shops klar machen, dass die Verlagsprodukte – Zitat "von Menschen geschrieben, illustriert und sorgfältig verlegerisch betreut wurden". 

Das Künstliche Intelligenz auch nützlich sein kann, beweist hingegen eine jetzt preisgekrönte Entwicklung von Thalia: Der KI-Agent Minerva hilft Mitarbeitenden bei der Buchrecherche, bei Empfehlungen zu Büchern oder Spielen oder anderen Produkten. Die Lösung wurde vor 3 Monaten ausgerollt, die Mitarbeitenden können auf die Agentin per iPad zugreifen. Für die Entwicklung wurde Thalia jetzt vom EHI Retail Institute mit dem reta award 2026 ausgezeichnet. 

Verlage 

Die Verlage Friedrich Oetinger und Ernst Klett entwickeln zu Kinderbuchklassikern Erstlesetexte und Unterrichtshilfen. Den Auftakt der Kooperation bildet ein Titel von Paul Maar aus Oetingers Lesestarter-Reihe, das Unterrichtsmaterial beim Ernst Klett Verlag erscheint im Mai. 

In München gibt es einen neuen Verlag: Zarifa Mamedova möchte mit dimidium mundi die belletristischen Werke von Schriftstellerinnen der letzten 150 Jahre sichtbar machen. Dabei soll es auch internationale Entdeckungen geben. Geplant sind zunächst sechs bis acht Bücher pro Jahr in hochwertiger Ausstattung. 

Buchhandel 

Der Schweizer Buchhändler Orell Füssli hängt jetzt Triggerwarnungen an Dark-Romance-Titel. Die Warnhinweise sollen verhindern, dass Jugendliche "unbeabsichtigt" zu Dark-Romance-Titeln greifen, die sich an ein Publikum ab 18 richten. Die Kette platziert die Bücher außerdem separat von anderen Titeln, die sich an junge Erwachsene richten. 

Literaturpreise 

Der Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik geht dieses Jahr an Dietmar Dath. Dath ist Journalist und Übersetzer. Außerdem hat Dath selbst zahlreiche Bücher in kleinen wie großen Häusern verfasst. Der mit 5.000 Euro dotierte Preis wird von der Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels gemeinsam mit dem Börsenblatt jährlich vergeben und von der Klett-Stiftung gefördert. Die Preisverleihung findet am Donnerstag, 19. März im Forum "Die Unabhängigen" in Halle 5 statt. 

Und sonst? 

Wir springen zu einer anderen Buchmesse: Der Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2028 steht fest: Rumänien wird das Gastland der 80. Buchmesse sein. Ehrengast der kommenden Frankfurter Buchmesse im Oktober ist Tschechien. 2027 wird ChileGastland sein. 

Am 27. Februar war Equal Pay Day. Wie sieht es auf dem deutschen Arbeitsmarkt aus? Der Gender Gap sich seit dem Vorjahr nicht verbessert. Das hat das Statistische Bundesamt mitgeteilt. Der unbereinigte Gender Pay Gap lag bei 16 Prozent. Das heißt, Frauen verdienten 16 % weniger pro Stunde als Männer. Hauptgrund dafür ist laut Statistischem Bundesamt, dass Frauen häufiger in Teilzeit arbeiten. Erhoben wurden außerdem die Erwerbsbeteiligung und die monatliche Arbeitszeit – auch hier gab es keine nennenswerten Verbesserungen. 

Kurz notiert

Am 8. März finden die Buchbesprechungstage des Landesverbands Nord statt. Dabei geht es um Kinderbücher. Das Ganze kann man auch im Livestream mitverfolgen. Bereits am 1. März gab es einen Termin zu Neuerscheinungen aus den Bereichen Belletristik und Sachbuch – beide Streams lassen sich noch für einige Tage im Web anschauen. 

Europas größte Bildungsmesse, die didacta, öffnet vom 10. bis 14. März ihre Tore in Köln. Ein Highlight wird die RoboCup German Open sein. 

Vom 19.-22. März wird die Leipziger Buchmesse gefeiert und zwar wie gewohnt im Verbund mit der Manga Comic Con und dem Lesefestival Leipzig liest.