International Publishers Association

IPA Prix Voltaire 2026 geht an ägyptischen Verlag

6. Juli 2026
Redaktion Börsenblatt

Im Rahmen des 35. IPA-Kongresses in Kuala Lumpur, Malaysia, wurde der ägyptische Verleger Yehia Fekry (El Maraya Verlag) mit dem Prix Voltaire 2026 der International Publishers Association ausgezeichnet. Ein Sonderpreis ging an den verstorbenen ägyptischen Verleger Mohamed Hashem. 

Abbildung zum IPA Prix Voltaire 2026 an den ägyptischen Verlag El Maraya for Arts & Culture. Auf dem Foto dessen Verleger Yehia Fekry

Abbildung zum IPA Prix Voltaire 2026 an den ägyptischen Verlag El Maraya for Arts & Culture. Auf dem Foto dessen Verleger Yehia Fekry

Die Preisverleihung fand der Mitteilung zufolge am Ende des ersten Tages des 35. IPA-Kongresse in Kuala Lumpur, Malaysia, statt. Anlässlich des 20-jährigen Jubiläums des Preises diskutierten die früheren Preisträger Khaled Lotfy (Tanmia, Ägypten, 2019), Rasha Al Ameer (Dar Al Jadeed, Libanon, 2021) und Nadia Kandrusevich (Koska, Weißrussland, 2025) über die Veröffentlichungsfreiheit und die Bedeutung des Preises.

Prix Voltaire an ägyptischen Verlag

Mit dem IPA Prix Voltaire 2026 wurde der ägyptische Verlag El Maraya for Arts & Culture, dessen Verleger Yehia Fekry nahm die Auszeichnung entgegen. Der Verlag wurde 2016 in Kairo gegründet. Mit über 250 Titeln, die ihre unabhängige redaktionelle Haltung widerspiegeln, war der Verlag institutionellem Druck ausgesetzt, darunter der Ausschluss von der Internationalen Buchmesse in Kairo in den Jahren 2025 und 2026. Zwischen 2018 und 2024 wurde der Hauptsitz des Verlags fünfmal durchsucht, wobei Mitarbeiter festgenommen und alle Exemplare bestimmter Bücher beschlagnahmt wurden und dem Verlag die Neuauflage dieser Bücher untersagt wurde.

Während der Zeremonie sagte Jessica Sänger, Vorsitzende des IPA Freedom to Publish Committee: "An der diesjährigen Auswahlliste sehen wir einmal mehr, dass Verleger gezwungen sind, im Exil zu arbeiten. Verleger, die von Buchmessen und Literaturfestivals ausgeschlossen werden, Verleger, die sich für vielfältige Ideen einsetzen und restriktive Gesetze in Frage stellen, und damit Gemeinschaften eine Stimme geben, denen sonst die Möglichkeit genommen würde, ihre Geschichten zu erzählen. Verleger, die in Kriegsgebieten leben und dennoch versuchen, Bücher zu veröffentlichen, die dabei helfen, die Welt um uns herum zu verstehen. Als Freedom to Publish Committee sind wir uns sehr wohl bewusst, dass wir nicht nur die Verantwortung haben, den Preis auf der Grundlage der eingegangenen Nominierungen zu vergeben, sondern dass jedes neue Jahr auch ein erneutes Bekenntnis zu den Preisträgern der vergangenen Jahre mit sich bringt."

Unter Bezugnahme auf aktuelle Medienberichte fügte Sänger hinzu: "Wir sind nach wie vor sehr besorgt über die unvertretbare Verurteilung von Sihem Bensedrine, unserer Preisträgerin von 2009, zu 25 Jahren Haft wegen ihres Engagements für die Freiheit in Tunesien."

Yehia Fekry: "Wir werden unseren Auftrag weiterführen"

In seiner Dankesrede für den IPA-Prix-Voltaire 2026 erklärte Yehia Fekry, Gründer und Geschäftsführer von El Maraya: "El Maraya wurde 2016 mit einer einfachen, aber ehrgeizigen Mission gegründet: eine Plattform für junge Stimmen aus den neuen demokratischen und liberalen Strömungen Ägyptens sowie für kritische Perspektiven zu schaffen, die im vorherrschenden intellektuellen und politischen Diskurs oft nur schwer Raum finden." Im Laufe der Zeit sei es El Maraya gelungen, eine breite Gemeinschaft von Lesern und Anhängern aufzubauen. "Doch die Natur unseres kulturellen Auftrags – und die kritischen Perspektiven, die sich in unseren Publikationen widerspiegeln – hat uns vielfältigem institutionellen Druck ausgesetzt, der unsere Arbeit von Anfang an herausgefordert hat und dies auch heute noch tut. Trotz dieses anhaltenden Drucks bleiben wir unserem Auftrag verpflichtet und sind entschlossen, ihn weiterzuführen. Wir setzen uns weiterhin für das Recht der Menschen auf Wissen sowie für das Recht von Autoren und Forschern ein, ihre Ideen frei zu äußern", zeigte sich Yehia Fekry kämpferisch.

"Beispiele für wahrhaftiges Heldentum!"

IPA-Präsidentin Gvantsa Jobava sagte: "Ich bin fest davon überzeugt, dass das Verlagswesen ein Beruf für Menschen ist, die sowohl Mut als auch Verantwortungsbewusstsein besitzen. Es erfordert Mut, denn die fortschrittlichen Ideen, die Schriftsteller verschiedener Epochen durch die Literatur vermittelt haben, hätten oft nie das Licht der Welt erblickt, hätten die Verleger Angst gehabt – Angst vor neuen Ideen, vor der Kühnheit ihrer Autoren, vor scharfen Worten, vor furchtloser Enthüllung, vor unbequemen Wahrheiten, vor freier Meinungsäußerung und vor den Ideen der Freiheit; Angst davor, die Einzigartigkeit dieser Ideen anzuerkennen und anzunehmen. Und es erfordert Verantwortungsbewusstsein, denn die Würde von Verlegern, Autoren und Lesern gleichermaßen, die in den härtesten Zeiten auf die Probe gestellt wurde, hing schon immer – und hängt auch heute noch – davon ab, dass wir den Verantwortlichkeiten unseres Berufs treu bleiben. Doch die außergewöhnlichen Geschichten von Verlegern, die für die Freiheit des Verlegens kämpften und in der zwanzigjährigen Geschichte des Prix Voltaire festgehalten sind, stehen sogar noch über Mut und Verantwortung. Sie sind Beispiele für wahrhaftiges Heldentum! Heldentum zur Verteidigung der Menschenwürde, Heldentum im Dienste des Verlegerberufs, und Heldentum im Namen der Freiheit selbst."

Grafik zum IPA Prix Voltaire Sonderpreis mit Foto von Mohamed Hashem

Posthumer Sonderpreis an Mohamed Hashem

Sonderpreis für Mohamed Hashem

Den Sonderpreis für den verstorbenen ägyptischen Verleger Mohamed Hashem nahm seine Tochter Mirette Hashem entgegen. Sie sagte: "Mein Vater widmete sein Leben der Überzeugung, dass Bücher der Grundpfeiler einer freien und aufgeklärten Gesellschaft sind. Als Verleger war er ein entschiedener Verfechter der Meinungsfreiheit und setzte sich konsequent für das Recht ein, in Ägypten ohne Angst zu denken, zu schreiben und zu veröffentlichen. Er opferte viel, um diese Werte zu schützen, und war stets davon überzeugt, dass die Meinungsfreiheit für den Fortschritt einer Nation unverzichtbar ist. Ich danke Ihnen, dass Sie das Vermächtnis meines Vaters würdigen und denen zur Seite stehen, die sich für die Freiheit des Verlegens und den Mut zum freien Denken einsetzen."

In regelmäßigen Abständen kann das IPA-Freedom to Publish Committee den "Prix Voltaire"-Sonderpreis verleihen, eine posthume Auszeichnung für Personen, die kürzlich aufgrund der Ausübung ihrer Meinungsfreiheit ums Leben gekommen sind oder die sich zu Lebzeiten in herausragender Weise für die Veröffentlichungsfreiheit eingesetzt haben.

Mohamed Hashem sei der mutige Gründer des Merit-Verlags, eines unabhängigen ägyptischen Verlags, gewesen, der sich seit 1998 der Meinungsfreiheit sowie der Förderung aufstrebender Schriftsteller und marginalisierter Stimmen in der arabischen Welt verschrieben hat. Als lautstarker antiautoritärer Aktivist war Hashem 2004 Mitbegründer der Kefaya-Bewegung und 2005 der Bewegung "Writers and Artists for Change", die er bei Merit beherbergte. Später machte er den Verlag zum ständigen Hauptquartier der Revolution vom 25. Januar 2011 und versorgte die Demonstranten mit lebenswichtiger Hilfe.

Über den IPA Prix Voltaire 2026

Nominiert für den IPA Prix Voltaire sind Verleger – Einzelpersonen, Gruppen oder Organisationen –, die in der Regel kontroverse Werke unter Druck, Drohungen, Einschüchterung oder Schikanen veröffentlicht haben, sei es durch Regierungen, andere Behörden oder private Interessen. Alternativ kann es sich um Verleger handeln, die sich in herausragender Weise für die Werte der Veröffentlichungsfreiheit und der Meinungsfreiheit eingesetzt haben.

Der IPA Prix Voltaire, der mit einem Preisgeld von 10.000 Schweizer Franken dotiert ist, werde durch großzügige Beiträge von Sponsoren ermöglicht, bei denen es sich ausschließlich um Verlage und Organisationen handele, die die Werte teilen, für die der IPA Prix Voltaire steht.

Die aktuellen Sponsoren sind:

  • Al Dar Al Masriah Al Lubnaniah (Ägypten)
  • Albert Bonniers Förlag (Schweden)
  • Changbi Publishing (Süd-Korea)
  • C.H.Beck (Deutschland)
  • Dar El Shorouk (Ägypten)
  • Nowon Mungo (Süd-Korea)
  • Sahoipyoungnon Publishing (Süd-Korea)