Antiquarin Elvira Tasbach wird ausgezeichnet
Die Antiquarin Elvira Tasbach aus Berlin erhält den Max-Herrmann-Preis 2026. Dieser wird für Verdienste um das Bibliothekswesen vergeben. Gelobt wird unter anderem ihre "mäzenatische Gesinnung".
Die Antiquarin Elvira Tasbach aus Berlin erhält den Max-Herrmann-Preis 2026. Dieser wird für Verdienste um das Bibliothekswesen vergeben. Gelobt wird unter anderem ihre "mäzenatische Gesinnung".
Das teilen die Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin mit. "Elvira Tasbach ist nicht nur eine kenntnisreiche Antiquarin mit einem höchst interessanten Schwerpunkt und eine für den Berufsstand engagierte Persönlichkeit. Ihr liegt das gesellschaftliche Miteinander ebenso am Herzen. Zahlreiche soziale, künstlerische und historische Vereine können auf ihre Unterstützung zählen. Auch die Staatsbibliothek zu Berlin verdankt der mäzenatischen Gesinnung Elvira Tasbachs ein großzügiges Geschenk: Den 'Catalog der Bücher im Besitz seiner Exzellenz Herrn Freiherrn Alexander’s von Humboldt' mit mehr als 1.000 handschriftlichen Notizen Humboldts", begründet der Juryvorsitzende und Vorsitzende der Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin e. V., Peter Altmaier, die einmütige Entscheidung der Jury.
Die Preisträgerin 2026, Elvira Tasbach, studierte Philosophie, Politische Theorie und Soziologie in Konstanz und Berlin. Aus der Neigung für das Sammeln und der Liebe zu alten Büchern sei der Entschluss zur Gründung eines Antiquariats erwachsen. Vor etwa zwanzig Jahren habe sich ihr Interesse verstärkt zu Handschriften verlagert. Ihr Augenmerk richte sich nicht allein auf kunstvoll verzierte, repräsentative Werke, vielmehr auf solche, die Wissenserwerb und Wissensvermittlung in den Mittelpunkt stellen, wie etwa Vorlesungsmitschriften von Jesuiten, Reisebeschreibungen, pharmazeutische oder alchemistische Rezeptbücher. Diese Handschriften würden zahlreiche Informationen über die Weltsicht des Autors vermitteln, die Art und Weise von sprachlicher Wissensvermittlung, sozioökonomischen Verhältnisse und mehr.
Antiquarinnen und Antiquare seien für Bibliotheken seriöse, kenntnisreiche und letztlich unverzichtbare Partner im gemeinsamen Ringen um die Bewahrung, Erforschung und Kenntniserweiterung des schriftlichen Kulturguts. Selbst in Zeiten fortschreitender Digitalisierung brauche es die Expertise von Antiquarinnen und Antiquaren, um besondere Werke aufzuspüren und zu vermitteln sowie ein nationales wie internationales Netzwerk. Im Verband Deutscher Antiquare engagiere sich seit Elvira Tasbach für einen qualitätsbewussten Handel, damit Verlässlichkeit und Professionalität auch zukünftig als Kennzeichen des Berufsstandes erhalten bleiben.
Die Preisverleihung findet am 11. Mai, um 18 Uhr im Wilhelm von Humboldt-Saal der Staatsbibliothek zu Berlin, Unter den Linden 8 statt. Anmeldung per Mail unter freunde@sbb.spk-berlin.de.
Die Laudatio hält Thedel von Wallmoden, Gründer und Verleger des Wallstein Verlags, Vorsitzender der Historischen Kommission des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.
Der Max-Herrmann-Preis gilt als eine der bedeutendsten Auszeichnungen, die in Deutschland für Verdienste um das Bibliothekswesen vergeben werden. Seit 2000 verleihen ihn die Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin e.V. mindestens alle zwei Jahre an eine Persönlichkeit, die sich in besonderer Weise um das Bibliothekswesen und die Staatsbibliothek zu Berlin verdient gemacht hat.
Zu den bisherigen Preisträgern gehören der langjährige Direktor der Herzog-August-Bibliothek in Wolfenbüttel und Retter der Franckeschen Stiftungen in Halle (Saale), Paul Raabe, Dr. Ekaterina Genieva, Generaldirektorin der Gesamtrussischen Staatlichen Rudomino-Bibliothek für Ausländische Literatur in Moskau, der israelische Künstler Micha Ullman, der Filmregisseur Wim Wenders, die Arbeitsgemeinschaft der Gedenkstättenbibliotheken und das Project Aladdin, das international den jüdisch-muslimischen Dialog fördert, und im vergangenen Jahr die frühere Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien Monika Grütters.
Max Herrmann, ohne Jahr
Der Preis ist nach dem bedeutenden Literaturwissenschaftler Max Herrmann benannt, der 1923 an der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin das weltweit erste Theaterwissenschaftliche Institut gründete. Über Jahrzehnte arbeitete er in der Königlichen Bibliothek, später Preußischen Staatsbibliothek und war der Initiator der "Bibliothek deutscher Privat und Manuskriptdrucke". 1933 verlor Max Herrmann seine Professur in Berlin und hatte unter den weiteren Repressionen des nationalsozialistischen Regimes zu leiden. Im September 1942 wurde er in das KZ Theresienstadt deportiert und starb dort nach wenigen Wochen.