EHI-Studie zu Inventurdifferenzen

Langfinger sorgen für Milliardenverluste im Handel

28. Juli 2020
von Börsenblatt

Auf rund 3,75 Milliarden Euro beziffert eine EHI-Studie die Verluste, die Handelsunternehmen 2019 druch Diebstähle entstanden sind. Insgesamt hätten die "Inventurdifferenzen" 4,4 Milliarden Euro betragen.

Angezeigte Ladendiebstähle

"4,4 Milliarden Euro entgingen 2019 dem Handel durch Diebstähle und organisationsbedingte Verluste – das sind rund 5 Prozent mehr als im Vorjahr", kommentiert Frank Horst, Sicherheitsexperte vom EHI die Ergebnisse der aktuellen Studie "Inventurdifferenzen im deutschen Handel 2020", in einer Mitteilung. "Rein statistisch gesehen wird durch jede Person in Deutschland ein Warenwert von knapp 30 Euro pro Jahr gestohlen."

Größter Schaden durch Diebstahl

Von den 4,4 Milliarden Euro Inventurverlusten (branchengewichtete Hochrechnung für den gesamten deutschen Einzelhandel) entstünden 3,75 Milliarden durch Entwendung. Waren im Wert

  • von 2,44 Milliarden Euro würden durch Kundinnen und Kunden gestohlen,
  • 950 Millionen von eigenen Mitarbeitenden entwendet
  • und 360 Millionen Verlust gingen auf Diebstähle durch Lieferanten und Servicekräfte zurück.

660 Millionen Euro Schaden seien durch organisatorische Mängel, beispielsweise durch falsche Preisauszeichnung, zustande gekommen.

Dem Staat entstünde mit dem Diebstahl ein volkswirtschaftlicher Schaden von 510 Millionen Euro im Jahr durch die Ausfälle der Mehrwertsteuer.

Folgen für den Einzelhandel

Dem Einzelhandel würden die Inventurdifferenzen erheblich die Rendite schwächen, rechnet das EHI vor. Setze man die entgangenen Verkaufspreise in Bezug zum Bruttoumsatz würden sie in branchengewichteter Hochrechnung einem Wert von rund einem Prozent des Umsatzes entsprechen. Zusammen mit den Ausgaben für Diebstahlprävention und Sicherungsmaßnahmen entginge dem Handel so rund 1,32 Prozent seines Umsatzes.

Weniger Anzeigen

2019 sind die angezeigten Ladendiebstähle laut polizei­licher Kriminalstatistik um 3,9 Prozent auf insgesamt 325.786 Fälle (Vorjahr 339.021) zurückgegangen. Während die Zahl der einfachen Ladendiebstähle seit 1997 nahezu kontinuierlich gesunken sei, hätten sich schwere Ladendiebstähle in den letzten dreizehn Jahren nahezu verdreifacht. Aber: Durch die hohe Dunkelziffer von über 98 Prozent besitze die Statistik nur eine eingeschränkte Aussagefähigkeit, räumt EHI ein.

Aus dem durchschnittlichen Schaden aller angezeigten Diebstähle und dem tatsächlichen Schaden im Handel ergebe sich, dass jährlich rechnerisch über 22,2 Millionen Ladendiebstähle mit je einem Warenwert von 110 Euro unentdeckt blieben. "Klaurenner" würden variieren –  je nach Handelsbranche und Unternehmen – von Akkus und alkoholischen Getränken bis Zahnbürstenaufsätzen und Zigaretten.

Zur Studie

An der aktuellen Untersuchung beteiligten sich laut EHI 81 Unternehmen bzw. Vertriebsschienen mit insgesamt 22.849 Verkaufsstellen, die einen Gesamtumsatz von rund 102,1 Milliarden Euro erwirtschaftet haben. Die durchschnittliche Verkaufsfläche der beteiligten Geschäfte beträgt 1.220 Quadratmeter.