Helga Schubert hält die Schillerrede
Montiererin am Band, dann Psychologin und Schriftstellerin: Helga Schubert hält im November die Marbacher Schillerrede 2026.
Helga Schubert
Montiererin am Band, dann Psychologin und Schriftstellerin: Helga Schubert hält im November die Marbacher Schillerrede 2026.
Helga Schubert
Als nüchterne Chronistin des ostdeutschen Alltags verstehe es Helga Schubert auf einzigartige Weise, von Widerstand und der Sehnsucht nach Freiheit, von Macht und Ohnmacht zu erzählen, heißt es in der Mitteilung des Deutsches Literaturarchiv Marbach: "Ihre Texte machen präzise, anschaulich und mit versöhnlichem Gestus eine heute versunkene Welt in Einzelschicksalen lebendig, beziehen aber auch zu Gegenwartsthemen kompromisslos Stellung."
Helga Schubert wurde 1940 in Berlin geboren. Nach dem Abitur arbeitete sie als Montiererin am Band. Danach studierte sie Psychologie an der Humboldt-Universität in Berlin. Von 1963 war sie zuerst als klinische Psychologin, 1973–77 im Bereich der Psychotherapieforschung an der Humboldt-Universität und insgesamt bis zum Jahr 1987 in der Erwachsenenpsychotherapie tätig. Ab 1960 schrieb sie erste literarische Texte, zunächst Lyrik, dann Kurzprosa, seit 1977 arbeitete sie in der DDR als freie Schriftstellerin. 1975 erschien ihr Erzähldebüt "Lauter Leben". Seit 1975 wurde sie von der Stasi als "feindlich-negativ" betrachtet und bis 1989 beobachtet. 1990 veröffentlichte sie das Buch "Judasfrauen" mit Fallgeschichten von Denunziantinnen im Dritten Reich. Zuletzt erschien ihr Buch "Luft zum Leben" (dtv, 2025), eine neue Sammlung von Texten aus 60 Jahren. Schubert war Mitglied zunächst des Schriftstellerverbandes der DDR (ab 1975) und des PEN-Zentrums der DDR (ab 1987), seit 1991 war sie Mitglied des PEN-Zentrums der Bundesrepublik Deutschland, seit 2025 ist sie Mitglied des PEN Berlin. In den Jahren 1998/90 bereitete sie als parteilose Pressesprecherin des Zentralen Runden Tisches in Ostberlin die ersten freien Wahlen vor.
Helga Schubert wurde vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Heinrich-Mann-Preis (1986) und dem Hans-Fallada-Preis (1993). Nachdem sie fast 20 Jahre nicht publiziert hatte, erhielt sie 2020 den Ingeborg-Bachmann-Preis für ihren Text "Vom Aufstehen" (2021 bei dtv erschienen) – als älteste Teilnehmerin, die jemals am Wettbewerb teilnahm. 1980 war sie schon einmal nach Klagenfurt eingeladen worden, erhielt aber von den DDR-Behörden keine Reisegenehmigung.
Mit der Schillerrede im November wird jährlich an den Geburtstag Friedrich Schillers erinnert. Helga Schubert hält die traditionelle Festrede nach unter anderem Eva Illouz, Michail Schischkin, Abdulrazak Gurnah, Daniel Kehlmann, Anne Weber, Christian Drosten, Cem Özdemir, Jan Philipp Reemtsma, Orhan Pamuk, Jan Assmann, Brigitte Kronauer und Richard von Weizsäcker.
Die Veranstaltung findet am 8. November um 11 Uhr im Tagungsbereich des Deutschen Literaturarchivs (Archivgebäude) statt.