Verband setzt auf Juristen

Matthias Städeli führt SBVV

12. Juni 2026
Redaktion Börsenblatt

Der SBVV hat Matthias Städeli zum neuen Präsidenten gewählt. Die Wahl des Rechtsanwalts wurde auf der Generalversammlung kontrovers diskutiert.

Debatte vor Wahl

Der SBVV hat auf seiner 178. Generalversammlung in der Schweizerischen Nationalbibliothek in Bern Matthias Städeli zum neuen Präsidenten gewählt, wie aus einer Mitteilung des Schweizer Buchhändler und Verlegerverbands SBVV hervorgeht. Er folgt auf Manuel Schär, der nach drei Jahren als Präsident und insgesamt sieben Jahren im Zentralvorstand aus beruflichen Gründen zurücktritt.

Nach Schärs Rücktritt setzte der Zentralvorstand eine Findungskommission ein. Ihr gehörten Carmen Lee-Stocker vom Fachausschuss Buchhandel, Urs Hofmann, Firas Kharrat und Sonja Rothländer vom Fachausschuss Verlage sowie Patrick Heuscher vom Fachausschuss Zwischenbuchhandel an.

Juristisches Profil
Die Kommission definierte drei Schwerpunkte für die Suche: Organisation, Lobbyarbeit und rechtliche Herausforderungen. Genannt wurden insbesondere Urheberrecht, Künstliche Intelligenz (KI), Open Access und zwingendes Zweitveröffentlichungsrecht.

Der Zentralvorstand empfahl der Generalversammlung einstimmig den Rechtsanwalt Matthias Städeli. Der 61-Jährige leitete 20 Jahre lang eine Kanzlei in Zürich. Sein Spezialgebiet sind Marken- und Urheberrecht. Außerdem hat Städeli einen Master in Kulturmanagement, ist Verwaltungsrat von Konzert und Theater St. Gallen und der Bach-Stiftung sowie Stiftungsrat der Klangwelt Toggenburg.

Kritik an Außenperspektive
Carmen Lee-Stocker begründete den Vorschlag mit den aktuellen Herausforderungen des Verbands. "Wir brauchen juristische Kompetenz und einen unabhängigen Blick auf die gesamte Wertschöpfungskette", sagte sie.

Städeli bezeichnete seine Kandidatur selbst als Premiere: "Ich wäre der erste Präsident in der SBVV-Geschichte, der nicht direkt aus dem Verlag, Buchhandel oder Zwischenbuchhandel kommt." Zugleich verwies er darauf, viele Verlage bei juristischen Fragen beraten zu haben. Als Themen nannte er unter anderem KI, Open Science und zwingendes Zweitveröffentlichungsrecht.

Wahl mit Gegenstimmen
In der Generalversammlung gab es nach Angaben der Mitteilung ungewöhnlich viele Wortmeldungen. Kritisch gesehen wurde vor allem, dass Städeli nicht direkt aus der Branche kommt. Außerdem wurde angemerkt, er habe sich vor allem zu Verlagsbelangen geäußert, während der Buchhandel zu kurz komme.

Andere Stimmen unterstützten den Vorschlag. Ein gutes Netzwerk und andere Kompetenzen als in der Vergangenheit seien für den SBVV wertvoll. "Wir sollten den Schritt wagen und es probieren", sagte ein Buchhändler.

Städeli wurde schließlich mit 53 Ja-Stimmen gewählt. Es gab fünf Gegenstimmen und 14 Enthaltungen. Bei den übrigen Abstimmungen der Generalversammlung herrschte Einstimmigkeit ohne Enthaltungen, unter anderem bei der Entlastung der verantwortlichen Organe, beim Budget 2027 und bei den turnusmäßigen Erneuerungswahlen von sieben Mitgliedern des Zentralvorstands.