Die Nachlese

Kampagnenplaner für Verlage +++ Spotify vertont Artikel ++ Papierproduzenten wollen fusionieren

1. Juni 2026
Redaktion Börsenblatt

Jeden Montag fasst die Börsenblatt-Redaktion zusammen, was in der Buchbranche in der vergangenen Woche los war. Der Börsenverein testet einen neuen KI-gestützten Kampagnenplaner. Spotify bringt ein neues Format namens "Articles". Außerdem: UPM und Sappi gründen ein Joint Venture für grafisches Papier in Europa.

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Die Nachlese erscheint jeden Montag

Das Transkript der Folge vom 1. Juni 2026

Ihr kennt das vielleicht: zu viele Bücher, zu viele Marketing-Kanäle, und zu wenig Zeit und Budget. Genau hier will die IG Digital im Börsenverein jetzt mit einem neuen, KI-gestützten Kampagnenplaner ansetzen.

Die Idee ist ziemlich praktisch: Ihr klickt euch durch eine Reihe von Fragen zu eurem Buch – zum Beispiel einem Audiotitel. Daraus erstellt das Tool automatisch einen detaillierten Prompt, den ihr dann in gängige Sprachmodelle wie ChatGPT, Claude oder Gemini einfügen könnt.

Der Planer hilft euch dabei, passende Kanäle auszuwählen und gibt eine grobe Orientierung, welche Reichweite oder Klicks möglich sein könnten. Richtig spannend wird es, wenn ihr eigene Daten einbaut – also Infos zu euren Zielgruppen oder Klickzahlen aus früheren Kampagnen. Dann kann die KI Muster besser erkennen und die Vorschläge auf euren Verlag zuschneiden.

Albrecht Mangler, einer der Köpfe hinter dem Projekt, betont aber auch die Grenzen. Das Tool ist kein Orakel und trifft keine Entscheidungen. Es ist ein strukturierter Anstoß für die Planung. Menschliches Urteil bleibt absolut notwendig, gerade bei Novitäten, für die es kaum Vergleichsdaten gibt. Die KI kann sortieren, aber sie kennt nicht den nächsten Überraschungserfolg in eurem Herbstprogramm.

Der Nutzen liegt also im Arbeitsalltag: Ihr bekommt eine erste Ordnung ins Chaos und eine solide Basis für die weitere Planung. Zu finden ist das Ganze im Digitalen Wissens-Hub des Börsenvereins.

 

Spotify testet journalistische Audio-Artikel

Spotify will mehr sein als nur Musik und Podcasts. Das Unternehmen testet gerade ein neues Format namens "Articles". Die Idee: lange journalistische Texte werden zu Audio-Inhalten. Zum Start sind über 650 Artikel von bekannten Magazinen wie "Rolling Stone", "Vogue" oder "WIRED" verfügbar, bisher allerdings nur auf Englisch.

Interessant ist, wer das produziert: das Team von "Spotify Audiobooks". Die Texte werden teils von Menschen, teils von KI-Stimmen eingesprochen. Strategisch ist das ein cleverer Schachzug. Spotify will euch an längeres Hören gewöhnen. Wer sich einen 20-minütigen Magazinartikel anhört, ist danach vielleicht auch eher bereit für ein mehrstündiges Hörbuch.

Für Verlage und Buchhandlungen ist das ein klares Signal: Spotify arbeitet konsequent daran, Hörgewohnheiten auf seiner Plattform zu bündeln. Da geht' natürlich auch um die Frage, wer künftig den Zugang zu den Hörerinnen und Hörern kontrolliert.

Verlage

Beim grafischen Papier rücken UPM und Sappi zusammen. Die beiden Konzerne haben ein Joint Venture für ihr europäisches Geschäft vereinbart. Das soll in einem schrumpfenden Markt die Versorgungssicherheit stärken und Synergien von rund 100 Millionen Euro heben.

Beim Kölner Großantiquariat Avus geht es weiter. Zum 1. Juni hat ein Unternehmerkonsortium den Geschäftsbetrieb übernommen. Karl-Otto Binder kehrt als Geschäftsführer zurück. Der Betrieb läuft am bekannten Standort weiter.

Der Frankfurter gutleut verlag wird nach dem Tod von Verleger Michael Wagener als Imprint beim Berliner Gans Verlag weitergeführt. Unter dem Label "gutleut&gans" erscheinen ab Herbst neue Lyrik-Titel.

Buchhandel

Die Buchhandlung Bindernagel schließt ihre Filiale in Butzbach nach über 50 Jahren zum 18. Juli. Als Gründe werden sinkende Umsätze und weniger Laufkundschaft genannt. Der Standort Friedberg und der Online-Shop bleiben bestehen.

Literaturpreise und Kurz notiert

Media Control zeichnet wieder Bucherfolge aus: Sebastian Fitzek erhält einen Diamant-Award für 21 Millionen verkaufte Bücher, Juli Zeh Platin für über sechs Millionen und Campino Gold für 150.000 Exemplare von "Hope Street".

Der Robert Gernhardt Preis 2026 geht an den Schriftsteller Artur Becker und den Autor Fikri Anıl Altıntaş.

Und drei Termine zum Vormerken in unserer Rubrik kurz notiert:

  • Vom 3. bis 5. Juli in Hildesheim das Literaturfestival Prosanova statt, ein Event für junge deutschsprachige Gegenwartsliteratur.
  • Und am 6. September findet das Kölner Bücherfest statt, diesmal im Bürgerhaus Stollwerck.
  • Der Rabbit Romantasy Award, der erste Preis für deutschsprachige Romantasy, wird nun am 10. Oktober auf der Frankfurter Buchmesse verliehen.