Neue Destatis- und HDE-Zahlen

Für viele Händler bleibt die Lage kritisch

31. Juli 2020
von Börsenblatt

Während sich die Umsätze im Buchhandel weiter erholen, können andere stationäre Einzelhändler, vor allem im Modesegment, noch lange nicht an das Umsatzniveau der Vorjahresmonate anknüpfen. Das zeigen aktuelle Zahlen.

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Noch immer erreichen die Umsätze in vielen Handelsunternehmen im Nicht-Lebensmittelbereich das Vor-Corona-Niveau nicht. Das zeigen aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamtes sowie eine aktuelle Umfrage des Handelsverbandes Deutschland (HDE) unter 500 Händlern. Demnach können Lebensmittel- und Onlinehandel wie schon in den vergangenen Monaten Zuwächse verzeichnen. Viele Bekleidungshändler aber durchleben nach wie vor schwere Zeiten, wie es der HDE formuliert. Die Zahlen im Detail:

  • Im Einzelhandel mit Nicht-Lebensmitteln stiegen die Umsätze im Juni 2020 im Vergleich zum Vorjahresmonat real um 8,4 Prozent und nominal um 8,3 Prozent.
  • Das größte Umsatzplus zum Vorjahresmonat (real: plus 30,7 Prozent, nominal 30,6 Prozent) erzielte allerdings der Internet- und Versandhandel. Veränderungsraten dieser Größenordnung seien selbst in dieser sehr dynamischen Branche ungewöhnlich und somit zu einem erheblichen Teil auf einen Sondereinfluss der Corona-Pandemie zurückzuführen, so das Statistische Bundesamt.
  • Deutlich zugenommen hat auch der Handel mit Einrichtungsgegenständen, Haushaltsgeräten und Baubedarf mit einem realen Plus von 14,6 Prozent.
  • Noch nicht wieder auf dem Vorjahresniveau sind dagegen der Handel mit Textilien, Bekleidung, Schuhe und Lederwaren und der Einzelhandel mit Waren verschiedener Art (zum Beispiel Waren- und Kaufhäuser) mit einem Minus von 16,0 Prozent (real, nominal: minus11,1 Prozent) gegenüber dem Vorjahresmonat.
  •  Zum Vergleich die Zahlen aus dem Branchen-Monitor Buch: Über alle Vertriebswege hinweg hatte der Buchhandel im Juni gegenüber dem Vorjahresmonat ein Plus von 12,3 Prozent erzielt. Betrachtet man nur das Sortiment, dann liegt der Zuwachs immer noch bei 6,8 Prozent. Die Umsatzlücke, die durch Corona seit Januar aufgelaufen ist, lag Ende Juni allerdings immer noch bei minus 8,3 Prozent (Sortiment: 13,9 Prozent). Inzwischen haben sich die Zahlen weiter aufgehellt (mehr dazu hier).  

Es gibt keinen Grund zur Entwarnung. Nach wie vor sind viele Händler in großer Insolvenz-Gefahr.

Stefan Genth, HDE-Geschäftsführer

„Die Lage verbessert sich, bleibt aber für viele Händler kritisch“, kommentiert HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth die aktuellen Zahlen. Die HDE-Trendumfrage zeigt, dass rund zwei Drittel der befragten Unternehmen Nicht-Lebensmittelhändler in der laufenden Woche mindestens 75 Prozent des Umsatzes der Vergleichswoche des Vorjahres erreichen. Hauptgrund dafür sind die langsam ansteigenden Kundenfrequenzen.

Bei 27 Prozent der Händler allerdings ist die Lage nach wie vor sehr ernst: Sie sehen ihre unternehmerische Existenz aufgrund der Coronakrise bedroht. „Es gibt keinen Grund zur Entwarnung. Nach wie vor sind viele Händler in großer Insolvenz-Gefahr. Jetzt kommt es auch darauf an, dass die staatlichen Überbrückungshilfen schnell und unbürokratisch dort ankommen, wo sie gebraucht werden“, so Genth weiter. Den meisten Handelsunternehmen werde es nicht gelingen, in den letzten Monaten aufgelaufene Umsatzverluste aufzuholen. Dementsprechend kalkulieren zwei Drittel der Nicht-Lebensmittelhändler auch im zweiten Halbjahr mit einem Umsatzminus.

Mehrwertsteuersenkung hat auch negative Folgen

Die befriste Senkung der Mehrwertsteuer stößt laut HDE nur bei wenigen Händlern auf große Gegenliebe:

  • Lediglich 13 Prozent der Nonfood-Unternehmen bewerten die Maßnahme im Hinblick auf eine Belebung des Konsums positiv.
  • 18 Prozent dagegen sehen negative Folgen, beispielsweise durch Umstellungskosten.
  • Tendenziell positiver wird die Maßnahme bei den langlebigen Gebrauchsgütern wie Möbel, Technik und Uhren/Schmuck gesehen.